Winnenden

Saharastaub auf der Photovoltaik-Anlage: Weniger Strom? Hilft putzen?

Putzaktion
Putzaktion 2021 der Stromerzeuger-Anlage auf dem recht flachen Dach des Schwaikheimer Kinderhauses. © Bürger-Energie Schwaikheim

Vor knapp zwei Wochen hat ein Regen-Saharasand-Gemisch die Autos mit einer Kruste überzogen. Wer nicht gleich in die Waschanlage gefahren ist, könnte jetzt froh sein, denn der nächste Sandregen ist für Mittwoch angekündigt.

Nicht mal kurz in die Waschanlage fahren können Leute, die mit schwarzen Modulen auf ihrem Dach Strom oder Warmwasser erzeugen. Auch auf ihnen sind die gelbbraunen Ablagerungen gut sichtbar. Doch sie sind kein ästhetisches Problem wie auf dem Dachfenster: Der Belag hält Sonnenstrahlen fern. Weil er festklebt, mindert er die Leistung der Anlagen. Ein Beispiel aus dem privaten Umfeld zeigt, dass trotz der vielen Sonnenstunden der vergangenen zehn Tage 20 bis 30 Prozent weniger Strom ins Netz eingespeist worden sind, als die Anlage üblicherweise unter diesen Bedingungen erzeugt.

Der Häuslesbesitzer und Stromernter fragt sich daher: Bleibt das jetzt so, oder hilft der nächste längere, starke Regen, gefolgt sogar von leichtem Schneefall am Wochenende, den Belag abzuwaschen? Oder muss ich sogar eine Firma kommen lassen, was ja wiederum Geld kostet, das ich mit meiner Stromernte dann erst wieder verdienen muss? Kann ich auch selbst Hand anlegen, und wenn ja, was muss ich beachten?

In der Regel reinigt die Natur die Anlagen mit Schnee und Regen

Stadtwerke-Geschäftsführer Stefan Schwarz rät grundsätzlich vom Putzen ab, „das kann dauerhaft Schaden anrichten. Bei regelmäßigem Regen reicht eine Minimalneigung von zehn Grad und die Natur reinigt die Anlage.“ Zwar gebe es unter Experten „einen Philosophiestreit“, wie er sagt, aber seine Devise sei eben, „dass eine Fotovoltaikanlage null Personalaufwand mit sich bringen sollte“.

Gleichwohl könne es Anlagen geben, die ein gewisses Maß an Pflege brauchen. Man denke an Module auf begrünten Dächern – hier sollten Besitzer darauf achten, dass keine Unkräuter Schatten werfen. Ein Reinigungsgrund könnte auch eine Umgebung sein, die viel Staub oder sogar Ruß erzeugt, wie zum Beispiel eine Autobahn oder ein öfter genutztes Backhäuschen.

Putz-Indikatoren: Staubige Umgebung, geringe Dachneigung, Modulglätte

„Ja, der Sahara-Sand macht uns auch zu schaffen“, sagt Dieter Lindenmaier, einer von drei Vorständen der Bürger-Energie Schwaikheim eG. „Die Frage, ob man die Fotovoltaik-Anlagen nun putzen muss, ist aber nicht pauschal mit Ja oder Nein zu beantworten“, führt er aus.

Seine privaten Sonnenkollektoren musste der Diplom-Ingenieur in zwölf Jahren noch nie reinigen. „Ertragseinbußen sind nur temporär festzustellen und sind in der Regel weg nach dem nächsten kräftigen Regenguss.“ Genauso sei es bei der Mehrzahl der elf in Betrieb befindlichen Genossenschafts-Fotovoltaik-Anlagen. Allerdings gibt es ein paar, die die Bürger-Energie wegen Ertragsrückgang „mehr oder weniger regelmäßig putzt“.

Die Anlage auf dem Schwaikheimer Kinderhaus ist sehr flach

Woher kommt das? Ein ausschlaggebender Faktor ist die Dach- beziehungsweise Modulneigung, erläutert Dieter Lindenmaier. „Je flacher die Aufstellung ist, desto weniger Selbstreinigungseffekt gibt es. Das heißt, ein Regenguss nimmt bei flacher Aufstellung den Schmutz nicht runter, es rutscht nichts ab und sammelt sich stattdessen auf den Modulen.“ Genauso verhält es sich bei Schnee (der im vergangenen Winter in unseren Breitengraden ausgeblieben ist): „Wenn er schmilzt, rutscht ein kleines Schneebrett ab und nimmt den Schmutz mit, nicht so aber bei flacher Modulneigung.“ Nach vier Jahren Betrieb haben die Energiegenossen daher 2016 erstmals die Schwaikheimer Kinderhaus-Anlage (13 Grad Neigung) vom Staub der angrenzenden Felder und anderen Quellen beseitigt – mit einem selbst entwickelten Putzgerät (Artikel vom 2. 6. 2016). Geputzt wurde erneut vier Jahre später, 2020.

Laut Lindenmaier spielen aber auch der Standort und die Moduloberfläche eine Rolle: „Da gibt es durchaus Qualitätsunterschiede bei den Herstellern. Die eine ist glatter als die andere.“ Sicher ein guter Tipp für all diejenigen, die kurz davor sind, in eine Fotovoltaikanlage zu investieren.

Elektrotechniker Widmann: "Putzen ist ein Mordsaufwand"

Denn auch Rainer Widmann, der mit seinem Ein-Mann-Elektrotechnik-Betrieb in Winnenden-Hertmannsweiler auch Fotovoltaikanlagen installiert, hat selbst schon mal testweise geputzt und festgestellt: „Das ist ein Mordsaufwand.“ Viele bräuchten dafür ein Gerüst, mindestens brauche man Zubehör (wasserführende Teleskopstange mit Bürste am Ende und Anschluss für den Wasserschlauch). „Reinigungs-Fachleute empfehlen Regenwasser aus der Zisterne, es ist am klarsten, hat kaum Kalk“, weiß Widmann. Damit das Wasser nicht schnell trocknet, sollte man außerdem abends putzen, „sonst nehmen die Wasserflecken wieder Licht weg“. Doch auch Widmann sieht die Gefahr einer Beschädigung, obwohl die Scheiben so robust wie ein Dachfenster sind: „Wenn zum Beispiel aus fünf Meter Entfernung ein Teil vom Putzgerät auf das Glas knallt.“

Letztlich würde Widmann wie Stefan Schwarz und Dieter Lindenmaier von der Bürgerenergie warten, was der nächste längere Regen wegschafft, ob er die Sandschicht aufweichen und abspülen kann. Ab Mittwoch soll das "Putz"-Wasser vom Himmel fallen. Wenn wieder die Sonne scheint, sollte jeder prüfen, ob es noch Minderertrag gibt. Fünf Prozent, so der Hertmannsweiler Experte, seien hinnehmbar.

Vor knapp zwei Wochen hat ein Regen-Saharasand-Gemisch die Autos mit einer Kruste überzogen. Wer nicht gleich in die Waschanlage gefahren ist, könnte jetzt froh sein, denn der nächste Sandregen ist für Mittwoch angekündigt.

Nicht mal kurz in die Waschanlage fahren können Leute, die mit schwarzen Modulen auf ihrem Dach Strom oder Warmwasser erzeugen. Auch auf ihnen sind die gelbbraunen Ablagerungen gut sichtbar. Doch sie sind kein ästhetisches Problem wie auf dem Dachfenster: Der Belag

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