Winnenden

Sarah Lampke gewinnt Demokratie-Wettbewerb

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Sarah Lampke aus Birkmannsweiler – Siegerin bei der Werbung fürs Grundgesetz. © Laura Edenberger
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Das Plakat von Sarah Lampke. © Benne Ochs (Emeis Deubel)
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Sarah Lampke aus Birkmannsweiler – Siegerin bei der Werbung fürs Grundgesetz. © Schneider / ZVW

Winnenden-Birkmannsweiler. Sie ist noch nicht mal fertig mit dem Studium und hat schon „einen der wichtigsten Kreativwettbewerbe Deutschlands“ gewonnen: Sarah Lampke (und drei ihrer Kommilitonen) lieferte für eine Werbekampagne das Leitmotto sowie die besten Entwürfe „Plakat und Film“. Sie machen auf etwas Unverkäufliches aufmerksam: das Grundgesetz und die Demokratie.

„Ich bin sehr gespannt, wie die Leute um mich herum auf die Kampagne reagieren“, sagt Sarah Lampke. Ihre Sieger-Plakate werden demnächst auf 6400 Werbewände in ganz Deutschland geklebt. Die Initiative Artikel 1, die hinter dem Kreativwettbewerb steckt, hat erreicht, dass dafür nichts bezahlt werden muss. Außerdem wird ein Spot mit den drei Personen von den Plakaten, einer Hafenkran-Führerin, einem Zeitschriftenverkäufer und einer Muslima, in jedem zweiten deutschen Kino laufen.

Zuschauer mit Wortspiel überrascht 

Der Kiosk-Mann sagt: „Ich könnte auch nur meine eigene Meinung verkaufen. Muss ich aber nicht.“ Mit diesem genial kurzen, einprägsamen Satz machen die Stuttgarter Studenten Werbung für die Pressefreiheit, also den Artikel 5 des Grundgesetzes. Sie überraschen den Zuschauer mit dem Gedanken- und Wortspiel des Mannes und lassen ihn spontan lächeln. Über die Emotion, so das Kalkül der angehenden Profi-Werber, soll sich die Botschaft im Kopf einnisten. „Nach unserem Sieg haben wir unsere Ideen zusammen mit der Initiative Artikel 1 weiterentwickelt. Unser ursprünglicher Spruch zur Muslima wurde etwas entschärft, weil derzeit das Thema Islam so konfliktträchtig ist“, plaudert Sarah Lampke aus dem Nähkästchen.

Auch Steinmeier schnappte den Satz auf

Das Spiel mit dem beliebig anwendbaren Satzmuster „Ich könnte. Muss ich aber nicht“ hat die Jury aus 30 Profis und Prominenten so überzeugt, dass sie nicht nur Plakate und Filme der vier Stuttgarter Studenten zum Sieger der fünften Kategorie gekürt, sondern es zur Leitidee des gesamten Wettbewerbs erhoben hat. So kam es, dass bei der Ehrungsgala auch der Ehrengast, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, auf den Zug aufsprang: „Man kann mit mir einer Meinung sein. Muss man aber nicht.“

Lampke: „etwas Praktischeres machen“

Sarah Lampke sieht die Stärke genau darin, dass das Leitmotto „Spaß macht und die Leute gern damit herumwitzeln“. Nach dem Abitur am Georg-Büchner-Gymnasium wollte sie erst Psychologie studieren. Merkte bei einer Reise durch Australien aber, dass sie „etwas Praktischeres machen“ will, und ließ sich aufs Studium Marktkommunikation und Werbetext ein. „Außerdem hat Werbung ja auch mit Psychologie zu tun. Warum tut oder kauft jemand etwas? Das müssen wir analysieren.“

Suche nach Personen und Situationen im Alltag

Für ihre Demokratie- und Grundgesetz- Kampagne war den Studenten ganz wichtig, „die positiven Seiten zu sehen“. Indem Sarah Lampke und Team eben nicht auf Bedrohungen der Demokratie durch die Pegida-Bewegung, AfD oder „Reichsbürger“ abzielten, sondern Personen und Situationen im Alltag suchten, „die jeder kennt, in die sich jeder reinversetzen kann“, wollen sie zeigen, wie präsent die Werte des Grundgesetzes im Alltag sind. So könne bei uns eine Frau eine klassische Männerarbeit machen wie das (echte) Beispiel der Hafenkranführerin. „In vielen Ländern ist es Frauen überhaupt nicht erlaubt, zu arbeiten, was sie wollen“, weiß Sarah Lampke. Bei uns aber garantiert das Grundgesetz Berufsfreiheit.

Nach dem Studium: "Job mit Sinn"

Die 22-Jährige findet, dass der Demokratie 72 Jahre nach Kriegsende durchaus wieder mehr Aufmerksamkeit verschafft werden muss. „Sie ist für uns selbstverständlich geworden. Und das ist wie in einer langen Ehe: Wenn man nichts für sie tut, schläft sie ein.“

Die Arbeit für die Demokratie-Initiative hat Sarah Lampke so sehr gefallen, dass sie sich nach ihrem Bachelor-Abschluss im Februar 2018 einen „Job mit Sinn“ suchen wird. „In einem Unternehmen, das sich für eine gute Sache engagiert oder zumindest nachhaltig arbeitet.“

Auch als Nabu-Mitgliedwerberin erfolgreich

„Wir sind das Volk“ rufen Leute in antidemokratischen Bewegungen. Dagegen setzen Expertinnen und Experten aus den Bereichen Kommunikation, Kreativität, Strategie, Bildung, Campaigning und Meinungsforschung den Wettbewerb „Wir sind) Volker“, getragen vom überparteilichen Verein „Artikel 1 – Initiative für Menschenwürde“ (gegründet 2015).

Zum Siegerteam Plakat, Film und Leitmotto gehören neben der Winnenderin Sarah Lampke Philipp Koch, Theresa Rappensberger und Laura Seifert. Eine Selfieaktion gibt es unter www.demokratie-ist-alles.de.

Aus 250 Einsendungen hat die Jury Gewinner in fünf Kategorien gekürt.

Sarah Lampke freut sich, dass mal aus einer Studiumsarbeit etwas Großes, öffentlich Sichtbares wird. „Unsere Beiträge sind auch über Facebook geteilt worden, das macht einen schon stolz.“

Die junge Frau hat aber nicht nur durch den Demokratie-Wettbewerb Volker den Geschmack an einem „Job mit Sinn“ gefunden. „Während eines Praktikums in Hessen brauchte ich Geld und habe dort und in Norddeutschland neue Nabu-Mitglieder geworben, bin von Haus zu Haus gegangen.“ Vorher war sie schon tierlieb und fotografierte gern in der Natur. „Doch nachdem ich 72 Leute in vier Wochen überzeugt hatte, hätte ich es falsch gefunden, nicht selbst Mitglied zu werden.“

Sarah Lampke ging zum Nabu-Stammtisch beim TV Birkmannsweiler, traf im Ersten Vorsitzenden Horst Schlüter ihren früheren Arzt, fühlte sich gleich wohl, half beim Naturerlebnistag und wurde Beisitzerin im Ausschuss.