Winnenden

Rollstuhlrampe abgebrannt: Versicherung zahlt nicht

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Andreas Fingerle und der Brandschaden an seiner Rollstuhlrampe. Die Polizei ermittelt noch, die Versicherung will nicht zahlen. © Habermann / ZVW

Winnenden-Hertmannsweiler. Die Rollstuhlrampe zu Andreas Fingerles Hochparterre-Wohnung ist stabil konstruiert und erspart seiner Pflegerin, sich mehrmals täglich mit einer schweren, unhandlichen Klapprampe aus Metall an der Treppe im Hausflur abzumühen. Doch eines Nachts, Ende Oktober 2017, brannte das gute Stück plötzlich. Und danach sagte die Versicherung: Wir zahlen nicht.

Eigentlich hat Andreas Fingerle Glück im Unglück gehabt. Der Brand so nahe am Balkon und am Haus hätte furchtbar werden können. „Ich bin froh, dass beim Bau besondere Materialien verwendet wurden, ein schwer entflammbarer Teppich als rutschfester Belag und ebenso schwer entflammbare Farbe.“ Nachbarn entdeckten das Feuer und schlugen sofort Alarm. Im Polizeibericht vom 28. Oktober stand: „Bis zum Eintreffen der Feuerwehr war das Feuer beinahe wieder von selbst erloschen.“

Außerdem kann Andreas Fingerle die Rampe, obwohl sie im oberen Bereich wirklich ramponiert aussieht, immer noch benutzen. „Seit fünf Jahren bin ich auf den Rollstuhl angewiesen und komme dank der Rampe viel öfter ins Freie“, sagte der 57-Jährige. Er hat sich bei einem Sturz aus einem Fenster den dritten und vierten Halswirbel gebrochen.

Versicherung stellt sich stur: Rampe war nicht mitversichert

Bei der Schadensregulierung jedoch trifft der Winnender auf Widerstände. Überhaupt stand die Finanzierung des Rollstuhlzugangs nach Fingerles Angaben unter keinem guten Stern. Die Pflegeversicherung habe die Anschaffungskosten (5000 Euro) nicht zahlen wollen. Er versuchte, dagegen zu klagen, nach einem Vergleich erhielt er immerhin 1500 Euro.

Und nun hätte Andreas Fingerle den Schaden gern auf Kosten der Wohngebäudeversicherung reparieren lassen. Er spricht von 1500 Euro, die Polizei schätzte den Schaden damals auf 500 Euro. Doch der Versicherungs-Sachbearbeiter lehnt ab. „Nachträglich eingefügte Sachen, die ein Mieter auf eigene Kosten beschafft hat“, seien „nicht versichert“. Nach dem ersten Schreck war Fingerle zwar froh, dass das Feuer nicht mehr Schaden angerichtet hat. Doch letztlich ist er bereit, für sein Recht zu kämpfen, und liegt auch regelmäßig der Hausverwaltung in den Ohren, sie möge sich für ihn einsetzen. Diese lehnt das bisher ab.

Fingerle ist überzeugt: Das war Rache

Zunächst stimmt aber nicht, dass Fingerle Mieter sei: Ihm gehört die Wohnung und dem Anbau der Rampe haben alle anderen Eigentümer in dem Mehrfamilienhaus zugestimmt. Nur hätte er der Wohngebäudeversicherung Unterlagen zur Rampe einreichen müssen, auf dass diese die Mehrkosten berechnet. Die Eigentümergemeinschaft hätte diese wiederum gemeinsam tragen oder Fingerle zahlen lassen müssen. Doch das habe der Mann selbst versäumt, sagt die Hausverwaltung. Immerhin ist nach deren Information die Versicherung nun dabei, den Anbau ins Gesamtpaket aufzunehmen.

Mit der Rampe hat Andreas Fingerle aber noch einen Schmerz. Er harrt auf Ermittlungsergebnisse der Kriminalpolizei. „Ein Feuerwehrmann sagte, er habe Brandbeschleuniger gerochen. Die Polizisten vermuteten einen Zigarettenstummel.“ Dieser hätte sowohl aus den oberen Stockwerken als auch von der Straße aus auf die Rampe fliegen können – aus schlimmer Gedankenlosigkeit freilich. Nicht abwegig: Auf diese Weise war, wir erinnern uns, auf einem Balkon eines Schelmenholz-Hochhauses eine Couch in Brand geraten. Fingerle selbst glaubt das nicht. Er ist felsenfest überzeugt, dass sich ein Mann, mit dem er sich mehrfach gerichtlich auseinandergesetzt hat, an ihm rächen wollte. „Die Kripo Waiblingen führt die Ermittlungen wegen Verdachts der Brandstiftung. Zu dem laufenden Verfahren kann die Polizei derzeit keine näheren Details bekanntgeben“, heißt es auf Nachfrage unserer Redaktion aus der Pressestelle des Polizeipräsidiums Aalen. Dass ein Täter jemals zur Rechenschaft gezogen wird und für den Schaden aufkommt, steht in den Sternen. Andreas Fingerle muss warten. Er braucht Geduld - und wahrscheinlich abermals eine Portion Glück.

Update: Die Versicherung hat mittlerweile reagiert und wird die Kosten der Reparatur übernehmen. Mehr dazu.


Urteil lässt Fingerle hoffen

Andreas Fingerle ist fleißig im Internet unterwegs. Dort hat er ein Urteil des Oberlandesgerichts Karlsruhe vom 30.6.2009 gefunden (Az.: 12 U 6/09), das seinen Hoffnungen neuen Schwung gibt.

„Nach einem Brand lehnte der Versicherer die Schadensregulierung mit der Begründung ab, (...) der Carport, in dem das Feuer ausbrach, sei nicht mitversichert gewesen“, heißt es. Doch das Oberlandesgericht Karlsruhe entschied zugunsten der Versicherten.

Das Gericht befand, dass der Carport mitversichert gewesen sein muss, auch wenn im Antragsformular nur das Einfamilienhaus als zu versicherndes Objekt angekreuzt und die Rubrik Garage/Carport offengelassen worden sei. Denn ein durchschnittlicher Versicherter, der sich bei der nachträglichen Errichtung eines Carports über seinen Versicherungsschutz unterrichten möchte, wird den Versicherungsbedingungen entnehmen, dass An-, Um-, Aus- oder Neubauten in den Versicherungsschutz einbezogen sind, wenn sie einen bestimmten Kostenrahmen nicht überschreiten.

Analog dazu könnte Fingerle argumentieren, dass der Anbau einer Rollstuhlrampe kostenmäßig die eines Carports nicht überschreitet. Vielleicht hat der 57-Jährige doch noch eine Chance (oder erhält von unerwarteter Seite Hilfe) und kann über den Kundensprecher seiner Versicherung etwas bewirken. Er wird den Kampf jedenfalls so schnell nicht aufgeben.