Winnenden

Sonnendeckfestival 2018 am 13. und 14. Juli

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Symbolbild. © Online-Praktikant
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Die Macher: Ajdin Rizov, Stefan Saltikiotis, Ralph Muehlberger, Susanne Saltikiotis, Timo Saltikiotis, Sarah Kögel und Konrad Kögel (v.l). Es fehlt Christos Saltikiotis.
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Timo Saltikiotis ist einer der jungen Erwachsenen, die das Festival organisieren.

Schwaikheim. 120 000 Follower hat Yonii auf Facebook. Wenn die sich am Samstag, 14. Juli, alle auf nach Schwaikheim machen würden ... Aber keine Sorge, liebe Anwohner und Nachbarn. Beim 5001. Besucher des Sonnendeckfestivals müssten die Veranstalter am Eingang der Festwiese ohnehin „sorry, aber wir sind voll“ sagen.

Yonii, über 20 Millionen Youtube-Aufrufe, ist auch auf den Plakaten deutlich als Headliner hervorgehoben. Der orientalische Prinz aus einem „Tatort“ mache aber auch wirklich gute Musik, arabisch-deutsch-französischen Rapp mit marokkanischen Wurzeln, versichern die Veranstalter und dass der ziemlich gut ankomme, vor allem bei den Mädels der Altersgruppe, die das Festival anspricht.

Ebenfalls herausgehoben auf den Plakaten ist Danju. Der Stuttgarter ist bei „Cro“-Konzerten aufgetreten. Seine zeitgenössischen Texte sind vielschichtig, Rapp und entspannte Beats sind sein Markenzeichen.

Während der Samstag ganz live ist, haben am Freitag, 13. Juli, die DJ’s das Sagen. Für beide Tage gilt nach wie vor das Motto „umsonst und draußen“. Die Besucher können aber Bändchen kaufen, der Erlös daraus fließt in eine Spende.

Stolz sind die Veranstalter, dass bei der fünften Auflage alle auftretenden Bands aus der Region kommen. Angesichts dieses Aufgebots erwarten sie, dass zumindest mehr Besucher kommen als vor zwei Jahren, als es rund 5000 waren, an beiden Tagen zusammen.

Die Veranstaltung solle außerdem eine für die ganze Familie sein, für die Kleinen sind Hüpfburg, Kletterwand und Rutsche aufgebaut. Auch das Juze ist mit Spielangeboten vertreten. Es gibt Federball, Tischtennis und Slackline. Die Banner, Paletten (Sitzgelegenheiten) und der Bauzaun sind besprüht oder lackiert, ein Projekt von Kindern des Vereins Ina unter Anleitung eines befreundeten Graffiti-Künstlers, das in den Pfingstferien stattfand.

An beiden Tagen wird die Festivalmusik bis 0.30 Uhr spielen, der Festbetrieb selbst ist bis 1 Uhr zugelassen. Am Samstag beginnt dieser um 12 Uhr, am Freitag um 18 Uhr. Security ist bei solchen Veranstaltungen immer ein Thema, dieses Mal werden noch mehr Profis für Sicherheit sorgen, auch wegen der Ungewissheit, welchen Andrang Yonii auslösen wird. Der Rat der Veranstalter lautet deshalb, mit einem Augenzwinkern: „Lieber früher kommen, dann ist das Risiko geringer, nicht mehr reinzukommen.“

Drinks mitbringen nicht erlaubt

Sie appellieren an die Jugend, nicht draußen vorzuglühen, sondern sich auf dem Festivalgelände zu versorgen. Ob der Aufruf wirklich fruchtet? „Zumindest wäre es wünschenswert.“ Es werden noch mehr Mülleimer aufgestellt sein als bisher schon und am Tag danach wird vereint aufgeräumt. „Fremder“ Alkohol wird konsequent am Eingang eingesammelt, so die klare Ansage und drinnen wird nichts Hochprozentiges verkauft. Betrunkenen wird der Zutritt verwehrt.

Es wird auch wieder eigene Ordner geben, etwa 120 Leute, die auf die Jugendlichen zugehen, sie ansprechen, auffordern werden, reinzukommen. Sie sind aus dem Ort und der Umgebung, Freunde und Bekannte der Veranstalter, die zumindest den einheimischen Nachwuchs persönlich kennen. „Die sind also nicht von der Security und sind von unserer Seite aus ein Kompromissangebot, ehe die eingreift. Ohne sie wäre die Veranstaltung gar nicht möglich. Und die kommen von sich auf uns zu, fragen, ob sie wieder mitmachen können.“

Am Festivalwochenende läuft immer noch die Fußball-Weltmeisterschaft. Am Tag danach, am Sonntag, findet das Endspiel statt, am Samstag allerdings das Spiel um den dritten Platz (Beginn 16 Uhr). Die Veranstalter sprechen launig von einer „WM-Pause“, gehen dabei davon aus, dass die deutsche Mannschaft nicht um Bronze spielen wird – was immer das heißen mag. Auch dass es in der Umgebung wenig Konkurrenz geben wird, wissen sie bereits.


Schwaikheim. Zum fünften Mal findet das Sonnendeckfestival statt, veranstaltet vom Verein Ina. Ein Riesenaufwand an Vorbereitung und Arbeit an dem Wochenende für die jungen Organisatoren. Fra gen dazu an Timo Saltikiotis.

Für wen ist das Sonnendeckfestival gedacht?

Wir haben uns bewusst nicht auf eine Altersgruppe festgelegt. Das Sonnendeck soll für alle sein, sowohl für Familien mit Kindern als auch für Jugendliche und jung gebliebene Erwachsene. Mit dem vergrößerten Rahmenprogramm versuchen wir dieses Jahr, gerade auch Familien und jüngeren Besuchern so mehr zu bieten. Wir sind also sehr froh darüber, wenn das Publikum bunt gemischt ist. Fairerweise muss man aber sagen, dass es in der Regel schon so ist, dass Familien eher mittags vorbeischauen und der späte Abend hauptsächlich den Jugendlichen und jungen Erwachsenen gehört.

Wie kommt der Kontakt zu den Gruppen, die auftreten, zustande?

Auf unterschiedliche Art. Meistens hat sich der Name in der „Szene“ irgendwie rumgesprochen beziehungsweise man hat schon mal von der Band gehört, mittlerweile erreichen uns aber auch viele Bewerbungen. Das war früher anders, aber mittlerweile bekommen wir echt viele Anfragen, und müssen die dann auch alle durchhören. Was wir dann natürlich auch machen. In der Regel hat man aber irgendwann mal gehört „die und die Band ist echt gut“ und dann schaut man eben, ob sie zum Festival passen. Uns ist auf jeden Fall sehr wichtig, dass wir es zumindest versuchen, jede Band vorher live anzuschauen. Klappt nicht immer, aber meistens. Wir sind auch sehr froh darüber, dass wir durch Ajdin Rizov - einen der Mitorganisatoren des Festivals - sehr gute Kontakte zu verschiedenen Künstlern in Stuttgart haben. Außerdem hilft uns das Popbüro Stuttgart bei der Entscheidung und gab uns auch dieses Jahr ein paar Adressen, an die wir uns für gute Bands wenden können. Uns sind bei der Auswahl auf jeden Fall ein überzeugender Liveauftritt und eine sympathische Grundhaltung der Künstlerinnen und Künstler viel wichtiger als die Bekanntheit.

Warum braucht das kleine Schwaikheim überhaupt so ein Festival?

Uns ist während unserer Arbeit bei Ina aufgefallen, dass viele Leute gar nicht oder nur selten ein Konzert oder Festival besucht haben. Daher wollten wir ein leicht zugängliches Angebot schaffen, um Livemusik erleben zu können. Außerdem gibt es in der Region um Schwaikheim und Stuttgart herum viele sehr gute lokale Künstler und Bands, denen man eine Plattform geben muss, damit sie endlich mal gehört werden. Und uns ist es wichtig, dass auch mal auf dem Land endlich was los ist, und nicht immer nur in Stuttgart, wo im Sommer eh schon einige Festivals stattfinden. Durch die S-Bahn- Anbindung sind Stuttgarter ja auch schnell mal in Schwaikheim. Es muss nicht immer die Großstadt sein, um gute Musik hören zu können, die können ruhig auch mal den Weg aufs Land machen. Und dem ruhigen Schwaikheim tut es auch mal ganz gut, alle zwei Jahre durch gute Livemusik wachgerüttelt zu werden.

Das Lineup am Samstag

Das Lineup : Den Samstag eröffnet die Songwriterin Malinka Tatin (ab 15.45 Uhr). Kito, ein einheimischer Rapper mit bassigen Beats und schnellen Rhymes, und Ahoue aus Waiblingen folgen mit französisch angehauchtem Rap (ab 16.30 Uhr). Noah Kwaku aus Stuttgart sieht seine Musik als Mix aus verschiedenen Stilen und Einflüssen (Pop, Soul, Jazz und Hip-Hop (ab 17.15 Uhr). Die deutsch-amerikanische Band Everdeen spielt tiefgründigen Indierock (ab 18 Uhr). „Mischa“, fünfköpfig und aus Biberach an der Riß präsentiert eigenwillige Lyrics (ab 19 Uhr). Der Stuttgarter Rapper Jonesy ist seit „Nachtschicht“ ein Begriff. Er spielt jamaikanisch angehauchten Rap-Hybride und Clubhits (ab 20 Uhr). Der aus Ghana stammende Kwadi verbindet eine extrem soulige Stimme mit einer Mischung aus zeitgenössischem R’n’B und Trap, einer Südstaaten-Hip-Hop-Variante (ab 21 Uhr). Der Stuttgarter Danju lässt vielschichtigen Rap erklingen (ab 22 Uhr). Yonii, Rapper und Geheimtipp unter Szenegängern, interpretiert die beiden Kulturen, in denen er aufgewachsen ist (ab 23.30 Uhr).