Winnenden

Stadt gibt Boehringer-Schule auf

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Gemeinderatssitzung gestern Abend: Schüler, Eltern und Lehrer haben konzentriert und diszipliniert mitverfolgt, wie der Gemeinderat über die Zukunft der Robert-Boehringer-Gemeinschaftsschule entscheidet. © Schmitzer/ZVW.
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Noch ein paar Jahre bleibt dieses Schild im Winnender Bildungszentrum II. © Habermann.ZVW

Winnenden.
Alle Hoffnungen auf eine Robert-Boehringer-Gemeinschaftsschule in Winnenden sind gestern Abend geplatzt. Der Gemeinderat hat mit überwältigender Mehrheit beschlossen, dass die Planung für ein neues Schulgebäude eingestellt wird, und dass die Stadt mit Nachbargemeinden verhandelt, um die Winnender in die Schwaikheimer Gemeinschaftsschule zu überführen.

Ein Fünkchen Hoffnung, aber nur ein ganz zartes Fünkchen, glimmt noch in einem Beschluss, den die SPD-Fraktion während der Sitzung heraushandelte: Die Stadtverwaltung soll noch einmal Baukostenvergleiche anstellen mit anderen Gemeinschaftsschulen. Sollte damit ein finanzierbares Projekt herauskommen, würde Winnenden doch selbst bauen. Allerdings machte Bauamtsleiter Klaus Hägele niemandem Hoffnungen darauf: Er hatte bereits über den Baukostenvergleichsdienst Zahlen anderer Projekte beschafft, und die seien nicht wesentlich günstiger ausgefallen.

Die Spannung im Sitzungssaal war fast greifbar, denn es hatten sich etwa 70 Bürger, darunter auch Schüler der Robert-Boehringer-Schule eingefunden, um die Debatte zu verfolgen. Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth ging bei der Vorstellung des Themas auf die Zeitungsberichte und Kommentare ein, betonte: „Wir reden nicht von einer Schließung, sondern von einer Zusammenführung“, erwähnte dann den Kommentar „Die große Enttäuschung“, räumte ein, dass Schüler, Lehrer und Eltern enttäuscht sein müssen und sagte in Richtung Publikum: „Ich bitte Sie um Verzeihung dafür.“ Die Stadt könne einen Schulneubau für 21,9 Millionen Euro nicht finanzieren. „Niemanden fällt es leicht, hier zu entscheiden. Mir hat das Thema auch schlaflose Nächte bereitet.“ Aber Holzwarth und vor ihm Bürgermeister Norbert Sailer verteidigten in der Sitzung das bereits bekannte Konzept: die Winnender Gemeinschaftsschule werde mit der Schwaikheimer zusammengeführt. Die Lösung habe sich als insgesamt beste unter einigen anderen Vorschlägen herausgestellt.

Thomas Traub (CDU) sagt: „Wir müssen uns entschuldigen“

Stadtrat Thomas Traub erinnerte seine Stadtratskollegen an die Verantwortung, die sie für die Finanzen der Stadt haben: „Es ist uns allen klar, dass wir die 22 Millionen Euro nicht finanzieren können. Deswegen können wir diese Planung nicht weiterverfolgen.“ Aber er sagte auch klar: „Wir müssen uns alle entschuldigen, weil wir Jahre lang Hoffnungen geweckt haben, die wir nun nicht erfüllen können. Das ist bitter, auch für uns als Gemeinderäte.“

Für die SPD versuchte Hans-Dieter Baumgärtner mit vielen Fragen, etlichen Vorwürfen und kritischen Anmerkungen den Zug nach Schwaikheim aufzuhalten, aber letztlich konnte er nur noch durchsetzen, dass die Stadt weiter nach der Möglichkeit sucht, zu vertretbaren Kosten eine Schule in Winnenden zu bauen. Auch Baumgärtner sagt: „Wir sind uns einig, dass die 22 Millionen nicht finanzierbar sind.“ Zu Holzwarths Bitte um Verzeihung meinte Baumgärtner: „Die Worte, die Sie gefunden haben, waren gut, und dafür möchte ich Ihnen danken.“ Aber Baumgärtner bleibt dabei: Die Gemeinderäte tragen Verantwortung für die Finanzen, aber auch für die Schulen der Stadt. Und der Plan für einen Neubau der Boehringer-Schule sei eine gute Antwort auf die Schulsituation in Winnenden, denn: „Wir brauchen in Winnenden alle Schularten; wir sollten nicht die Schwächsten, und das wäre die Boehringer-Schule, aus der Stadt hinausdrängen.“ Aber nach all seinen Überlegungen kam auch Baumgärtner nicht um die Frage herum: „Kann nicht günstiger gebaut werden?“ Aus der CDU-Fraktion scherte Petra Schäftlmeier aus und pflichtete Baumgärtner bei, bekam allerdings von OB Holzwarth gesagt: „Wenn wir noch ein Jahr mit Alternativplänen verbringen, sind wir dann an der gleichen Stelle wie jetzt, aber neue Unwägbarkeiten kommen hinzu. Schaffen wir lieber jetzt eine klare Situation.“

Hans Ilg von den Freien Wählern machte es kurz, kündigte seine Zustimmung zur Schulzusammenführung an und erklärte: „Wir sind immer Getriebene der Landesschulpolitik. Das Land will eine neue Schule, aber es gibt uns nicht die notwendigen Mittel dafür.“

Christoph Mohr hat Zweifel an der Schwaikheimer Schule

Christoph Mohr von Ali monierte die Winnender Baukosten. In Konstanz sei eine Schule für 730 Schüler zu Kosten von 22 Millionen Euro gebaut worden, in Winnenden werde für 336 Schüler gebaut. Spezielle Bedenken hat Mohr wegen Schwaikheim: „Es ist die Schule, die von uns am weitesten weg ist. Wir verbünden uns mit ihr, weil sie gerade schwach ist .... Auf dem Papier ist es schön dargestellt, aber ich glaube nicht, dass es aufgeht.“ Mohr meint, man sollte den Blick mehr nach Leutenbach richten, was näher liegt und mit dem Bauen schon weiter ist. Markus Siegloch meinte: „Mit Schwaikheim zusammenzugehen ist keine glänzende Lösung, aber es ist die einzige, die für mich in Frage kommt.“

Am Ende stimmten alle Gemeinderäte der Schulfusion zu außer Ingrid Hecht-Hatzis (FWV), die sich der Stimme enthielt.
 

Der Fusionsplan
Die in der Sitzung anwesenden Schüler der Robert-Boehringer-Schule konnten gleich mit anhören, wie es mit ihnen selbst weitergehen soll. OB Holzwarth versicherte: „Erst wenn Schwaikheim gebaut hat, werden die Winnender Schüler umziehen.“

Das werde voraussichtlich 2020 der Fall sein. „Bei uns in Winnenden wäre so lange eine Außenstelle von Schwaikheim.“

Die jetzigen Fünfer sollen die ersten sein, die umziehen.