Winnenden

Sortimat baut Stellen ab und wächst

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Führende Mitarbeiter von Sortimat zusammen mit Geschäftsführer Thomas Wildt (rechts). © Schneider / ZVW
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Ausbildung bei Sortimat: Henri Bäßle (in der Ausbildung zum Industriemechaniker), Alexander Schall-Gómez (Praktikant) und Tom Pfeiffer (in der Ausbildung zum Industriemechaniker). © Gaby Schneider
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Sortimat-Chef Thomas Wildt (52) ist ein bis zwei Mal die Woche in Winnenden.

Winnenden. Der Anlagenbauer Sortimat spürt den rauen Wind der Globalisierung in einem Teilbereich. Mitte November hat die Firma die Abteilung Zuführungsgeräte aufgegeben und 40 Personen gekündigt oder in den Vorruhestand entlassen. In der Kernkompetenz „Anlagen für die Medizintechnik“ will die Firma allerdings weiter wachsen.

Nur vorübergehend soll der Personalstand in Birkmannsweiler bei 210 Personen stehen. Zehn freie Stellen bietet Sortimat gerade auf seiner Website an. Bis zum Jahr 2020 möchte die Firma auf über 250 Mitarbeiter wachsen.

Hightech-Unternehmen: Jede Anlage ein Unikat

Sortimat ist nicht das größte aller Winnender Unternehmen, aber es ist eine hoch spezialisierte, weltweit vertretene Technologiefirma. Vor sieben Jahren verkauften die Inhaber Dieter Baumtrog und Ulrich Klöpfer den Betrieb an den kanadischen ATS-Konzern. Die Firma baut im Industriegebiet von Birkmannsweiler große Anlagen mit vielen Hightech-Komponenten, die vollautomatisch Dinge produzieren wie Einweg-Spritzen, Diabetes-Pens, Inhalatoren, Nasenspraydosierungen, Katheter und Ähnliches.

Jede Anlage ist ein Unikat und kostet zwischen 2 und 20 Millionen Euro. Hohe Stückzahlen in kurzer Zeit, zu geringen Kosten und bei gesicherter Qualität sind das Prinzip. Zum Beispiel montiert eine Sortimat-Anlage 120 Katheter in der Minute, verpackt sie und kontrolliert die Qualität.

Mit dem Projekt „Sortimat 2020“ macht sich die Firma fit

Seit zwei Jahren ist Thomas Wildt vom ATS-Konzern Geschäftsführer in Birkmannsweiler. Der 52-Jährige initiierte ein Projekt „Sortimat 2020“, überlegte mit dem Winnender Team, was der Markt in Zukunft möchte, wie sich die Effizienz in Birkmannsweiler steigern ließe, und die Firma entschied sich, noch mehr auf die Anlagen für Gesundheitstechnik zu setzen.

Dieser Bereich wächst. Zurzeit wird der Service ausgebaut. Zwei Leute seien eben erst eingestellt worden, berichtet Wildt im Gespräch mit unserer Zeitung.

Kaum Wachstumschancen für Zuführgeräte

Ein anderer Bereich bietet kaum noch Wachstums-Chancen: die Zuführgeräte. Sie waren in den 60er Jahren das Kerngeschäft von Sortimat, aber in Zeiten der Globalisierung treten viele Firmen auf, die ähnliche Geräte mit viel geringeren Lohnkosten produzieren.

„Die Energie, die wir in die Produktion und den Verkauf der Zuführgeräte reinsteckten, stand in keinem Verhältnis zum Ergebnis“, sagt Thomas Wildt. Also gab Sortimat diesen Markt auf. Die bestellten Geräte werden noch produziert und ausgeliefert. Neue Bestellungen von Zuführgeräten nimmt Sortimat nicht mehr an.

Personalabbau mit dem Betriebsrat verhandelt

Die 40 Mitarbeiter, die ihren Arbeitsplatz verloren haben, dürften auf dem Arbeitsmarkt der Region gute Chancen haben, vermutet Thomas Wildt. Von einigen hat er schon gehört, dass sie eine neue Stelle haben oder in Gesprächen sind.

„Wir haben darauf geachtet, den Personalabbau sozialverträglich zu gestalten und haben die Bedingungen mit dem Betriebsrat verhandelt.“ Acht der 40 Betroffenen haben eine Vorruhestandsregelung bekommen.

Nachfrage im Bereich Gesundheitstechnik wächst

Für das Hauptgeschäft der Firma ist Geschäftsführer Wildt sehr optimistisch. Die Nachfrage nach Gesundheitstechnik wachse weiter. Darüber hinaus könnte Sortimat in Zukunft auch Anlagen für andere Sparten bauen, und dabei soll die Verankerung im globalen ATS-Konzern von großem Wert sein. Um sich auf die Zukunft auszurichten, übernimmt Sortimat alle Auszubildenden, wie Thomas Wildt erklärte.



Die Birkmannsweiler Firma Sortimat ist vollkommen in den Weltkonzern ATS integriert. Von ATS kommt ihr Geschäftsführer Thomas Wildt, der zugleich Vizepräsident der ATS-Gruppe Europa und China ist. Sortimat ist nur einer der Betriebe, die er führt. Drei weitere in Deutschland und einer in China gehören zu seiner Verantwortung.

Thomas Wildt stammt aus Köln, und Köln ist weiterhin sein Lebensmittelpunkt. Er ist verheiratet und hat ein Kind.

Seit 2011 bei der ATS

Wildt ist Ingenieur und Betriebswirt, denkt und lebt global und sagt über sich: „Ich bin seit über 30 Jahren in der Automatisierung unterwegs“. In Neuwied hatte er eine Firma geleitet, die heute auch zum ATS-Konzern gehört. Er selbst kam 2011 zur ATS-Gruppe und ist seit zwei Jahren Geschäftsführer in Winnenden.

Hier möchte er das Führungsteam breit aufstellen, eine offene Unternehmenskultur pflegen. Sein Büro hat er eine Etage tiefergelegt als das alte Chefbüro, weil er näher bei den Leuten sein möchte. In verantwortlichen Positionen in Birkmannsweiler sind Alexander Müller, der die Produktion leitet, Philipp Benzenhöfer (Finanzen), Jürgen Rau (Personal), Stefan Pieper (Service und Einkauf) und Carsten Köhler (Engineering).

Kurze Chronik des Unternehmens

  • 1959 gründet Walter Creuz die Firma Sortimat und fertigt die ersten Geräte in einer Garage.
  • 1964 zieht Sortimat an seinen jetzigen Standort, hat 60 Mitarbeiter und baut die erste Montageanlage für Einwegspritzen.
  • In den 70er Jahren liefert Sortimat nach Israel, Südafrika, Venezuela, Kolumbien, Frankreich, Italien und die damalige Sowjetunion.
  • 1988 übernehmen Hans-Dieter Baumtrog und Ulrich Klöpfer die Firma.
  • 2006 gründet Sortimat seinen Betrieb im Schwarzwald, der heute in St. Georgen Palettiersysteme baut.
  • 2010 wird Sortimat in den kanadischen Konzern ATS Automation übernommen, der im Bereich des Sondermaschinenbaus für automatische Produktions-, Montage- und Prüfanlagen agiert.