Winnenden

SV Winnenden: Radclub '93 schlüpft unters Dach des größten Winnender Vereins

Radclub und SV Winnenden
Radclub-93-Präsident Rudi Zankl (links) und SV-Vorsitzender Hans-Jürgen Will: Die Radler bilden ab 2023 zwei neue SV-Abteilungen. © Gabriel Habermann

Das kommt in vielen Vereinen vor: Die Nachfolgersuche für den Vorsitz gestaltet sich mehr als zäh. Doch meistens findet sich dann doch jemand, der das Ruder übernimmt. Nicht so beim Radclub ‘93 Winnenden. Präsident Rudi Zankl sah sich vor die schwierige Frage gestellt: Macht er selber doch noch weiter (und wann darf er dann wirklich in Ehrenamtsruhestand gehen?) Oder muss er den Verein auflösen? So verlangt es nämlich das Vereinsrecht, wenn wie im Fall der Radler Präsident, Vizepräsident und Kassier nach zwölf Jahren ihre Ämter niederlegen wollen. „Ich hätte nicht gedacht, dass das so ein Problem wird, dass das solche Wellen schlägt“, sagt Rudi Zankl.

Angekündigt haben die drei ihre Aussteiger-Absichten bei der Jahresfeier, „das führte zu großen Diskussionen“, wie Zankl sagt. Als bei der Hauptversammlung niemand Jüngeres aus der Deckung kam, um Verantwortung zu übernehmen, ließ sich Zankl von der Versammlung das Okay geben, Verhandlungen mit der SV Winnenden aufzunehmen. Diese dritte Alternative war ihm eingefallen, weil er selbst es nicht übers Herz gebracht hätte, Verein und Bikepark aufzulösen.

Radclub hat viel Herzblut und 50.000 Euro in den Bikepark gesteckt

Nicht nur, weil viel Eigenleistung, Eigenkapital, Sponsorengeld und Herzblut in der Four-Cross-Rennstrecke stecken, wie Zankl sagt, sondern auch, weil von den 135 Bike-Park-Mitgliedern 90 Jugendliche und die fünf Trainer echte, in Rennen erfahrene Cracks sind. Sie und ein weiterer Ehrenamtlicher sahen sich außerstande, zusätzlich die Verantwortung für den Gesamtverein zu übernehmen, zu dem auch die Rennrad-, Mountainbike- und AOK-Gruppen gehören. „Und von denen wollte wiederum niemand für den Bikepark geradestehen“, erklärt Zankl das Dilemma. „Wohlgemerkt gibt es bei uns schon sehr viel Bereitschaft, mitzuhelfen, aber eben nicht im Präsidium.“

Rudi Zankl fragte bei Winnendes größtem Verein, der Sportvereinigung (SV) Winnenden, an, ob sie sich vorstellen könnte, den Bikepark unter ihre Fittiche zu nehmen. „Hans-Jürgen Will war sofort begeistert, fragte nach dem Pferdefuß, aber aus unserer Sicht gab es keinen.“ 50.000 Euro stecken in der Anlage, zwei-, dreimal im Jahr müssen Bagger und Rüttler kommen, um sie instandzuhalten, und 24.000 hat der Radclub in der Rücklage, falls der Besitzer des Hanggeländes unter dem B-14-Viadukt, das Regierungspräsidium, oder die Stadt als Vermieterin den Rückbau verlangen würden. „Wir werden mit der Stadt reden, ob die Klausel, dass der Verein komplett für die Rückbaukosten aufkommt, nicht überarbeitet werden kann“, so Hans-Jürgen Will. Ein Risiko für seinen Verein sieht er darin nicht. „Der Radclub hat alles sorgfältig gemacht, wir vom Vorstand haben keine Sekunde gezögert, den Bikepark zu übernehmen. Ein solches Angebot kann man einfach nicht ausschlagen. Ein fertiges Sportangebot mit einer fertigen Sportanlage“, kommt Will fast ins Schwärmen, „ich persönlich fand den Bikepark schon immer cool für Kinder und Jugendliche.“ Zudem hatte der Radclub keine Schulden.

Mitgliederbeitrag bei der SV ist doppelt so hoch wie beim Radclub

Hans-Jürgen Wills Angebot an Rudi Zankl ging nun aber noch einen Schritt weiter: dass auch die geführten Radlergruppen, die sich ab April bis in den Herbst hinein regelmäßig zu Ausfahrten treffen und dabei konditionsmäßig auch steigern, unters Dach der SV kommen sollen. „Sie nehmen unsere Verwaltung kaum in Anspruch, wir bauen der Abteilung Rennrad/Mountainbike daher die Brücke, dass sie zwei Jahre lang einen ermäßigten Beitrag bezahlen und dann erst den normalen SV-Beitrag.“ Die Mitglieder der Bikepark-Abteilung indes zahlen als ugendliche bei der SV von 1. Januar 2023 an 60 Euro Jahresgebühr, Erwachsene (ab 24 Jahre) 120 Euro. All das wurde von den Mitgliederversammlungen beider Vereine bestätigt und die Verschmelzung beschlossen.

Hans-Jürgen Will spricht von einer Win-Win-Situation: „Wir können neue Sportarten anbieten, der Bikepark und das organisierte Fahren sind für unsere Mitglieder ein Mehrwert.“ Und die neuen Mitglieder können (teils gegen Aufpreis) alle anderen Angebote des Vereins nutzen, von Kinderturnen über Volleyball bis hin zum Fitnesstraining im Sportpark. Zudem funktioniert die Verwaltung aus Hauptamtlichen in der Geschäftsstelle und Ehrenamtlichen im Vorstand einwandfrei und nimmt den Abteilungsleitern viel Arbeit ab, entlastet die Ehrenamtlichen. Stichworte: Datenschutzverordnung, Corona-Verordnungen, Jugendschutz, Social Media, Zuschüsse ...

Nicht alle 246 Radclub-Mitglieder werden der SV Winnenden beitreten

„Wenn wir jetzt gemeinsame Wege gehen, passt das wie der Topf zum Deckel. Auch zwischen uns beiden hat es wunderbar harmoniert, als würden wir schon 20 Jahre zusammenarbeiten“, sagt Will im Gespräch mit Zankl und unserer Zeitung. Jener verschweigt nicht, dass der Radclub vor fast 30 Jahren mit 30 bis 40 Mitgliedern gegründet wurde, weil die Radsportler mit der monetären Versorgung durch den Hauptverein TSV unzufrieden waren. Sie spalteten sich ab – und kehren nun zurück. „Einige der Gründungsmitglieder haben natürlich zunächst gegen die Verschmelzung gestimmt oder sich später enthalten, sie werden auch nicht zur SV mitgehen.“ Das nehmen ihnen aber weder Zankl noch Will übel, sie rechnen insgesamt mit zehn bis 20 Prozent Mitgliederschwund durch die Fusion. „Wir steuern auch ohne die rund 246 Radclub-Mitglieder wieder auf die bisherige Höchstzahl von 3000 Mitgliedern zu, die wir durch Corona nicht mehr erreichen konnten“, sagt Hans-Jürgen Will. Momentan sind es 2700. Es seien nicht viele ausgetreten, vielmehr sei niemand Neues mehr eingetreten, weil alles geschlossen war.

Nächstes Projekt: Die SV Winnenden gründet eine Schwimmabteilung

Übrigens hat die SV noch einen Pfeil im Köcher, er hat mit dem Wunnebad nebenan zu tun, das gerade für ungefähr 27 Millionen Euro erweitert und saniert wird. „Wir wollen eine Schwimmabteilung gründen.“ Die sei schon seit einer Weile „in der Pipeline“. Die Frage, warum der ganze Kreis im Wunnebad schwimmt, aber kein Winnender Verein, sei berechtigt. Da Abhilfe zu schaffen, ist auch nach der Fusion der DLRG Winnenden mit Waiblingen-Bittenfeld mehr als nötig. „Die Wartelisten für Kinderschwimmkurse sind lang“, weiß Hans-Jürgen Will zum Beispiel von der Kindersportschule Winnenden.

Das kommt in vielen Vereinen vor: Die Nachfolgersuche für den Vorsitz gestaltet sich mehr als zäh. Doch meistens findet sich dann doch jemand, der das Ruder übernimmt. Nicht so beim Radclub ‘93 Winnenden. Präsident Rudi Zankl sah sich vor die schwierige Frage gestellt: Macht er selber doch noch weiter (und wann darf er dann wirklich in Ehrenamtsruhestand gehen?) Oder muss er den Verein auflösen? So verlangt es nämlich das Vereinsrecht, wenn wie im Fall der Radler Präsident, Vizepräsident und

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper