Winnenden

Schwere Gewalt am ZfP Winnenden: Patient verletzt drei Menschen - wie oft passiert so etwas?

Bluttat, Angriff von Patient auf Arzt und weitere Person, Zentrum fuer Psychatrie Schloss Winnnenden, 10.09.2022.
Einsatz für Notarzt, Sanitäter und Polizei am Samstagabend im Klinikum Schloss Winnenden wegen eines gewalttätigen Patienten. © Benjamin Beytekin

Wenn ein Mensch Gewalt gegen Pfleger, Ärzte, Sanitäter oder Polizisten ausübt, hat das immer eine besondere Tragweite. Denn eigentlich braucht der Mensch in der Situation Hilfe, und er attackiert ausgerechnet diejenigen, die sie ihm geben können. Die Erinnerung ist noch frisch an den Prozess am Landgericht im Juli gegen einen Mann, der Ende 2021 im Zentrum für Psychiatrie (ZfP) Klinikum Schloss Winnenden eine Ärztin so schwer verletzt hat, dass zu ermitteln war, ob es sich um versuchten Totschlag handelte. Das Urteil bestätigte diese Sichtweise, auch andere Personen waren von dem Mann geschlagen und getreten worden. Und nun, am vergangenen Wochenende, schon wieder ein Fall schwerer körperlicher Gewalt durch einen 38-Jährigen im psychischen Ausnahmezustand. Wir fragen nach, wie oft so etwas wirklich passiert, ob dies trauriger Alltag ist im Klinikum.

Am Dienstag (13.9.) kann zunächst die Polizeipressestelle Auskunft über die genaueren Vorfälle vom Samstagabend geben, das Klinikum Schloss Winnenden braucht aufgrund des vollen und eng getakteten Terminkalenders der ärztlichen Direktorin Dr. Marianne Klein noch mehr Zeit für die Recherche.

Als die Handschellen klicken, wird der verletzte Arzt schon ins Klinikum gebracht

Wie berichtet, hat der Mann am Samstag (10.9.) gegen 18 Uhr begonnen zu randalieren. Eine Tür zu einer Station und ein Spiegel sind dabei kaputtgegangen. Security-Mitarbeiter und die Polizei wurden vom medizinischen Personal zu Hilfe gerufen. Nachdem zunächst von aggressivem Verhalten die Rede war, hieß es beim zweiten Anruf, dass der Patient einen Arzt verletzt habe. „Als meine Kollegen eintrafen, hatten Sicherheitsdienst und Mitarbeiter den Mann schon am Boden fixiert. Als sie ihm Handschellen anlegten, wehrte er sich nicht“, gibt Pressesprecher Robert Kauer Auszüge aus dem Bericht wieder, den seine Kollegen verfasst haben. Der verletzte Arzt wurde zu dem Zeitpunkt schon medizinisch versorgt und mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gefahren.

Auch ein zweiter Geschädigter wurde mit dem Sani ins Krankenhaus gebracht, eine Mitarbeiterin begab sich selbst zur Behandlung dorthin. Laut Kenntnisstand der Polizei waren alle drei letztlich aber nur leicht verletzt. „Auch der Patient hatte sich durch die körperliche Auseinandersetzung leichte Verletzungen zugezogen“, sagt Kauer, aus dem Bericht der Kollegen gehe hervor, dass auch der 38-Jährige zumindest für kurze Zeit in ein anderes Krankenhaus kam.

Polizei spricht von etwa einem gewalttätigen Konflikt pro Woche

Ein Mann im Ausnahmezustand, vier Personen leicht verletzt, Sachschaden in Höhe von 250 Euro angerichtet – ist das für die Winnender Polizei Routine? Der stellvertretende Revierleiter Friedhelm Veigel, erst seit Montag aus dem Urlaub zurück, kann grundsätzlich sagen: Schätzungsweise etwa jede Woche komme es zu einem Angriff auf eine Person beziehungsweise zu einem Fall von körperlicher Gewalt im ZfP. Das ist viel und doch wenig, denn ein- bis dreimal täglich hat das Polizeirevier Kontakt mit dem ZfP wegen eines Vorfalls, einer Vermisstensuche oder Konflikten auf Stationen oder bei der Patientenaufnahme. Es kann eine Straftat sein, muss aber nicht, und der „Kontakt“ steht nicht zwangsläufig in Verbindung mit Gewalt.

„Für uns Polizisten vor Ort ist es gleichwohl ein großes Thema und ein Belastungsfaktor, ebenso natürlich wie für die Pfleger, Ärzte und die Betroffenen selbst“, sagt Friedhelm Veigel. Wohl wissend, dass ein Mensch im psychischen Ausnahmezustand nicht mehr Herr seiner Sinne ist. Je kräftiger er ist, desto ungünstiger für sein Umfeld. „Schreiten wir ein, richtet sich die Aggression dann oft auch gegen uns Polizisten.“

Der 38-Jährige war übrigens schon am Nachmittag in Waiblingen-Neustadt von Polizisten mitgenommen worden. Er hatte mit einem Softair-Maschinengewehr auf Autos gezielt.

Wenn ein Mensch Gewalt gegen Pfleger, Ärzte, Sanitäter oder Polizisten ausübt, hat das immer eine besondere Tragweite. Denn eigentlich braucht der Mensch in der Situation Hilfe, und er attackiert ausgerechnet diejenigen, die sie ihm geben können. Die Erinnerung ist noch frisch an den Prozess am Landgericht im Juli gegen einen Mann, der Ende 2021 im Zentrum für Psychiatrie (ZfP) Klinikum Schloss Winnenden eine Ärztin so schwer verletzt hat, dass zu ermitteln war, ob es sich um versuchten

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper