Winnenden

Schlittschuhlaufen im Eispark

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Anfängern hilft ein Pinguin. © Ramona Adolf
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Eispark voll
Wenn die Witterung mitmacht, herrscht auf der Eisfläche und drum rum geradezu Partystimmung. © Habermann / ZVW
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Eispark voll
Achtung, bitte anschnallen. © Habermann / ZVW

Winnenden. Ein Wetter zum Daheimbleiben: Heiße Wanne, Tee, Decke denken die einen. Anders sehen es kälteresistente, eisbärige Schlittschuhläufer; ihnen können winterliche Kälte und Wind nichts anhaben. Im Eispark kommen sie sogar ins Schwitzen.

Auf der Eisfläche dreht sich was. Gut was los, aber kein Gedränge. Die Sturmwarnung für den Abend wird von den Schlittschuhläufern in den Wind geschlagen, sie fahren bei jedem Wetter. Wankend im Watschelgang, tapsig wie Teletubbies, galanten Gleichgewichtssinn zeigend - man sieht genau, wer sich zum ersten Mal aufs Eis wagt und wer Routine in Beinen und Hüften hat. Hand in Hand die Verliebten.

Das Wichtigste: Bremsen, ohne im Mitfahrer zu landen

Als „Zügle“ eine Mutter in Jeans und Mütze mit Sohnemann im dicken Skianzug: Er hält sich an seiner Eislaufhilfe, dem „Pinguin“, fest. Mama hat ihre Hände auf seinen Schultern und schubst das Gespann nach vorne gebeugt behutsam dribbelnd vorwärts. Das Wichtigste - bremsen, ohne im Mitfahrer zu landen - lernt ein Mädchen, das mit rosarot-weißem Fahrradhelm und versunken im pinkfarbenen Skidress über die kalte Rutschbahn stolpert. Ihr kippelnder Gang mit schwankendem Oberkörper deutet den Plumpser aufs Eis an, die Kurve kriegt sie nicht mehr und lässt sich fallen, wenig später kommt sie auf Knien weiterrutschend zum Halten und lacht. Andere legen einen Bauchplatscher aufs gefrorene Wasser und ziehen damit die Bremse. Die siebenjährige Daniela aus Waiblingen steht zum ersten Mal auf Schlittschuhen: „Ich muss noch etwas üben, aber habe eine Runde schon ohne den Pinguin geschafft“, sagt sie begeistert und kann sich kaum loseisen vom Eis.

Fast jeden Tag im Eispark

„Ich bin fast jeden Tag hier“, sagt der zehnjährige Moritz aus Winnenden, die Backen rot von der Anstrengung, nicht von der Kälte. Er fällt durch sein ruhiges Gleiten auf, er scheint auf unsichtbaren Schienen kerzengerade übers Eis zu schweben. Die Hände hat er in der Jackentasche, er ist kein bisschen mit seinem Oberkörper beschäftigt, sein Gleichgewichtssinn lässt ihn rückwärts kreiseln und verwegene Moves einbauen. Als wäre er mit Schlittschuhen an den Füßen zur Welt gekommen, bremst er aus der Drehung heraus und wirbelt ein weißes Stäubchen aus pulvrigem Schnee auf. Hummeln in den Beinen hat auch der zwölfjährige Leon aus Leutenbach. „Hier ist’s cool“, meint er, rast zur gegenüberliegenden Bande, dreht mit eleganter Wende und wetzt zurück, seine rasante Runde mit einem Gummifuß beschließend: Für die Figur stellt er die Füße so weit auseinander, dass rechter und linker Zeh die weitestmögliche Distanz haben.

"Ohne Hinfallen kriegt man die Kurve nie raus"

Auch Alex Theodoridis aus Winnenden kennt keinen Mangel an innerer Hitze: Manch erwachsenen Zuschauer friert es beim Anblick, wie er in dünner Jogginghose und einfachem Sweatshirt in Fahrt kommt. Er ist Freestyler, beherrscht Schritte aus dem Breakdance und Figuren wie den „Spider“ und das „Dreieck“, bei dem er nach Abschluss des Tricks ein Dreieck auf dem Eis hinterlässt. Die Tricks mit Übersetzern und abenteuerlich aussehenden Beinverknotungen sind auch für den Fortgeschrittenen knackig. „Auch mich haut’s noch hin bei manchen Tricks, aber ohne Hinfallen kriegt man die Kurve nie raus“, sagt er und zieht sich den Kopfhörer auf die roten Ohren. Er hat seine eigene Musik dabei. „Die Musik hier ist nichts für den Freestyle“, meint er.

Sogar aus Murrhardt und Welzheim kommen welche

Silke Witt und Ellen Wörner aus Murrhardt und Welzheim halten sich mit mitgebrachtem Punsch und Tee warm. „Bei uns gibt es tolle Seen, aber bei dem Wetter sind sie nicht ausreichend gefroren“, sagen sie. Die Söhne Paul, Paul, Mattis und Lenny zieht es auf die Piste, die Mütter bevorzugen das winterliche Kaffeestündchen im Freien. „Wir können in Ruhe ratschen und bezahlen als Zuschauer weniger, das ist sehr sympathisch“, sagen sie. Die Mütter finden den Eispark familienfreundlich. „Man kann mit Kleineren herkommen, weil die Größe der Piste perfekt ist und die Schnelleren die kleinen Kinder nicht erschrecken oder von der Bahn treiben“. Die „Qualität der Leihschlittschuhe“ loben Susanne und Andy Merz aus Rommelshausen. Sie haben den Neffen Tim (13) und die Nichte Anneli (10) dabei. „Das Gleiten ist wunderschön, abends mit der Beleuchtung im Dunkeln hat es echt Atmosphäre“, sagen sie.

Eismaschine

Warm um die Ohren wird es im Kämmerlein bei Fatin (23) und Ali (28), die den Schlittschuhverleih für ihre Mama vertretungsweise übernehmen. „Es läuft gut bisher die Saison, das Wetter spielt mit.“ Auch über Weihnachten sei es nicht zu warm oder nass gewesen.

Hausmeister Waldemar Hacker fährt mehrmals täglich mit der Eismaschine und dem Eisschleifer über die Piste, glättet sie, räumt das aufgescheuerte Eis ab und ebnet eingefahrene Rillen ein. Morgens vor Toröffnung und bei großem Betrieb mehrmals täglich gießt er zum Glätten zusätzlich heißes Wasser über die Bahn.