"Streich brennt": Viele wollen verkosten
Berglen. „Mehr Besucher als im Vorjahr, aber das Publikum bleibt trotzdem gemütlich“, so fasst Christoph Ziegler launig die Stimmung bei der Nacht der Brennereien zusammen. Bei „Streich brennt“ spürten Unzählige an der längsten Schnaps-Theke weit und breit dem Wesen der Destillation nach.
Das Wetter ist bis in die Nacht hinein mild und so dürften beim jährlichen Schnaps-Probier-Fest im kleinen Streich die Feinstaubwerte für ein paar Stunden jäh nach oben gegangen sein: Stoßstange an Stoßstange im Ort, die Wiesen ringsherum gleichen einem Flickenteppich aus Autodächern. „Man muss immer weiter außen parken“, stellen Michael, Daniel und Ralf aus Welzheim fest. Hinzu kommt der Rauch der Feuerschalen und Schwedenfackeln, die beim Rundgang zwischen den Brennereien den Besuchern im Dunkeln leuchten.
„Es ist eine gesellige Runde und es hat trotzdem noch Besenflair“
Die drei Freunde kommen jedes Jahr wieder, auch wenn’s immer größer wird. „Es ist eine gesellige Runde und es hat trotzdem noch Besenflair“, sagen sie. „Sensationell“ finden sie, „was so ein kleiner Ort auf die Beine stellt. In einem Dorf fünf Brennereien, das gibt es nicht so oft.“ Und dieser Schnaps, der in fünf Brennereien in unterschiedlichem Ambiente serviert wird, steht im Mittelpunkt - auch wenn im Gedränge viele Wein- und Biergläser zu sehen sind.
Rudersberger Paar kommt vorsorglich mit dem Wohnmobil
Gabi und Willy Maaß aus Rudersberg sind vorsorglich mit dem Wohnmobil gekommen und übernachten dort: „Wir möchten nicht nach dem ersten Gläschen aufhören, denn es gibt so viel Interessantes zu probieren wie sonst nur selten“, sagen sie. Bei der Weinprobe trinkt man sich von Weiß über Rosé zu Rot, wie ist die Systematik beim Schnaps? „Da gibt es für uns keine, einfach der Nase nach und das versuchen, was lecker klingt“, beschreiben sie ihr Vorgehen und meinen es auch als Lob für das Großaufgebot an Destillaten, das bis zu schwarzem Johannisbeer-Geist und schwäbischem „Uuuso“ das gewohnte Schnapsspektrum weitet. Sie liebt die Liköre: „Der Sahne-Kirsch im Waffelbecher war ganz fein.“ Er geht gern auf Entdeckungsreise: „Da drüben gab es Heuschnaps, der duftet wie Heu, das hatte ich noch nirgendwo“, erklärt er. Beide fühlen sich in der Atmosphäre wohl: „Man geht durch und trifft überall nette, freundliche Leute.“
Bar in der umgeräumten Schleppergarage
Beim Bummel kommt man den Themen Landwirtschaft und „Gläserne Produktion“ nahe: Ein schnieke geputzter SUV parkt neben einem nach Arbeit im Wald aussehenden Kastenwagen vor einem riesigen Pelletshaufen. Kinder staunen über einen Traktor, dessen Reifen größer sind als sie selbst. Unterschiedliche Stimmungen zeigen sich in den zu Lauben, Probierstuben und Wirtschaften umgebauten Brennereien: Bei der Brennerei Ziegler hängen Lichterketten auf dem Hof, das Speisenangebot ist umfangreich, man sitzt an Tischen im Hofladen und landet in einer Bar in der umgeräumten Schleppergarage. Bei Heinz Weng ist es dagegen gemütlich wie im Wohnzimmer: kleine Theke, dahinter er und zwei junge Helfer, nebenan der heiße Deckel der Brennanlage. Die Menschen stehen Schlange bis auf die Straße, aber „für einen guten Schnaps steht man gerne auch mal paar Minuten an“, sagt ein Besucher.

