Winnenden

The Messengers auf der Jagd nach dem Hip-Hop WM-Titel

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Das sind nur sechs von neun aus der Crew. Wegen Studium, Arbeit oder Verletzungen können nicht immer alle beim Proben teilnehmen. © Jamuna Siehler

Leutenbach. Wenn man sie so sieht auf einer großen Bühne bei den Meisterschaften in Las Vegas oder Paris, ist es kaum zu glauben, dass sie in einer Turnhalle in Leutenbach angefangen haben. Schwer vorzustellen ist auch, dass die coolen Hip-Hop-Tänzer von „The Messengers“ fast alle Fächer wie Mathematik, Bauingenieurswesen oder Wirtschaftsinformatik studieren.

Nein, sie erfüllen definitiv nicht das Klischee vom karierten Hemd, Hochwasserhosen und steifer Haltung, was man von Studenten dieser Studiengänge hat. Sie passen auch nicht in die Schublade „obercool, aber nicht sehr schlau“, in die man manche Hip-Hopper ganz gerne stecken würde. Und sie sind auch keine Tanzgruppe, die bei einem Casting von einem Profi zusammengestellt und geprägt wurde. Ja, was sind sie denn nun, die „Messengers“?

Zum dritten Mal Deutscher Meister im Hip-Hop-Tanz sind sie seit Ende März. So gut sind sie, dass sie sich schon dreimal ins Halbfinale der Weltmeisterschaft in Las Vegas getanzt und dreimal bei den Europameisterschaften Bronze geholt haben. Total sympathisch, trotz der Erfolge am Boden geblieben und sehr fleißig – das sind sie auch, die neun jungen Männer von „The Messengers“.

Je stärker die Freundschaft zwischen ihnen, desto besser ihre Leistung

Breiter bekannt wurde die Dance-Crew durch ihre Teilnahme bei der ProSieben-Tanzshow „Got to dance“ 2013. „Es war erstaunlich, wie viel Aufmerksamkeit wir danach bekommen haben“, erinnert sich der 22-jährige Marius Braun. „Dabei haben wir zu dem Zeitpunkt schon seit neun Jahren getanzt und einige Preise geholt. Es war ein wenig schade, dass viele sich nicht wegen unserer Leistung für uns interessierten, sondern weil wir ein paar Minuten im Fernsehen waren.“ Trotzdem hat auch die Show sie weitergebracht – durch den Kontakt mit anderen Tänzern und Choreografen.

Kurz darauf holten sie bei den deutschen Meisterschaften den zweiten und bei der EM den dritten Platz. Und dann hörte man erst einmal eine Weile nichts von ihnen. „Vor etwa zwei Jahren sind ein paar Mitglieder ausgeschieden und neue dazugekommen. Darum haben wir uns von Wettkämpfen zurückgezogen. Wir mussten erst einmal zusammenfinden“, erklärt Marius. Das hieß natürlich trainieren, aber auch viel gemeinsam zu unternehmen. Denn das ist etwas, was diese Tanz-Crew besonders kennzeichnet: ihre Freundschaft. „Je besser wir uns privat verstehen, desto stärker ist unsere Leistung. Man kennt sich, fühlt sich sicher auf der Bühne, weil man weiß, dass jeder immer sein Bestes gibt.“ Die fünf Jungs, die noch dabei sind von den neun, die 2004 in der Halle vom TSV Leutenbach angefangen haben – sie waren damals zwischen zehn und vierzehn Jahren alt –, haben sich alles selber beigebracht, ohne Trainer von außen. Jeder teilt seine Stärken und seine Ideen mit den anderen. Und so eine Harmonie entstand auch sehr bald mit den vier Neuen. „Umso härter war der Schlag, als wir 2015 bei der deutschen Meisterschaft nur Vierter wurden“, erinnert sich Moe Girao-Afonso (26), ein Mitgründer. „Für uns war das schlecht. Wir waren bisher immer aufs Treppchen gekommen. Wir haben uns gefragt, ob es sich lohnt, weiterzumachen. In der Krise verbrachten wir viel Zeit miteinander, aber ohne Training.“ Dafür mehr mit dem Videospiel Tekken. „Fight!“ – „Kämpfe!“ heißt es in dem Spiel über Kampfsportarten. Und das taten sie.

Der Kampf aus der Krise brachte die Idee für neue Show

Sie mobilisierten all ihre Kräfte und begannen im Oktober, aus eben diesem Spiel eine Tanz-Show zu entwickeln. Das heißt erst mal etwa 50 Stunden lang Musik zusammenstellen, denn in den zweiminütigen Auftritt werden so viele Tanzstile wie möglich reingepackt. Jede Bewegung soll das Publikum umhauen. Immer wieder arbeiteten sie die Choreografie um, legten 100 Schritte in eine Sequenz, in der sie vorher 20 getanzt hatten. Perfektion muss es sein. Und die ist es, fand die Jury, die sie im März zum Deutschen Meister machte.

Jetzt trainieren sie auf die WM im August in Las Vegas. „Wir geben Vollgas. Wann, wenn nicht jetzt?“, sagt Moe. „Wir aus der Stammcrew sind fast mit dem Studium fertig. Und es ist jetzt schon schwierig, vom Studienort jedes Wochenende zum Training zu pendeln.“ Aber irgendwie muss es gehen. „The Messengers“ ist Herzblut. Deshalb geben sie diese Begeisterung auch an den Nachwuchs weiter und gestalten gerade eine Hip-Hop-Abteilung mit Kursen in der Tanzakademie Minkov. Es ist nicht nur der Adrenalinschub beim Auftritt, der sie am Hip-Hop-Tanz so fasziniert, beschreibt Marius. Es ist die Mischung aus sportlicher Leistung, Musik und Kreativität. Und grinsend fügt er hinzu: „Außerdem ist es viel cooler als Fußball.“

Kommenden Auftritte und neue Tanzkurse

Die Messengers sind live zu sehen bei Auftritten oder Meisterschaften: am 29. April: Sternentraum, Schwabenlandhalle in Fellbach; am 13. Mai: UDO (United Dance Organisation) Europameisterschaft, Kalkar; am 4. Juni: UDO Deutsche Meisterschaft Limburg; 25. Juni Showcase Salsa-Festival am Bodensee.

Noch suchen die Jungs Engagements für Auftritte und Sponsoren, um das Geld für die Reise zur WM in Las Vegas zusammenzubekommen.

Drei Kurse bieten die Messengers in der Tanzakademie Minkov an. Moe trainiert „Hip-Hop für Anfänger und Fortgeschrittene“, Dennis unterrichtet „Lyrical Hip-Hop“ zu R’n’B-Musik und Marius gibt „Hip-Hop for Kids“.

Die Messengers-Family hat sogar schon Nachwuchs. 2010 gründeten sechs junge Frauen „The Lady Messengers“ in Leutenbach und 2015 begann Dennis Catalano von „The Messenger“, fünf Jungs aus Stuttgart (zwischen 11 und 13 Jahren) als „Minority“ zu trainieren.