Winnenden

Von heiter bis heikel: OB Holzwarth beim Neujahrsempfang 2023 in Winnenden

Neujahrsempfang Winnenden
Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth beim Neujahrsempfang 2023 in der Hermann-Schwab-Halle. © Benjamin Büttner

Zweimal wurde die Feier zuletzt durch eine Live-Übertragung ins Internet ersetzt, jetzt hat die Stadt Winnenden erstmals seit drei Jahren wieder einen richtigen Neujahrsempfang veranstaltet. Hunderte strömten in die Hermann-Schwab-Halle. Dort herrschte überwiegend gute Laune: OB und Co bemühten sich, die Krisen dieser Zeit nicht alles überschatten zu lassen und das Publikum optimistisch auf 2023 einzustimmen. Doch es wurden auch ernste Töne angeschlagen. Ein Überblick für alle, die nicht dabei waren.

Die Neujahrsansprache: Von Krieg über Wein bis zu Straftätern

Frieden. Mit dem Wunsch, dieser möge in Europa wieder einkehren, eröffnete der OB seine Ansprache. Beim Rückblick auf 2022 stießen die Erinnerungen an den Kulturgenuss der Winnender Konzerttage an den Beginn der Katastrophe in der Ukraine: „Lokale und internationale Musiker lösten Begeisterung beim Publikum aus. Dann begann Wladimir Putin den russischen Angriffskrieg, zu uns kamen ab März nach und nach 350 ukrainische Menschen, die kurzfristig unterzubringen waren.“

Fokus aufs Erfreuliche: Holzwarth berichtete vom Wonnetag als erstem verkaufsoffenen Sonntag „nach“ Corona landesweit, der Baubeginn am Wunnebad, große Wohn- und Straßenbauprojekte, die auf den Weg gebracht wurden, die neue kommunale Partnerschaft mit Wals-Siezenheim in Österreich und schließlich die Wahl einer Winnenderin, Carolin Golter, zur Württembergischen Weinkönigin.

Diese zeigte sich in einem kurzen Plausch (der offensichtlich auch dem gut aufgelegten OB viel Spaß bereitete) „überwältigt“ vom großen Zuspruch aus Winnenden. Dabei wurde bekannt, dass OB Holzwarth ihr noch am Abend der Wahl im November per Instagram-Nachricht gratuliert und sie zum Neujahrsempfang eingeladen hatte. Sie versprach, in ihrer Funktion auch ihre Heimatstadt würdig zu vertreten. Bange muss den Winnendern darum nicht sein, im Gegenteil. OB Holzwarth jedenfalls freut sich, dass von Golters „Kompetenz und Charme“ auch Winnenden profitieren soll.

Einem heiklen Thema wiederum widmete Holzwarth einen großen Teil seines Ausblicks auf das Jahr 2023 – Stichwort: Maßregelvollzug. Eine solche Einrichtung für suchtkranke Straftäter soll in Winnenden gebaut werden, und zwar im Schlosspark. Wo genau, das sollen die kommenden Wochen ergeben. Beim Land hat die Stadt einige Bedingungen gestellt, zum Beispiel, dass das Polizeirevier Winnenden dauerhaft erhalten bleibt – das sei vom Innenministerium so auch angekündigt worden. Auch sollen nur suchtkranke, nicht psychisch erkrankte Straftäter in Winnenden untergebracht werden. Mit Bezug zum Amoklauf von 2009 sagte Holzwarth: „Wir haben diesen Schlag zwar verarbeitet, aber wir spüren ihn noch immer.“

Was sonst noch ansteht? Die weitere Sanierung der Stadtkirche, und des Lessing-Gymnasiums, sowie die Bauarbeiten an der ehemaligen B 14, der Einzug der Gastronomen Anne Henrichs und Patrick Schubert ins Alte Rathaus (die in der Hermann-Schwab-Halle mit leckeren Häppchen Appetit auf mehr machten), die Jubiläen von Paulinenpflege (200 Jahre) und SV Winnenden (175 Jahre). Apropos Jubiläen ...

Jubiläum "Große Kreisstadt": Der trinkfeste Heiner Lebherz

Herzhaft gelacht wurde am Samstagabend bei den Auftritten zweier Alt-Bürgermeister, die anlässlich des Jubiläums zu 50 Jahren Große Kreisstadt über die Eingemeindungen der heutigen Winnender Ortschaften berichteten. Ex-OB Karl-Heinrich Lebherz erinnerte sich im Interview mit dem Winnender Mädle Giuliana di Donna an Widerstände in Hanweiler.

Dort habe ein ortsbekanntes Original den Weg ins Dorf mit einem Leiterwagen verstellt und erst wieder freigegeben, als er, Lebherz, „einen Dreiviertelliter Federweißen“ ausgetrunken habe, und zwar „auf einen Zug“. Eingespielt wurde dann noch ein Video mit dem früheren Bürgermeister von Birkmannsweiler, Friedrich Seibold, der sich gar an „Trauermärsche“ erinnert, als das Dorf schließlich „eingemeindet“ wurde: „Die Bürgerschaft trug ihre Gemeinde zu Grabe.“ Bald habe sich aber gezeigt und das gelte bis heute, so Ex-OB Lebherz, der Zusammenschluss sei der richtige Schritt gewesen.

Landrat Richard Sigel: „Gesundheitshauptstadt Winnenden“

Auf ein weiteres Jubiläum, 50 Jahre Rems-Murr-Kreis, war zuvor Landrat Richard Sigel in seinem Grußwort zu sprechen gekommen. Sigel lobte (vor Landtagsabgeordneten, Kreisräten und Bürgermeistern aus der Region) die gute Zusammenarbeit der Kommunen im Kreis und blickte beispielhaft auf die Corona-Krise zurück: „Wir haben das an Rems und Murr miteinander ganz gut gemeistert.“ Winnenden im Speziellen sei mit dem Rems-Murr-Klinikum die „Gesundheitshauptstadt“ des Kreises, doch auch in anderen Bereichen ein wichtiger Partner.

Verdiente Feuerwehrmänner erhalten die Bürgermedaille in Silber

Die Bürgermedaille in Silber erhielten am Samstagabend fünf Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Winnenden – für jeweils „40 Jahre im Dienst für uns alle, 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche“, wie Bürgermeister Jürgen Haas in seiner Laudatio sagte.Die Namen geehrten Feuerwehrmänner, allesamt Hauptlöschmeister, lauten: Hans-Martin Jenner (Abteilung Buchenbach), Jürgen Schäfer, Andreas Stephan, Stefan Hilt (Abteilung Zipfelbach) und Uwe Rauleder (Abteilung Stadtmitte).

Dass das wieder möglich ist... Kein Abstand, keine Masken

Schwungvoll und perfekt aufeinander abgestimmt begleiteten übrigens die Musiker des Städtischen Blasorchesters den gut organisierten Abend. Überhaupt: Auf und abseits der Bühne griffen alle Rädchen ineinander.

Reibung (gar ein Rempler!) war erst wahrzunehmen, als die Menge ans Buffet drängte. Keine Masken, kein Abstand? Vor einem Jahr wäre das unvorstellbar gewesen – inklusive der vielen persönlichen Gespräche, bei denen der Abend ausgeklungen ist.

Zweimal wurde die Feier zuletzt durch eine Live-Übertragung ins Internet ersetzt, jetzt hat die Stadt Winnenden erstmals seit drei Jahren wieder einen richtigen Neujahrsempfang veranstaltet. Hunderte strömten in die Hermann-Schwab-Halle. Dort herrschte überwiegend gute Laune: OB und Co bemühten sich, die Krisen dieser Zeit nicht alles überschatten zu lassen und das Publikum optimistisch auf 2023 einzustimmen. Doch es wurden auch ernste Töne angeschlagen. Ein Überblick für alle, die nicht

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