Winnenden

Terrorschutz für Citytreff beschlossen

Für die Citytreff-Tage mietet die Stadt mobile Poller an_0
Für die Citytreff-Tage mietet die Stadt mobile Poller an. © ZVW/Danny Galm

Winnenden. Wie schützt die Stadt den Citytreff gegen mögliche Terror-Lkw? Sie mietet spezielle Stahlpoller zum Mietpreis von 55 000 Euro für die vier Tage Stadtfest. Zehn Tage vor Festbeginn hat dies der Verwaltungsausschuss des Gemeinderats in öffentlicher Sitzung mehrheitlich beschlossen – bei drei Gegenstimmen.Der Entscheidung ging eine bittere Erkenntnis voraus: Die schönen, kostengünstigen, knallrot lackierten Container, die im letzten Jahr mögliche von Terroristen gelenkte Lastwagen hätten aufhalten sollen, waren ein Riesenfehler.

„Container werden zu Geschossen, wenn ein Lastwagen drauffährt“, erklärte Finanzdezernent Jürgen Haas, der sich bei Sicherheitsfachleuten erkundigt hat, die das Attentat auf dem Berliner Weihnachtsmarkt gründlich untersucht und Folgerungen daraus gezogen haben. Auch quergestellte Lkw helfen demnach gar nichts, erhöhen nur die Gefahr.

Transportable Stahlpoller auf breiten Rampen gelten als sicher

Das Einzige, was die Fachleute für den kurzfristigen Einsatz empfehlen und was Ordnungsamtsleiterin Beatrice Hertel den Gemeinderäten dringend ans Herz legte, waren die transportablen Stahlpoller, die eisenhart mit einer breiten und langen Stahlrampe verbunden sind.

Die Rampe hat einen Effekt, der auf einem Youtube-Video anzuschauen ist (Stichwort: Truckblock). Ein Schwerlastwagen fährt auf den Poller, kippt ihn nach vorne. Nach vorne hebt sich die Rampe und rammt sich in den Unterboden des Lkw. „Den zerbröselt’s“, sagt Finanzdezernent Jürgen Haas.

Winnenden hat ein paar gegebene Vorteile

Nach den Attentaten von Nizza und Berlin überlegen viele Städte, wie sie Feste sichern können. Günstige Lösungen wie die Container vom letzten Jahr erweisen sich als tückisch. Wirksame Poller sind teuer: 55 000 Euro für die Sicherheit eines einzigen Festes auszugeben, fällt allen Stadträten schwer.

Aber Beatrice Hertel hat sich mit mehreren Fachleuten über Winnenden unterhalten und herausgefunden: Die Stadt hat ein paar gegebene Vorteile. „Es ist gar nicht einfach für einen Lkw, eine hohe Geschwindigkeit aufzubauen“, sagt Hertel.

Aber an der Wallstraße und am Kronenplatz schafft er es doch. Und am Kronenplatz sogar aus drei Richtungen. Dort müssten überall Poller aufgestellt werden – allerdings so, dass ein Notarztwagen oder die Feuerwehr noch die Kurve kriegen. Denn: „Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Lastwagen-Attentat stattfindet, ist ganz gering. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass ein Notarzteinsatz ist, ist nahe bei 100 Prozent“, sagt Hertel.


Kein Stadtrat tut sich leicht mit der Sicherheit des Citytreffs

„Das ist natürlich eine stolze Stumme. Aber wir können nicht auf die Sicherheitstechnik verzichten“, erklärte FWV-Stadtrat Hans Ilg in der Debatte um die hohen Kosten der temporären Poller beim Citytreff. „Wenn wir jetzt nichts machen würden, und wenn dann etwas passiert, könnten sich Vorwürfe ergeben“, meinte Ordnungsamtsleiterin Beatrice Hertel.

„Was löst so eine Sicherheitsmaßnahme aus? Mit welchem Gefühl gehen wir auf ein Fest, wenn solche Poller da stehen?“, fragte Renate Sanzenbacher (SPD). Hertel konnte die Befürchtungen dämpfen: Die Poller sind schmal, stehen auf breiten Rampen. „55 000 Euro sind viel Geld. Aber nichts zu machen, können wir auch nicht verantworten“, meinte Sanzenbacher.

Gegen die hohe Ausgabe für ein einziges Fest wandte sich Thomas Traub (CDU): „Wir kriegen hundertprozentige Sicherheit sowieso nicht. Wenn einer kommt, für den Winnenden ein Ziel ist, dann wird er Wege finden.“

Auch Dr. Jürgen Hägele (FDP) bleibt skeptisch: „Mir fehlt der Glaube, dass wir damit einen terroristischen Anschlag verhindern können. Winnenden ist weder Nizza noch London noch Berlin.“ Die Gefahrenlage sei nicht erkennbar da, und Hägele fragt: „Wir weit gehen wir finanziell, um ein Fest zu feiern? Da kommt einer mit dem Rucksack und dagegen sind wir auch nicht abgesichert. Wenn man Poller aufstellt, dann machen die halt was anderes.“

OB Holzwarth hielt dagegen: Fahrzeuge seien für jeden jederzeit verfügbar. Wenn sich einer dagegen Waffen oder Sprengstoff beschaffe, dann mache er sich auffällig. Beatrice Hertel warnte vor dem Verzicht: „Ohne jede Sicherheitstechnik – da hätte ich größtes Bauchweh.“

Mehrere Stadträte und OB Holzwarth äußerten den Wunsch, dass im nächsten Jahr eine dauerhafte Lösung gesucht wird, die über mehrere Jahre gesehen nicht so viel kostet wie der einmalige Schutz

Info:

Der Citytreff 2018 findet von Freitag, 20. Juli, bis Montag, 23. Juli, statt.

In der Innenstadt findet man Stände und mehrere Bereiche mit unterschiedlicher Prägung und dazu passendem Bühnenprogramm: Kronenplatz, Marktplatz, Santo-Domingo-de-la-Calzada-Platz, Stadtkirchenparkplatz Wallstraße, Viehmarktplatz, Adlerplatz.