Winnenden

Straßenhund Max hat ein Zuhause gefunden

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Hund Max mit seiner Besitzerin Ines Müller (rechts) und Beate Müller (links) vom Verein Tierhilfe Hoffnung. © ZVW/Benjamin Büttner

Winnenden/Pitesti. Hunde, die wild auf der Straße leben, den Müll nach Nahrung durchwühlen und von Hundefängern gejagt und systematisch getötet werden. Bilder, die man aus Deutschland zum Glück nicht in dieser Form kennt. In Ländern wie Rumänien ist das allerdings ganz anders. Der Verein „Tierhilfe Hoffnung“ kämpft seit Jahren vor Ort gegen das Tierleid und vermittelt ehemalige Straßenhunde nach Deutschland.

Vor ziemlich genau einem Jahr haben wir Max im Rahmen eines Artikels zum Welttierschutztag 2018 noch im Winnender Tierheim kennengelernt: Der junge Schäferhundmischling blieb dank seiner liebenswerten Art in guter Erinnerung. Umso schöner ist es, dass er kurz darauf ein liebevolles Zuhause gefunden hat.

Jetzt, ein Jahr später, trifft man sich nämlich in Winnenden-Birkmannsweiler wieder. Max springt freudig die Stufen der Gartentreppe hoch und fällt einer alten Bekannten regelrecht um den Hals: Wir sind zu Hause bei Beate Müller, sie ist zuständig für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Vereins Tierhilfe Hoffnung und maßgeblich dafür verantwortlich, dass Max heute so ein glückliches Leben führt.

Denn zunächst sah sein Schicksal alles andere als rosig aus. Anfang 2017 finden den verwaisten Welpen Mitarbeiter der Smeura, dem unfreiwillig größten Tierheim der Welt bei Pitesti in Rumänien. Die Smeura wird betrieben von der deutschen Organisation Tierhilfe Hoffnung – Hilfe für Tiere in Not e.V.

Max hat ein neues Zuhause gefunden

Acht Monate später kommt Max dann in Winnenden an, wo sich seine Gassi-Gängerin Ines Müller sofort in das verspielte Kerlchen verguckt. „Das war Liebe auf den ersten Blick. Ich konnte ihn nicht mehr hergeben“, erinnert sich die junge Frau. Vor rund einem Jahr hat sie dann entschieden: Max kommt zu ihr nach Hause. „Er hat sich ganz schnell eingewöhnt“. Max hat sich verändert, er ist älter und reifer geworden und ist ganz auf sein Frauchen und sein Teilzeit-Herrchen Steffen Debatin fixiert. Der passt auf ihn auf, wenn Frauchen mal nicht kann. Und er vergöttert den bildhübschen Hund genauso, wie alle anderen, die ihn kennen.

Viel Zeit haben die drei heute nicht: Max darf nämlich heute zum ersten Mal in die Hundeschule gehen. Die Basics kann er schon: „Männchen, Pfote, Sitz und Platz, eigentlich kann er alles“, – „aber nur, wenn er Lust drauf hat“, ergänzt Debatin schmunzelnd. Das Jahr mit Max war für Ines Müller eine wunderschöne Zeit: „Er liebt Schnee über alles. Und wenn wir spazieren gehen, gräbt er gerne Grasbollen aus und spielt damit“, so Ines Müller.

Ganz spurlos ist die Zeit auf der Straße aber dennoch nicht an Max vorbeigegangen. „Er musste alles neu lernen – Treppen waren ganz schlimm am Anfang“. Laute Geräusche und scheinbar banale Dinge wie Mülltonnen machen ihm immer noch Angst. „Er geht auch nicht ins Wasser, selbst wenn es richtig heiß ist“.

Größte Heaursforderung: Unkastrierte Hunde

Dass sich die Lage in Rumänien langsam verbessert und weniger Hunde so schlechte Erfahrungen machen müssen wie Max als Welpe, daran arbeitet die Tierhilfe Hoffnung auf ihrer internationalen Mission. Der Verein leistet vor Ort ganze Arbeit. Um die 6000 Hunde, Hundewelpen und etwa 800 Katzen müssen täglich versorgt werden, wie viele genau lässt sich kaum sagen. „Die Zahlen ändern sich täglich“, so Beate Müller. Mitarbeiter gehen an Schulen, bringen die Tiere zu den Kindern, versuchen, bei der kommenden Generation einen Sinn für Tierschutz zu wecken. „Da gibt es Kinder, die haben in ihrem ganzen Leben noch keinen Hund gestreichelt“, so die Tierschützerin.

Die größte Herausforderung besteht allerdings darin, den Bestand der unkastrierten Hunde in Rumänien drastisch zu reduzieren. Dazu sind Tierpfleger in drei Kastrationsmobilen im ganzen Land unterwegs. Denn das weiterhin eifrig praktizierte Einfangen und Töten der Straßenhunde löst das Problem nicht, wenn immer neue Tiere nachkommen.

„Man muss sich klarmachen, die Leute dort sind sehr arm“, erläutert Beate Müller die komplizierte Lage. „Wir müssen bei der Politik ansetzen. Aber die schafft es nicht, das in den Griff zu kriegen“. Die Tierheime im Land seien alle Tötungstationen, in denen die Tiere nach der gesetzlichen Frist von 14 Tagen getötet werden. „Es gibt von Brüssel immer noch 72 Euro pro getötetem Straßenhund. Die bekommen einfach Frostschutzmittel gespritzt, oder Ähnliches“ – die EU-Gelder kommen dort nicht an. Deshalb klappert der Verein auch alle Tötungstationen im Umkreis von 100 Kilometern rund um Pitesti regelmäßig ab, sammelt die todgeweihten Tiere ein. Beate Müller sieht müde aus, wenn sie darüber spricht. „Solange die finanziellen Mittel eine so große Rolle spielen, wird sich auch nichts ändern“. Trotzdem ist für sie ganz klar: Tierschutz hört nicht an der Landesgrenze auf.