Winnenden

Voll jugendlich flirrender Anmut

Young Talents
Das junge Sinfonische Orchester der Musikschule unter Leitung von Mathias Mundl. © Palmizi / ZVW

Winnenden. Um den musikalischen Nachwuchs muss man sich in Winnenden wahrlich keine Sorgen machen! Mit jugendlich flirrender Anmut begeisterten beim noch einmal bestens besuchten Abschluss der Konzerttage heimische Talente mit ihrer erstaunlichen Virtuosität. Prachtvoll auch die Fusion gleich dreier lokaler Orchester zum großen Finale!

Der arme Mozart musste Geld verdienen, als er seine Sinfonia concertante Es-Dur als ein elegant-verspieltes Stück für’s große Publikum komponierte. Entstanden ist dabei ein bezaubernd quirliges Rokokostück, dem die beiden Solistinnen Sarah Bergmann (Violine) und Eva-Maria Kiefer (Viola) mit jugendlich flirrender Anmut in den schnellen Sätzen Eleganz und im Andante eine zarte Bedächtigkeit verliehen.

Mit dem Auftritt eines Waldhorns wird dem Stück eine gewisse Jagdatmosphäre verliehen, die von den beiden Solistinnen zu so etwas wie einer innigen chasse d’amour verwandelt wird. In einer wunderhübschen Duett-Passage zelebrierten die beiden Streicherinnen eine leicht versetzte Verschmelzung der Stimmen, so zauberhaft zerbrechlich, dass es im Publikum mucksmäuschen still wurde. Einfühlsam begleitet wurde dieses Schmuckstück vom Festival-Orchester Winnenden unter der Leitung von Mathias Mundl.

Bestechender Ton von Carolin Franzki an der Trompete

Mundl dirigierte auch das junge Sinfonische Orchester der Musikschule beim folgenden Concertino für Trompete und Streichorchester des schwedischen Komponisten Lars-Erik Larsson. In dieser kurzen, heiter gestimmten Komposition ließ die Abiturientin Carolin Franzki an der Trompete einen warmen, bestechenden Ton hören, den sie wo gefordert, auch schön anzuschrägen wusste. Am Ende ihrer sprühenden Solokadenz meinte man fast, eine nordisch-kecke Trompetenelfe auf der Bühne zu hören.

Entrückte Momente bei Mozart

Eine aparte Instrumentation gab es nach der Pause wiederum vom geplagten Mozart zu hören. Sein Konzert für Flöte, Harfe und Orchester hatte als Solistinnen Lena Neber (Flöte) und Rebecca Eichinger (Harfe), das gediegen kultivierte Konzertorchester Winnenden wurde von Ralf Göltenbodt dirigiert. Flöte und Harfe schienen hier stellenweise im Flügelkleid von Engeln daherzuschweben. Ein Stück mit so entrückten Momenten, als ob der Friede selbst in der Musik erschiene! Was Neber und Eichinger da ganz im Geiste Mozarts pastellartig entwarfen, hatte etwas von der bezaubernden Luftigkeit von Watteau-Gemälden. Eine Art verletzliche Naturfrömmigkeit schien hier hörbar - die selbstverständlich höchst kunstvoll komponiert, und gespielt war. Was für ein Klang, wenn dann auch die Streicher des Orchesters vom Zupfen und Hüpfen der Solistinnen erfasst werden!

Großes Finale dann aller drei Orchester, deren Fusion (Leitung: Mathias Mundls) einen überwältigen, doch stets klaren Sound hören ließ, gerade recht für das Strömen von Smetanas „Moldau“. Ein Stück so recht zur Feier der kulturstiftenden Kraft der großen europäischen Flüsse. „Flow river, flow!“

Heimgewächse

Sarah Bergmann studiert inzwischen Violone in Trossingen. Rebecca Eichinger spielt ihre Harfe in Laien- und Profiorchestern im Großraum Stuttgart.

Carolin Franzki nahm ihren ersten Trompetenunterricht an der Stadtjugendmusik- und Kunstschule Winnenden. Derzeit macht sie Abitur. Eva-Maria Kiefer (Viola) lebt inzwischen in Wien und ist Mitglied des Webern Symphonie Orchesters. Lena Neber (Flöte) spielt in diversen Ensembles und macht derzeit ein Masterstudium an der Dualen Hochschule in Stuttgart.