Winnenden

Strompreis: Warum die Stadtwerke Winnenden Kunden-Anfragen aus Duisburg erhalten

Wunnebad neu
Jochen Mulfinger (Stadtwerke Winnenden) warnt vor Lockvogel-Angeboten. © Gabriel Habermann

In Bezug auf die Umwelt und den eigenen Geldbeutel greift der Ratschlag von Umweltverbänden, dass die beste Energie diejenige ist, die gar nicht erst erzeugt werden musste. In diesem Sinne hat der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) ermittelt, dass die Deutschen im Monat Oktober neun Prozent weniger Strom verbraucht haben als im selben Monat vor einem Jahr. Da geht also was. Wer 20 Prozent seines Vorjahresstrombedarfs einspart, liegt nächstes Jahr überdies mit seiner kompletten neuen Rechnung im Schutzschirm der Strompreisbremse. Wird das auch für Kunden der Stadtwerke Winnenden eine Überlegung wert sein? Wie hoch ist die Preissteigerung, wo liegt der Endpreis für die Kunden? Wir haben mit Geschäftsführer Jochen Mulfinger gesprochen.

Stadtwerke-Chef warnt vor Lockvogel-Angeboten

Er gibt, bevor er die Zahlen nennt, erst einmal einiges zu bedenken: „Wir liefern nach wie vor reinen Ökostrom. Wir garantieren unseren Kunden die Preise bis zum Jahresende 2023, außer wenn sich Umlagen oder Steuern ändern, für die wir nichts können. Und als Sonderstromversorger sind wir nicht verpflichtet, unsere Preise zu veröffentlichen.“ Das müssen nur die Grundversorger, hier im Gebiet EnBW und Süwag, aber auch die nennen nur ihren Grundversorger- und Ersatztarif, nicht die anderen Tarife. Somit sei ein Versorgervergleich so, als würde man Äpfel mit Birnen vergleichen.

„Komischerweise sickern unsere Preise doch durch, werden wahrscheinlich von den Kunden weitergegeben. Wir haben zurzeit mehrere Anrufe täglich, dass zum Beispiel Haushalte in Duisburg gerne unsere Kunden werden würden.“ Das schmeichelt Mulfinger, wird aber abgelehnt.

Die mehreren Hundert Aspiranten auf der Warteliste sollten aus dem nahen Verbreitungsgebiet Winnenden und Nachbarkommunen sein. „Nach wie vor können wir Neukunden außerdem nur aufnehmen, wenn einer der Bestandskunden wegzieht oder aus anderen Gründen den Vertrag kündigt.“

Berglen: Kündigung sollte gut überlegt sein

So geschehen bei einer Kundin aus Berglen, die einen recht hohen Verbrauch hat und sich von den Stadtwerken verabschiedete. Weil sie bei der Süwag einen günstigeren Preis gefunden hatte. „Mit der Vertragsbestätigung erhielt sie jedoch sofort eine Preiserhöhungsmitteilung. Sie zahlt dort nun mehr als bei uns.“ Mulfinger berichtet, dass die Frau ihre Kündigung rückgängig machen wollte, doch das verwehrte er ihr. „Sobald jemand das Kontingent durch Kündigung freigibt, rücken Leute auf der Warteliste nach.“

Groß über den geschätzten Bedarf eingekauft haben die Stadtwerke nicht, um ihr Risiko so gering wie möglich zu halten. „Wir kalkulieren ein, dass die Stadt neue Kindergärten eröffnen wird und noch einen weiteren Puffer, aber mehr nicht.“ Mulfinger warnt die Leute, nicht auf billige Lockvögel hereinzufallen. „Wir hingegen bekommen eine überwältigende Rückmeldung von unseren Bestandskunden. Die Leute sind dankbar für unsere fairen Preise.“ Trotz der Erhöhung, wohlgemerkt.

So, und nun spannen wir niemanden mehr auf die Folter. Der Standardtarif der Stadtwerke für Ökostrom unter 10 000 kWh Verbrauch im Jahr kostet brutto 49,95 Cent für jede Kilowattstunde. Der vorherige Preis lag bei 29,95 Cent, nach Wegfall der EEG-Umlage bei 25,52 Cent. „Wir verlangen jetzt also nicht ganz das Doppelte.“

Dazu kommt der Grundpreis 128,52 Euro, ebenfalls brutto und pro Jahr (wie im Vorjahr), er ist aber gleich geblieben.

Strom-Preis: Durchschnittlicher Haushalt muss 2023 46 Euro mehr im Monat zahlen

„Nehmen wir an, ein durchschnittlicher Haushalt verbraucht 2500 kWh pro Jahr“, rechnet Mulfinger vor, dann macht die Preiserhöhung Mehrkosten von 555 Euro im Jahr, 46 Euro im Monat aus. Trotz allem, das ist happig.

Kleiner Lichtblick: Dieses wie nächstes Jahr gibt es für treue Kunden, „die schon mehrere Jahre von uns mit Strom versorgt werden, einen Nachlass auf jede verbrauchte Kilowattstunde“, so Mulfinger, die absoluten Zahlen sinken also leicht.

Stadtwerke: Besserer Strom-Preis als so mancher Konkurrent

Großer Lichtblick: Die Stadtwerkezahlen stehen besser da als das momentane Angebot der Süwag-Grundversorgung mit 54,63 Cent pro kWh brutto, plus 138 Euro Grund- und Messpreis brutto pro Jahr. „Und sie hat nur eine Sechs-Wochen-Frist für Preisanpassungen, die jederzeit durchführbar sind.“ Doch schon der Einstiegspreis liegt höher als der bei den Stadtwerken. Deshalb rufen Leute aus Duisburg an. Deshalb empfiehlt Mulfinger Vorsicht bei der Versorgerwahl. Und generell gilt: Lichter aus, wo sie nicht absolut benötigt werden.

In Bezug auf die Umwelt und den eigenen Geldbeutel greift der Ratschlag von Umweltverbänden, dass die beste Energie diejenige ist, die gar nicht erst erzeugt werden musste. In diesem Sinne hat der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) ermittelt, dass die Deutschen im Monat Oktober neun Prozent weniger Strom verbraucht haben als im selben Monat vor einem Jahr. Da geht also was. Wer 20 Prozent seines Vorjahresstrombedarfs einspart, liegt nächstes Jahr überdies mit seiner

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