Winnenden

Tipps für Schüler und Eltern zum Lernen – Ganz ohne Stress und Ärger

Backnang Mörikeschule, Lehrerin Frau Frey Bild in der Internationalen Vorbereitungsklasse; dort sind Kinder zwischen 10 und 17 J
Symbolbild. © Gabriel Habermann

In vielen Familien ist das Lernen mit dem Nachwuchs oftmals ein Kampf. Geschrei, Ärger, Tränen. Eine Herausforderung für Kind und Eltern. Doch wie kann das Üben vor Klassenarbeiten möglichst effizient und ohne Stress gelingen? Wir haben mit einem Experten gesprochen.

Felix Becker ist Lehrer an der Gottlieb-Daimler-Realschule in Schorndorf, wohnt in Winnenden. Er unterrichtet die Fächer Mathe, Chemie und Sport. Für die Volkshochschule hat er schon Kurse zum Thema „Lernstrategien“ gegeben. Selbst ist der 34-jährige Vater von zwei kleinen Kindern, diese sind noch nicht im schulpflichtigen Alter. Durch seine Tätigkeit als Lehrer weiß er jedoch, was vielen Schülern hilft.

Ganz grundsätzlich gilt dabei, dass jeder Schüler anders ist. „Manchen fällt es leicht zu lernen, bei anderen hingegen ist es schwieriger“, sagt Becker. Definitiv sei es jedoch wichtig, zu lernen. „Manchmal kann es auch etwas dauern, herauszufinden, was einem liegt. Das muss man ausprobieren.“

Lernplan

In jedem Fall, ganz egal, ob jemand gut oder weniger gut lernen kann, empfiehlt Felix Becker, einen Lernplan zu erstellen. „Vergleichbar ist der Lernplan mit dem Stundenplan. Dort trägt man die Schulstunden ein, Hobbys, also beispielsweise Fußballtraining oder Musikstunden“, so der Experte. Nun können Eltern gemeinsam mit ihrem Kind (je nach Alter auch das Kind alleine) nach Lücken suchen. „Dort trage ich dann ein, wo es Zeit zu lernen gibt, beziehungsweise um Hausaufgaben zu machen“, sagt Becker. Auch das Wochenende ist dabei kein Tabu. „Wenn das Kind unter der Woche mehr Zeit in Training und Co investieren möchte, dann kann auch am Wochenende was von den Hausaufgaben erledigt werden.“ Kategorisch auszuschließen, am Wochenende etwas für die Schule zu tun, sei der falsche Weg, sagt Becker.

Vorbereitung auf eine Klassenarbeit

Hausaufgaben sind die Grundlagen, um gute Noten zu schreiben. Zusätzlich sollte dann auf Klassenarbeiten gelernt werden. Felix Becker empfiehlt, zwei Wochen vor einer Klausur mit dem Lernen zu beginnen. „Bei uns an der Schule stehen die Termine für Klassenarbeiten schon für das gesamte Schuljahr fest. Im Kalender kann man sich also jeweils zwei Wochen vor der Klausur markieren, wann es mit dem Lernen losgeht“, gibt der Lehrer einen weiteren Tipp.

Meistens sei es schließlich so, dass Klausuren dicht getaktet, in wenigen Tagen zu schreiben sind. „Zwei Wochen vor der Klassenarbeit sollte man damit beginnen, sich den Stoff durchzulesen. Eine Woche vor der Klausur folgt dann das intensive Lernen. Wer keine Hausaufgaben gemacht hat, muss entsprechend mehr Zeit einplanen“, sagt Becker.

Lernatmosphäre

Wichtig beim Lernen ist die Atmosphäre. „Hilfreich ist es, wenn immer am gleichen Platz gelernt wird. Dort steht alles, was man braucht, bereit. Zum Beispiel Stifte.“

Außerdem sollte dieser Arbeitsplatz aufgeräumt sein, bestenfalls mit Tageslicht durchflutet. „Störquellen sollten beseitigt werden. Das Smartphone hat zum Beispiel nichts beim Lernen verloren“, sagt der Lehrer.

Manchen Schülern helfe es auch, Musik beim Lernen zu hören. „Kopfhörer absorbieren andere Geräusche. Meinen Schülern erlaube ich es in Mathe beim Üben.“ Geachtet werden sollte auf die Musikrichtung, diese sollte nicht zu laut und aggressiv sein.

Mit wem lernen und wie lange?

Oftmals erzählen Eltern, dass die Kinder nicht mit ihnen lernen möchten. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass manche Schüler eine Art Blockade entwickeln, wenn man direkt neben ihnen steht“, berichtet Felix Becker.

Er empfiehlt, den Kindern Freiräume zu lassen. Und zwar schon aber der 1. Klasse. „Kleinere Matheaufgaben oder Ähnliches können schon in diesem Alter alleine erledigt werden“, sagt er.

Außerdem ist der Lehrer Befürworter davon, den Kindern Vertrauen zu schenken. „Das kann Stress verhindern. Wenn das Kind sagt, dass alle Aufgaben erledigt sind, dann sollte man das glauben. Merkt man, dass das Vertrauen nicht zurückgezahlt wird, sollte man stichprobenartig kontrollieren.“ Das kann auch mit versteckten Fragestellungen geschehen. Beispiel: Welche Vokabeln hast du heute gelernt? Was war in Mathe zu tun?

Je älter die Kinder werden, desto weniger wollen sie erfahrungsgemäß mit Eltern lernen. „Oftmals hilft es auch, wenn eine andere Person dabei ist und etwa Vokabeln abfragt. Zum Beispiel der Onkel oder der Opa“, empfiehlt Felix Becker. Die Dauer einer Einheit kommt ganz darauf an, wie viel Bedarf ein Schüler im jeweiligen Fach hat. „In der Regel kann man allerdings sagen, dass Schüler 30 Minuten Power haben und dann fünf bis zehn Minuten Pause machen sollten“, sagt der Experte.

Ganz wichtig: Die Pause sollte nicht am Computer, der Playstation oder am Smartphone verbracht werden. „Die Schüler sollen runterkommen. Sie können zum Beispiel malen oder Obst essen.“ Bei Grundschulkindern sieht Becker das Maximum etwa bei 45 Minuten Lernen am Tag.

Karteikarten, Youtube und andere Tipps

Helfen können beim Lernen auch Karteikarten, zum Beispiel bei Vokabeln oder Formeln. „Manche Schüler kommen gut damit klar, wenn sie sich Sachen ausdrucken und an Orte hängen, an denen sie oft sind.“ Älteren Schülern empfiehlt Becker außerdem, Zusammenfassungen vom Lernstoff zu erstellen, zwei Wochen vor der Klausur. Auch Videos auf Youtube können helfen. „In Mathematik auf der Realschule ist beispielsweise ‘Lehrer Schmidt‘ super. Am besten fragt man bei den Lehrern nach. Nach Home-Schooling in der Corona-Zeit, hat jeder ein gewisses Repertoire“, so Becker.

Einen anderen Tipp hat Daniela Heinze aus Schwaikheim: Eine Woche vor der Klausur eine große „Mindmap“ erstellen, am nächsten Tag durchsprechen und auf ein kleineres Plakat schreiben. Am dritten Tag auf eine DIN-A4-Seite schreiben, am vierten auf eine DIN-A5-Seite.

Am Abend vor dem Test wird dann nur noch ein Post-it beschrieben. „Durch das Wiederholen schleift sich die Thematik ein und dadurch, dass immer weniger Platz zur Verfügung steht, kann man irgendwann nur noch Stichworte oder Überschriften notieren - muss diese aber so formulieren, dass man noch weiß was gemeint ist/alles dazu gehört“, schreibt sie unserer Redaktion.

In vielen Familien ist das Lernen mit dem Nachwuchs oftmals ein Kampf. Geschrei, Ärger, Tränen. Eine Herausforderung für Kind und Eltern. Doch wie kann das Üben vor Klassenarbeiten möglichst effizient und ohne Stress gelingen? Wir haben mit einem Experten gesprochen.

Felix Becker ist Lehrer an der Gottlieb-Daimler-Realschule in Schorndorf, wohnt in Winnenden. Er unterrichtet die Fächer Mathe, Chemie und Sport. Für die Volkshochschule hat er schon Kurse zum Thema „Lernstrategien“

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