Winnenden

So lief Tag eins des Teil-Lockdowns in Winnenden: Leben in der Stadt, trotz leerer Tische

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Tag eins des Teil-Lockdowns: Die Marktstraße am Montagvormittag, © Büttner

Montagvormittag auf der Winnender Marktstraße. Tag eins im Teil-Lockdown. Die Sonne scheint, das Thermometer zeigt knapp 20 Grad an. Einige Menschen sind unterwegs, manche tragen nicht einmal eine Jacke. Einen Mundschutz haben sie alle auf. Vom sogenannten Teil-Lockdown ist wenig zu spüren. Auf der Bank an der Ecke zur Kirchstraße sitzt ein älterer Mann. Er pfeift fröhlich vor sich her. Vor der Postfiliale schlängeln sich acht Kunden die Marktstraße entlang. Spüren die Einzelhändler schon etwas von den neuesten Regelungen? „Bei uns war bis jetzt nicht weniger los als sonst“, berichtet eine Verkäuferin der Metzgerei Kühnle. Auch die heiße Theke sei so gut besucht wie immer. „Man muss natürlich abwarten, wie es später aussieht. Aber bisher merken wir vom Lockdown nichts“, sagt sie.

Bei manchen Menschen liegen die Nerven blank

Am Adlerplatz ein ähnliches Bild. Der Drogeriemarkt Müller ist gut besucht. Die elektrischen Schiebetüren der Stadtbücherei stehen offen, so dass frische Luft einströmen kann. Rein kommt nur, wer sich am Eingang einen Warenkorb nimmt. Sind die Körbe vergriffen, darf niemand mehr in die Bücherei, ehe jemand rauskommt. Plötzlich wird es vor dem Rewe-Supermarkt lauter. Eine Frau hat sich auf eine Bank gesetzt, ziemlich nah neben einen Mann, der auf ein Sauerstoffgerät angewiesen ist. „Das ist jetzt schlecht mit dem Abstand“, sagt er zu ihr. Sie hat kein Verständnis dafür. Fängt an zu fluchen, beleidigt den Mann. „Ich hab doch kein Corona!“, ruft sie, steht entrüstet auf und verlässt den Adlerplatz.

Zurück auf der Marktstraße: Maurer-Verkäuferin Claudia Kröhn steht seit 7 Uhr in einem provisorischen Verkaufswagen. Arbeiter renovieren derzeit die Filiale hinter ihr. „Ob weniger los ist als sonst, kann ich schlecht beurteilen“, sagt sie. „Dadurch, dass ich hier am Stand stehe, fällt das Café-Geschäft weg“, so die Verkäuferin.

Gastronomen trifft es besonders hart

Vor der DM-Drogerie steht ein Mann, er wartet auf jemanden. Ob er den Eindruck hat, dass in der Innenstadt weniger los ist als sonst? „Das kann ich nicht beurteilen, ich bin nicht von hier“, sagt er. Angst habe er auf alle Fälle nicht, dass er sich beim Einkaufen mit dem Virus infiziere. Ein Stückchen weiter die Straße entlang steht Ylber Pnishi, der Inhaber des Balkangrills, in seinem Laden. Gastronomen sind vom erneuten Teil-Lockdown besonders hart getroffen. Die Tür des Ladens ist geöffnet, weit hinein kommt man allerdings nicht. Pnishi hat einen Getränke-Kühlschrank so positioniert, dass Kunden im Laden lediglich etwas bestellen können. Die Gerichte direkt dort zu essen, ist im November nicht möglich. Die Tische bleiben leer. „Dabei haben wir doch alles getan, Abstände eingehalten, Gästedaten erfasst und Desinfektionsspender aufgestellt“, sagt Pnishi. Derweil trudelt per Telefon eine Bestellung ein. „Die Erste des Tages“, sagt er. Er hoffe, dass er im Dezember wieder regulär öffnen könne. „Ehrlich gesagt denke ich aber, dass wir auch im Dezember noch schließen müssen“, sagt er. Zu kämpfen haben auch die Frisöre. Im Gegensatz zum Frühjahr dürfen sie aber offen haben. „Man merkt deutlich, dass weniger los ist als sonst“, sagt Ibo Colak, Inhaber des Star-Frisörsalons in der Bahnhofstraße. Er vermute, dass die Menschen vorsichtiger sind, Angst haben, sich mit dem Virus anzustecken.

Wieder zurück auf der Marktstraße, läuft der Winnender Peter Klein durch die Stadt. Hat er den Eindruck, dass weniger lost ist als sonst? „Für Montagvormittag sieht es eigentlich aus wie immer“, sagt er. Dass man von Seiten der Politik den Teil-Lockdown erlassen hat, findet er okay. „Ich hoffe, dass das alles bald vorbei ist. Allerdings befürchte ich, dass es noch bis zum Frühjahr geht“, sagt er. Beim Gespräch mit dem Redakteur hält Klein viel Abstand. Darauf achten auch die Passanten in der Winnender Innenstadt. Steht jemand im Weg, machen sie einen großen Bogen um die Person. Vor den Läden warten wieder mehr Menschen. Bilder, die man noch aus dem Frühjahr kennt.

Ampelschaltung am Uhrengeschäft

Dieter Bialas vom gleichnamigen Uhrengeschäft in der Marktstraße hat sich deshalb gemeinsam mit Marcel Taus von der Winnender Firma „Taus Metallbearbeitung“ etwas Besonderes überlegt. Am Eingang des kleinen Uhrengeschäfts hängt eine Ampel. Steht sie auf Rot, befindet sich eine Person im Laden. Ist sie grün, darf der Kunde eintreten.

„Die Leute wissen durch die Beschränkungen nie so recht, ob sie reinkommen dürfen. Dann schauen sie von außen, sehen es aber auch nicht gescheit. Deshalb haben wir uns die Ampel überlegt“, sagt Dieter Bialas, der die Idee im Landratsamt aufgeschnappt hat. Umgesetzt habe die Idee Marcel Taus.

„Im Moment muss man die Ampel noch manuell umschalten, aber wir wollen Lichtschranken installieren, die erkennen, ob jemand im Laden ist“, sagt Taus. Dann könne die Ampel automatisch schalten. Man wolle weitere solcher Ampeln produzieren, an andere Interessenten weitergeben, da viele kleinere Geschäfte nicht so gut einsehbar seien und Kunden daher zögern würden, einzutreten. „Es gibt immer wieder aber auch Leute, die sich trotz roter Ampel nicht daran halten“, sagt Taus.

Montagvormittag auf der Winnender Marktstraße. Tag eins im Teil-Lockdown. Die Sonne scheint, das Thermometer zeigt knapp 20 Grad an. Einige Menschen sind unterwegs, manche tragen nicht einmal eine Jacke. Einen Mundschutz haben sie alle auf. Vom sogenannten Teil-Lockdown ist wenig zu spüren. Auf der Bank an der Ecke zur Kirchstraße sitzt ein älterer Mann. Er pfeift fröhlich vor sich her. Vor der Postfiliale schlängeln sich acht Kunden die Marktstraße entlang. Spüren die Einzelhändler schon

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