Winnenden

So spektakulär kann Putzen sein

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Das Hermannsdenkmal in Detmold. © Kärcher
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Thorsten Möwes kümmert sich für Kärcher um die weltweite Reinigung von Denkmälern. Im Hintergrund hängt er am Mount Rushmore.
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Reinigungsexperten am Haupttor der früheren vietnamesischen Kaiserstadt Hue.

Winnenden. Mal klettert Thorsten Möwes zwei Monate an einem Turm in den USA herum, dann hängt er mehrere Wochen mit Seilen befestigt an einer Brücke in Japan. Immer mit dabei: ein Hochdruckreiniger. Denn Möwes reinigt weltweit Denkmäler für Kärcher.

Deshalb kam der 43-Jährige, der mit seiner Familie in Berglen-Steinach lebt und in Schwaikheim und Winnenden aufgewachsen ist, viel herum. So reinigte er beispielsweise schon die 3300 Jahre alten Memnonkolosse in Ägypten oder aber die 184 Meter hohe Space Needle im amerikanischen Seattle. „In Ägypten hatte es 40 Grad im Schatten. Dort habe ich acht Liter Wasser am Tag getrunken, ohne einmal auf die Toilette zu müssen. Nach dem dreiwöchigen Einsatz war ich zehn Kilogramm leichter“, berichtet Möwes. Seine Augen funkeln, während er das sagt. Man merkt: Die Arbeit macht ihm Spaß. Trotz aller Anstrengungen und der Tatsache, dass er seine siebenjährige Tochter und seine Frau während der Einsätze nicht sieht. Zweimal haben sie ihn deshalb schon während eines Auslandsaufenthalts besucht. „Das war in Tokio und in Athen“, sagt Möwes.

Spektakulärer Einsatz am Mount Rushmore in den USA

Nicht dabei waren sie, als Möwes gemeinsam mit seinem Team die Präsidentenköpfe am Mount Rushmore reinigte. Für ihn der prägendste Einsatz, seitdem er verantwortlich für die technische Ausführung und die Organisation der Aufträge ist. Hubschrauber brachten notwendige Geräte auf die Spitze des Denkmals. Wasser für ihre Hochdruckreiniger bekamen die Reinigungsexperten aus einem zwei Kilometer langen Schlauch, den die ansässige Feuerwehr durch Wald und Wiesen legte. „20 000 Liter Wasser haben wir pro Tag verbraucht“, sagt Möwes zur mehrwöchigen Aktion. Unterstützt wurden die Kärcherleute von amerikanischen Park-Rangern. „Das war ein super Team“, erzählt er. „An Wochenenden haben wir zusammen Ausflüge gemacht oder gegrillt.“ Üblicherweise kärcherten die Experten meist im Stehen auf einem Hubfahrzeug oder einem Gerüst. Am Mount Rushmore allerdings war es für die Kärchermänner der erste Einsatz, bei dem sie eine Denkmaloberfläche an Seilen hängend reinigten.

Viele Menschen gehen dieser Arbeit weltweit nicht nach

„Das Ganze nennt sich dann Industriekletterer. Dafür muss man eine einwöchige Ausbildung hinter sich bringen, mit anschließender praktischer und theoretischer Prüfung“, erklärt Möwes. Einmal jährlich muss er seine Eignung nachweisen. Zudem finden im Jahr regelmäßige Fortbildungen über Oberflächenarten und die dazu passenden Reinigungsmethoden statt.

Eine genaue Bezeichnung gibt es für seinen Job nicht. „Anwendungstechniker, Fachmann für restauratorische Reinigung, Reinigungsexperte. So haben mich die Leute schon genannt“, meint Möwes. Eines jedenfalls ist klar: Viele Menschen gehen solch einer Arbeit nicht nach. Vielleicht ist er sogar der Einzige weltweit. „Klar gibt es zum Beispiel Steinrestauratoren. Die kennen sich dann aber auch nur mit Steinen aus. Wir aber haben von Glasfassaden über eine Boeing im Technikmuseum bis hin zu kleinen Dorfbrunnen schon nahezu jede Oberfläche gereinigt“, sagt der muskulöse Kärchermann. Zusätzlich ins Fitnessstudio geht er nicht. Um fit zu bleiben, reichen seine zehn bis 15 Einsätze pro Jahr aus. Und diese koordiniert Möwes bereits lange, bevor es wirklich losgeht.

Bei einem zweiten Termin testen die Experten am Objekt

Meistens dauern die Vorbereitungen zwei Jahre. Nach einem ersten Vororttermin erstellen Universitäten und Forschungsinstitute teils aufwendige Gutachten über Oberflächenbeschaffenheit und deren Verschmutzungen. Die Reinigungsexperten überlegen mit Hilfe dieses Gutachtens: Welcher Luft- und Wasserdruck ist notwendig? Welche Temperatur sollte das Wasser haben? Ist eine Zugabe von Reinigungsmitteln nötig? Bei einem zweiten Termin testen die Experten am Objekt, ob die Einstellungen anschlagen. „Wenn wir dann keine geeignete Methode finden, nehmen wir Abstand von der Reinigung. Das passiert aber nur in seltenen Fällen“, meint Möwes und nennt die Kathedrale im schweizerischen Freiburg als Beispiel.

40 Projekte liegen auf seinem Schreibtisch

Gibt jedoch neben Möwes auch das Denkmalamt und Kärchers interne Kostenschätzung grünes Licht, beginnt die Einsatzplanung. Möwes muss ein Team zusammenstellen, das je nach Einsatzort aus bis zu 15 Personen besteht. „Meistens sind Steinrestauratoren dabei“, sagt er. „Dann stelle ich eine Materialliste zusammen und kläre ab, wie es vor Ort mit Strom und Wasser aussieht. Da wir 70 Niederlassungen weltweit haben, kommen unsere Geräte immer aus den jeweiligen Ländern.“ Langweilig wird es dem 43-Jährigen auf alle Fälle nicht. Aktuell liegen 40 Projekte auf seinem Schreibtisch.


Die Reinigung ist kostenlos

Die Kosten für die Reinigungen übernimmt Kärcher im Rahmen des Kultursponsorings. Nach der Reinigung kommen auf die Besitzer der Denkmäler aber meist Kosten zu. Schäden kommen zum Vorschein, die Bewuchs und Verschmutzungen zuvor versteckt hatten.

„Die Optik ist nur sekundär. Es geht hauptsächlich um die Gebäudeerhaltung“, erklärt der Kärcher-Verantwortliche für das Kultursponsoring, Frank Schad.

Thorsten Möwes: „Oft denkt man, dass mit einem Hochdruckreiniger alles niedergemetzelt wird. Wir haben Tausende verschiedene Einstellmöglichkeiten. Teilweise haben unsere Düsen einen Durchmesser von einem Millimeter. Man unterscheidet zwischen der Reinigung mit kaltem und heißem Wasser. Und drittens können wir auch nur mit Wasserdampf arbeiten. Das kann schonender sein als die weicheste Bürste. Der Anwender ist das Ausschlaggebende. Der richtige Abstand zur jeweiligen Oberfläche ist entscheidend.“

Insgesamt reinigte Möwes schon über 100 Denkmäler.