Winnenden

Schulempfehlung für fünfte Klasse wird oft ignoriert

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Die Gemeinschaftsschule in Schwaikheim. © Sarah Utz

Winnenden. Für die Eltern von Viertklässlern steht nach den Faschingsferien die Entscheidung an: Welche weiterführende Schule besucht mein Kind? Seit sechs Jahren ist die Empfehlung der Grundschulen nicht mehr verbindlich. Die Eltern bekommen sie zwar, entscheiden aber frei. So besuchen im laufenden Schuljahr 40 Kinder mit Hauptschulempfehlung eine Realschule, drei sogar ein Gymnasium.

Im Gemeinderat legte der Schulamtsleiter der Stadt, Andreas Hein, die Statistik der Grundschulen und des Staatlichen Schulamts vor. Demnach besuchen nun von den Kindern mit Realschulempfehlung nur 33 tatsächlich die „Mittelschule“, der Rest orientierte sich zum Gymnasium (zwölf), drei immerhin zur Gemeinschaftsschule, die an den Standorten Leutenbach und Schwaikheim derzeit beide Abschlüsse anbietet, den Hauptschul- und den Werkrealschulabschluss, der Mittleren Reife gleichgestellt. Doch auch Schüler mit Gymnasial-Empfehlung zieht es auf die Realschule: 19 von 102 stiegen in der Mitte ein, ein Kind startete auf der Gemeinschaftsschule.

Mehr Aufklärung nötig

Das hat zur Folge, dass bei einem generellen Schülerrückgang die Lage bei den Realschulen stabil bleibt. Damit sind die Klassen weiterhin proppenvoll und zudem noch heterogener als früher. Stadtrat Christoph Mohr (Ali) gefällt das nicht: „Wenn sich alle Eltern nicht an die Empfehlung der Grundschulen halten würden, würde das System nicht mehr funktionieren.“ Er vermutet, dass die Quote im laufenden Schuljahr besonders hoch ist, weil Winnender nur noch in Leutenbach oder Schwaikheim die Gemeinschaftsschule besuchen können. Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth bezeichnete diese Einschätzung als „halb richtig“ und mutmaßt, dass die infrage kommenden 56 Eltern eben überwiegend „keine Gemeinschaftsschule wollten“. SPD-Stadtrat Hans-Dieter Baumgärtner hofft, dass noch „mehr Aufklärung unter den Eltern geleistet werden kann, damit der Druck von den Realschulen genommen wird und die Gemeinschaftsschulen eine auskömmliche Schülerzahl haben“.

„Land hat Tür der Realschulen für Hauptschüler geöffnet“

OB Holzwarth gab ihm Recht: „Unser Interesse ist, dass sich die Schüler auf alle Schulen im Raum gleichmäßig verteilen. Wir haben, verteilt auf drei Standorte, von jeder Schulart zwei Angebote.“ Baumgärtners Anmerkung erinnerte ihn zudem an ein Gespräch mit Albertville-Schulleiter Sven Kubick: „Wenn das Beratungsgespräch an der Realschule direkt von den Gemeinschaftsschulkollegen übernommen werden könnte, wäre das ein Vorteil. Viele Eltern fühlen sich ohne die verbindliche Empfehlung alleingelassen. Aber die Beratung ist Sache der Schulen, nicht der Stadt.“

Eltern müssen sich beraten lassen

Siegfried Lorek, Stadtrat und Landtagsabgeordneter (CDU), fügte hinzu, dass dieses Jahr zu den Schulanmeldungen „die Beratungsgespräche verbindlich sind. Mal sehen, wie das angenommen wird. Eventuell muss das Land die verbindliche Schulempfehlung wieder einführen.“ Tatsächlich ist es aber auch so, wie Stadtrat Andreas Herfurth sagte, dass das Land „mit dem Angebot, den Hauptschulabschluss an den Realschulen zu machen, die Tür geöffnet hat“. Das bestätigte Siegfried Lorek: „Die Realschule hat die Möglichkeit zu differenzieren für diejenigen, die an ihr falsch sind.“

Höchste Übertrittsquote seit langem

Die Übertrittsquote auf die beiden Winnender Realschulen erreicht mit 44,5 Prozent den höchsten Wert der vergangenen Jahre. Dennoch ging der Anteil an Schülern aus anderen Kommunen (Berglen, Leutenbach, Schwaikheim) leicht zurück.

Mit 25 Schülern in Klasse fünf ist die Nachfrage nach dem Ganztagszug der Albertville-Realschule weiter ungebrochen.

Der bilinguale Zug an der Albertville-Schule wird von 31 Schülern belegt, drei mehr als im Vorjahr. Das Angebot „spricht leistungsstärkere Schüler an“, so Schulleiter Sven Kubick.