Winnenden

Warum es immer weniger Vorgärten gibt und Schottergärten darum umso schlimmer sind

Schottergarten Vorgarten steingarten symbol symbolbild symbolfoto
Symbolfoto. © Benjamin Büttner

Wer sein Vorgartenbeet mit Steinbrocken auffüllt, gilt mittlerweile als Umweltfrevler. Aus welchem Grund auch immer man keine Lust oder Kraft mehr hatte, Unkraut zu jäten, Büsche zu schneiden, Blumen zu gießen oder einen kleinen Baum wachsen zu lassen – eigentlich ist es untersagt, Freiflächen am Haus derart zu versiegeln. Es bedeutet Verlust von Boden und Lebensraum für Tiere und Pflanzen.

Stellplätze für Autos und Fahrräder indes sind von der Landesbauordnung vorgeschrieben und werden in der Regel befestigt. Man könnte Schotterrasen oder Rasengittersteine nehmen, schaut man sich bei Neu- und Umbauten um, sind sie aber nicht gerade Mode. Und seit 2010 wird noch mehr Boden versiegelt: Die Landesbauordnung verpflichtet Bauherren, etwas für ihre eigene Sicherheit oder die ihrer Mieter zu tun. Sie sollen Rettungswege oder Feuerwehrflächen bauen. So bleibt, wie jüngst am Beispiel eines Baugesuchs für ein Doppelhaus am Schwalbenweg gesehen, vom eigentlichen Vorgarten gar nichts mehr übrig.

Die Straße würde der Feuerwehr reichen - sie ist aber oft zugeparkt

Am Beispiel eines Feuerwehreinsatzes in Birkmannsweiler vor einigen Wochen sieht man hingegen auch, wie wichtig es ist, dass Krankenwagen und andere Einsatzfahrzeuge Platz haben. Ergibt die Aufstellfläche also Sinn, oder nicht? Der Kreisbrandmeister René Wauro sagt: „Der Bewohner hat ja ein Interesse daran, gerettet zu werden.“ Das ist schwer, wo enge Straßen von parkenden Autos verstopft sind. „Die Feuerwehr wird zwar immer einen Weg finden“, sagt Wauro, aber je länger das dauert, desto eher erleidet ein Mensch schwere Verletzungen oder stirbt. „Wir kontrollieren präventiv gemeinsam mit den Ordnungsämtern, verteilen Strafzettel und hoffen, dass danach wieder die Straßenverkehrsordnung in Kurven und an Einmündungen eingehalten wird.“

Am Brandort kann die Feuerwehr mit zwei verschiedenen tragbaren Leitertypen arbeiten, einer Steck- und einer Schiebeleiter. Oder sie bringt die Drehleiter mit, ein solches Fahrzeug mit Hubwagen besitzen nur die großen Kreisstädte, mit ihm leisten sie auch Hilfe in den Nachbarorten.

Kreisbrandmeister Wauro: Eine zweite Treppe wäre um ein Vielfaches teurer

Wer eine Feuerwehrfläche und entsprechend große Fenster hat, erleichtert den freiwilligen Helfern die Rettung – und spart Geld für den Bau eines zweiten Rettungswegs: Müsste man als zweiten Fluchtweg eine zweite Treppe bauen, wäre dafür vermutlich eine fünfstellige Summe fällig und wiederum würde Fläche verbraucht, meint Wauro. Für die Natur wäre also wenig gewonnen. Letztlich mache und machte die Feuerwehr seines Wissens aber keinen Druck, dass solche Flächen gebaut werden. „Es ist die Entscheidung einer Kommune, ob sie die Straße für die Rettungsfahrzeuge akzeptiert oder nicht“, glaubt Wauro. „Im Rems-Murr-Kreis ist die Lage entspannt, es gibt in der Regel Platz. In Großstädten ist es viel eher ein Problem.“

Geht es nur um eine Anleiterfläche für ein Ein- oder Zweifamilienhaus, ist auch eine Rasenfläche möglich

Stadtentwicklungsamtsleiter Markus Schlecht gibt die Linie für Winnender Bauherren vor: „Grundsätzlich sind Aufstell- und Bewegungsflächen für die Feuerwehr auf dem privaten Grundstück herzustellen. Eine Aufstell- und Bewegungsfläche für die Feuerwehr auf der Straße kann im Brandfall durch ein nach der Straßenverkehrsordnung konform geparktes Fahrzeug nicht zur Verfügung stehen.“ Eine Alternative wäre nur, dass die Stadt mit einem Parkverbot eine entsprechende Fläche auf der Straße freihält. Viele Parkplätze würden dadurch entfallen.

Anders sei es vor einer Doppelgarage: Hier könne auf einer Breite von sechs Metern nicht auf der Straße geparkt werden, also sei hier Platz für die Drehleiter.

Wohlgemerkt geht es um Wohnungen und Büros in Obergeschossen, wo sich „Aufenthaltsräume“ befinden. Sie brauchen, wie es Wauro schon sagte, entweder zwei Treppen oder eben eine Treppe und „eine mit Rettungsgeräten der Feuerwehr erreichbare Stelle“. Acht Meter ist die definierte Oberkante zum Anleitern. Liegen die Räume darunter, reicht es, Platz für die tragbare Leiter der Feuerwehr und Durchgänge ständig freizuhalten. Verbunden ist das mit einem kleinen Lichtblick für den offenen Boden: „Diese Stellflächen dürfen auch als Rasenflächen ausgeführt werden“, so Schlecht. In unserem Schwalbenweg-Beispiel handelt es sich um eine Fläche von neun Quadratmetern. Bäume, Büsche oder Bauten sind jedoch nicht erlaubt. Liegen die Räume über der Acht-Meter-Marke, also bei Mehrfamilienhäusern etwa, muss der Platz für die Drehleiter immer frei und so gebaut sein, dass er das Gesamtgewicht des 16-Tonners aushält.

Umweltreferent: Pflanzen rund ums Haus sind wichtig, gerade weil so viel versiegelt werden muss

Was hält nun Jürgen Kromer als städtischer Umweltreferent vom Thema? „Gerade weil Flächen für Garage, Stellplatz, Radabstellplatz und Feuerwehr versiegelt oder teilversiegelt sind, sollten nicht auch noch die Gartenflächen der Wohnhäuser nur aus einem ,Schottergarten' bestehen. Bepflanzte Flächen sind wichtig für das Kleinklima in unmittelbarer Umgebung der Wohnhäuser, in der Summe sind sie wichtig auch für das Stadtklima.“

Seit den 1980er Jahren gehören Grünordnungspläne unverbindlich zu Bebauungsplänen. In Pflanzgebotslisten empfehlen sie standortgerechte, heimische Bäume und Sträucher, die anteilig in den Wohngärten zu verwenden sind. „Die Kontrolle erfolgt durch die Baurechtsbehörde“, schreibt Kromer in seiner Stellungnahme.

Wer sein Vorgartenbeet mit Steinbrocken auffüllt, gilt mittlerweile als Umweltfrevler. Aus welchem Grund auch immer man keine Lust oder Kraft mehr hatte, Unkraut zu jäten, Büsche zu schneiden, Blumen zu gießen oder einen kleinen Baum wachsen zu lassen – eigentlich ist es untersagt, Freiflächen am Haus derart zu versiegeln. Es bedeutet Verlust von Boden und Lebensraum für Tiere und Pflanzen.

Stellplätze für Autos und Fahrräder indes sind von der Landesbauordnung vorgeschrieben und

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