Winnenden

Satan-Schriftzüge an der Kirche: Entfernung wird teuer

Satansudelei
Pfarrer Reimar Krauß steht vor der beschmierten Schlosskirche. © Palmizi/ZVW

Winnenden. Seit knapp zwei Wochen sind an der Schlosskirche Schriftzüge wie „Satan 666“ oder „stay high“ zu lesen. Schriftzüge, die beim Kirchengemeinderat und der Bevölkerung gleichermaßen für kollektives Kopfschütteln und Verärgerung sorgen. Wann das Gekrakel entfernt wird und wer der Verursacher ist, ist aktuell noch unklar.

Pfarrer Reimar Krauß ist erbost. Das merkt man dem Oberhaupt der evangelischen Kirchengemeinde in Winnenden schnell an. Die Schmierereien an der Schlosskirche haben im wahrsten Sinne des Wortes ihre Spuren hinterlassen. Dennoch ist er um Sachlichkeit bemüht. „Natürlich ärgern mich diese Kritzeleien an der Kirche. Man sollte das ganze Thema jetzt aber auch nicht an die große Glocke hängen.“ Mehrere unterschiedliche Schriftzüge sind es, die zwischen Samstag, 29., und Sonntag, 30. September, an der Kirchenfassade angebracht wurden. Die komplette Westseite der Kirche ist betroffen. „Die Tat muss zwischen Samstag, 17 Uhr, und Sonntag, 13 Uhr, passiert sein“, so Krauß weiter. Da der Erntedankgottesdienst an besagtem Wochenende im Paul-Schneider-Haus stattfand, wurden die Verunstaltungen nicht früher entdeckt.

Die Polizei hat noch keine Anhaltspunkte zur Tat

Schriftzüge wie „Satan“ und „666 an die Macht“ sind es, die nun auf den Sandsteinmauern des Gotteshauses aus dem 14. Jahrhundert zu lesen sind. Es handelt sich dabei also um Worte, die man keinesfalls an öffentlichen Gebäuden, geschweige denn an einer Kirche, lesen möchte. „An der Symbolik dieser Schriftzüge will ich mich gar nicht lange aufhalten und abergläubisch bin ich auch nicht. Wir haben Anzeige bei der Polizei erstattet. Mehr können wir Stand jetzt nicht tun“, kommentiert Reimar Krauß die Beschmutzung der Kirchenfassade. Auch innerhalb der Bevölkerung sorgen die Schmierereien für großes Unverständnis. „Als ich die Schriftzüge gesehen habe, habe ich tiefe Enttäuschung empfunden. Man stelle sich vor, ein Brautpaar heiratet in der Kirche und liest diese Worte“, erklärt ein Winnender, der namentlich nicht genannt werden möchte, gegenüber unserer Zeitung. Zur Höhe des Schadens gibt es noch keine genauen Zahlen. Der Pfarrer weiß aber, dass die Entfernung der Schriftzüge nicht billig sein wird: „Ein aufwendiges Spezialverfahren ist notwendig. Das wird mehrere Hundert Euro kosten.“

Wohl keine Verbindung zum Brand der Linde

Die Polizei tappt aktuell noch im Dunkeln. „Wir haben bisher noch keine Anhaltspunkte zur Tat“, äußerte sich das Polizeipräsidium in Aalen auf Nachfrage. Ob es sich beim Platz hinter der Schlosskirche um eine Art Szenetreffpunkt, etwa von Drogenabhängigen, handelt? Dies schließt man bei der Polizei aus. Auffällig ist jedoch, dass sich dort bereits vor wenigen Wochen eine andere Straftat ereignete. Anfang September geriet, gegenüber vom Haupteingang der Kirche, die große, alte Linde mit der imposanten Jakobsweg-Beschilderung in Brand. Mutwillige Brandstiftung ist mehr als wahrscheinlich. Ob beide Taten in Verbindung zueinander stehen? Davon geht man bei der Polizei eher nicht aus: „Diese Verbindung ist etwas weit hergeholt. Grundsätzlich sollte man aber natürlich nichts ausschließen“, erklärt die Polizei.

Reimar Krauß jedenfalls hat kaum Hoffnung, dass der oder die Täter identifiziert werden können. „Beim Tatort handelt es sich um eine ganz dunkle Ecke. Es wird wahrscheinlich nicht möglich sein, den oder die Verantwortlichen zu ermitteln.“

Graffiti an der Sporthalle

Wann die Schmierereien an der Schlosskirche entfernt werden, wird aktuell geklärt. Ein konkreter Zeitpunkt steht daher noch nicht fest.

Ob die Tat im Zusammenhang mit den Graffiti an der Stöckachschule stehen, die am Donnerstag, 4. Oktober, dort entdeckt wurden, schließt die Polizei nach aktuellem Stand der Ermittlungen aus. An beiden Gebäuden wurde aber, unter anderem, der Schriftzug „stay high“ angebracht.

Hinweise zu beiden Taten nimmt die Polizei Winnenden telefonisch unter 071 95/69 40 entgegen.