Winnenden

Schrecken in Hanweiler: Skorpion reist aus dem Toskana-Urlaub mit nach Winnenden

Koffer Gepäck Gepäckstück Symbol Symbolbild Symbolfoto
Symbolfoto. © pixabay.com/Tama66

„Kommst du mal bitte ganz schnell!?“, rief Janine Frankenhauser ihrem Mann aus dem Flur der gemeinsamen Wohnung in Hanweiler zu, ein leichtes Beben in der Stimme. Als Thomas Frankenhauser aus dem Wohnzimmer zu ihr trat, traute er seinen Augen kaum. Auf der Fußbodenleiste saß ein Skorpion! Zwar sei „der kleine Kerl“ nur circa zwei bis drei Zentimeter groß gewesen, erinnert sich der 36-Jährige. Der (womöglich todbringende?) Stachel am Schwanzende sei jedoch gut zu erkennen gewesen. „Man ist geprägt durch die Film- und Fernsehwelt“, sagt Thomas Frankenhauser.

Da standen seine Frau und er nun am späten Abend und wussten nicht recht, was zu tun sei.

Frankenhausers waren erst wenige Stunden zuvor aus dem Urlaub in der Toskana zurückgekehrt und trotz eines Zwischenstopps in Südtirol noch ziemlich platt von der langen Autofahrt. Eigentlich hatten sie bald ins Bett gehen wollen, jetzt hielt sie der blinde Passagier auf Trab, der vermutlich in Italien in eine der Taschen gekrabbelt war, die Frankenhausers nach ihrer Ankunft in Hanweiler im Flur abgestellt hatten.

Mit einem Glas und einer Postkarte eingefangen – und „eingetuppert“

„Ich habe ihn mit einem Glas und einer Postkarte eingefangen“, berichtet Thomas Frankenhauser, „der hat da relativ gut mitgearbeitet. Dann haben wir den erst mal klassisch schwäbisch eingetuppert.“ Das diente nicht zuletzt dem Schutz des Skorpions vor den drei Katzen der Frankenhausers – freilich aber auch umgekehrt.

Dann befragte der IT-Fachmann das Internet und fand heraus, dass der kleine Gast – seine Frau hatte den Skorpion in der Zwischenzeit „Waldemar“ getauft – für Menschen wohl ungefährlich sei. In einer Winnenden-Gruppe bei Facebook bat er um Rat. Bald wurde dort munter diskutiert: Polizei rufen? Wilhelma informieren?

„Wir wollten das Tier nicht das ganze Wochenende bei uns daheim haben“

Die Beamten auf dem Polizeirevier in Winnenden entpuppten sich jedenfalls nicht als Experten für exotische Tiere, sahen aber – der Skorpion war ja sicher eingetuppert – auch nicht die große Dringlichkeit, zu handeln. Eine Nutzerin gab Thomas Frankenhauser den Tipp, sich am nächsten Morgen an den Terraristik-Fachhändler ATP in Berglen-Steinach zu wenden.

Dort riefen Frankenhausers am Samstagmorgen schließlich an. „Wir wollten das Tier nicht das ganze Wochenende lang bei uns daheim haben, egal wie klein und ungefährlich es ist“, sagt Thomas Frankenhauser und lacht. Er neige immerhin zu allergischen Reaktionen – und: „Nachdem mich im Urlaub alles Mögliche gestochen hat bis zur Hornisse, hab' ich gedacht: Nicht dass mich das Vieh auch noch sticht.“

In Berglen im Aquaterrapoint werden immer wieder Exoten abgegeben

Die Experten im ATP (Aquaterrapoint) seien sehr freundlich gewesen, luden die Frankenhausers ein, das Tier vorbeizubringen. „Die fanden das Kerlchen ganz putzig und haben es umgetuppert und behalten“, sagt Thomas Frankenhauser. „Und wir waren froh, dass wir den kleinen Waldemar wieder los waren.“

Der hat jetzt in Berglen ein neues Zuhause gefunden. Das berichtet Martin Meder unserer Redaktion. Seit 35 Jahren ist der 51-Jährige „Terrarianer“, seit 16 Jahren führt er den ATP in Steinach. Immer wieder nehmen er und seine Mitarbeiter exotische Tiere auf, die aus Versehen aus dem Urlaub oder per Obstimport den Weg nach Deutschland gefunden haben. „Es hat sich schon herumgesprochen, dass wir hier die richtige Adresse sind.“ Auch wenn in Steinach keine Wildfänge angeboten werden, sondern ausschließlich Spinnen, Schlangen, Echsen und Co. aus eigener Zucht.

Immer wieder melden sich Menschen, die zum Beispiel eine Ringelnatter im Garten gefunden haben, schicken ein Bild und bitten um eine Bestimmung. Ist das Tier ungefährlich und heimisch, wird nichts weiter unternommen. Wurde es ungewollt eingeschleppt, wird es von Meder und Co. in Berglen adoptiert und kommt in einem Terrarium im Laden oder privat unter. Ein Frosch, der in einem französischen Salat mit ins Remstal reiste, wurde auch schon mal in die Heimat zurückgebracht. Das war bei dem Gecko aus der mutmaßlich jamaikanischen Bananenkiste nicht so einfach möglich ...

Aktuell lebt der Skorpion in einer Box mit Sand, Futter und Wasser

Bei dem Skorpion der Frankenhausers aus Hanweiler handle es sich um einen „Euscorpius italicus“, der ungefährlich für den Menschen sei, erklärt Martin Meder. „Der lebt jetzt in einer Box mit Sand, Futter und Wasser“, berichtet der 51-Jährige. Zu fressen bekommt der Skorpion Heimchen und Heuschrecken.

Es könne natürlich auch passieren, dass Urlauber giftige Skorpione mitbrächten, aus Marokko oder Tunesien zum Beispiel. Auch die könnten sich bei ATP in Berglen melden: „Wir sind auch auf Gifttiere spezialisiert“, sagt Martin Meder. Die Reaktion der Frankenhausers sei durchaus angebracht gewesen: „Man sollte auch die kleinsten Arten mit Vorsicht angehen, bevor man genau weiß, was es ist. Es gibt auch Skorpionarten, die ähneln einander sehr – doch eine ist giftig, die andere nicht.“

„Kommst du mal bitte ganz schnell!?“, rief Janine Frankenhauser ihrem Mann aus dem Flur der gemeinsamen Wohnung in Hanweiler zu, ein leichtes Beben in der Stimme. Als Thomas Frankenhauser aus dem Wohnzimmer zu ihr trat, traute er seinen Augen kaum. Auf der Fußbodenleiste saß ein Skorpion! Zwar sei „der kleine Kerl“ nur circa zwei bis drei Zentimeter groß gewesen, erinnert sich der 36-Jährige. Der (womöglich todbringende?) Stachel am Schwanzende sei jedoch gut zu erkennen gewesen. „Man ist

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper