Winnenden

Was bremst die Baulandpreise?

Baugebiet Adelsbach_0
Vordergrund: Bagger im Baugebiet Adelsbach I. Hintergrund: Felder, auf denen in einigen Jahren das Baugebiet Adelsbach II entsteht. © Joachim Mogck

Winnenden.
Trotz Corona-Krise bereitet Winnenden ein weiteres großes Baugebiet vor: In einigen Jahren sollen die Bagger im Gebiet Adelsbach II anrücken, das direkt ans jetzige Baugebiet Adelsbach anschließt und ähnlich groß wird wie dieses. Damit die Baulandpreise nicht so steil weitersteigen wie bisher, hat der Gemeinderat in einer Notsitzung am Dienstag ein verschärftes Vorkaufsrecht beschlossen, wie es bisher in Winnenden nicht üblich war.

Die Baulandpreise waren viele Jahre lang dem freien Markt überlassen, stiegen innerhalb von zehn Jahren von 300 auf über 600 Euro pro Quadratmeter und an manchen Stellen noch viel höher. Die Grundbesitzer, meist Wengerter, Landwirte oder Nachkommen von Landwirten, konnten bislang nach dem schauen, der die höchsten Preise zahlt. Die Nachfrage war groß, und der Preis stieg ungebremst.

Grundstücke werden zusammengelegt und umgeformt

In den nächsten Tagen will die Stadt den Grundstücksmarkt in gemäßigte Bahnen lenken. Der Grundstückshandel im zukünftigen Baugebiet ist gestoppt. Die vielen langen schmalen Grundstücke werden zusammengelegt und umgeformt in größere und kleinere Baugrundstücke. Immer noch werden die Besitzer dann ähnlich viel Fläche haben wie zuvor, aber an anderer Stelle und in anderem Flächenzuschnitt. Sie können dann ihr Baugrundstück behalten oder verkaufen. Wenn sie einen Kaufvertrag fertig haben, wird er der Stadtverwaltung vorgelegt. Die schaut unter anderem nach dem Grundstückspreis. Liegt der weit über dem Verkehrswert, hat die Stadt ein Vorkaufsrecht – aber zum niedrigeren Verkehrswert. Diesen Verkehrswert schätzt der Gutachterausschuss der Stadt, der immer schon den Wert von Immobilien und Grundstücken schätzte und der dafür Durchschnittswerte aus den Verkäufen vergangener Jahre heranzieht.

„Sie wissen alle, wie in den letzten Jahren Bodenspekulationen die Preise nach oben getrieben haben“, sagte OB Holzwarth, „dieses Instrument wird uns helfen, diese Spekulationen einzudämmen.“ Nur ganz im Anfangsstadium eines Baugebiets, wenn die alten Agrargrundstücke noch nicht umgelegt sind, kann dieses Vorkaufsrecht eingeführt werden. Deshalb wird es zum Beispiel beim Baugebiet Bildstraße in Birkmannsweiler nicht wirksam, weil dort die Umlegung und der Verkauf von Grundstücken schon im Gange sind. OB Holzwarth kündigte aber an, dass die Stadt Winnenden bei allen zukünftigen Baugebieten mit diesem Vorkaufsrecht den Markt in gemäßigte Bahnen führen will.

FDP-Stadträtin lehnt den Eingriff in den freien Markt ab

Gegen diese möglichen Markteingriffe wandte sich FDP-Stadträtin Nicole Steiger. Sie stimmte mit Nein, weil sie die Regelung für unnötig hält: „Durch die Corona-Krise wird die Nachfrage nach Bauland nachlassen und die Preise werden ohnehin eher nachgeben.“

Die Mehrheit der Stadträte stimmte für das Vorkaufsrecht. „Die Stadt muss ja nicht kaufen“, meinte CDU-Stadtrat Thomas Traub. OB Holzwarth bestätigte: „Ob wir was tun, müssen wir im Einzelfall überlegen.“ „Das Vorkaufsrecht halte ich nicht für schlecht, weil im Augenblick die Grundeigentümer sehr profitieren“, meinte Traub. Christoph Mohr (ALi) hält dieses Vorkaufsrecht für völlig angemessen und sinnvoll.

Mit diesem Vorkaufsrecht hat der Gemeinderat beschlossen, dass die Stadt weiterarbeitet am Bebauungsplanentwurf für das neue Gebiet (Aufstellungsbeschluss). Wie berichtet sind dort Einzelhäuser, Reihenhäuser, Kettenhäuser sowie Mehrfamilienhäuser geplant. Für eine Kita wird ein Grundstück reserviert. Außerdem ist eine Fläche für Tiny Houses in der Diskussion. Beschlossen hat der Gemeinderat am Dienstag auch, dass die Umlegung der Grundstücke im neuen Gebiet beginnt. Dafür wurde ein Umlegungsausschuss einberufen, der aus Gemeinderäten, Sachverständigen aus der Stadtverwaltung und einem Vermessungsingenieur besteht.

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Trotz Corona-Krise bereitet Winnenden ein weiteres großes Baugebiet vor: In einigen Jahren sollen die Bagger im Gebiet Adelsbach II anrücken, das direkt ans jetzige Baugebiet Adelsbach anschließt und ähnlich groß wird wie dieses. Damit die Baulandpreise nicht so steil weitersteigen wie bisher, hat der Gemeinderat in einer Notsitzung am Dienstag ein verschärftes Vorkaufsrecht beschlossen, wie es bisher in Winnenden nicht üblich

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