Winnenden

Was macht Winnenden, wenn der extreme Regen fällt?

Unwetterfolgen Leutenbach, Winnenden, 28.06.2021.
Anstrengend, kräftezehrend, aber mit einem normalen Aufwand zu bewältigen war das jüngste Hochwasser in Winnenden am 28. Juni, bei dem zum Beispiel Bürger in Höfen Abflüsse freischaufelten, damit das Wasser von der Straße ablief. © Benjamin Beytekin

Im Rathaus und im Gemeinderat setzt das Nachdenken über extreme Starkregen und mögliche Hochwasserkatastrophen ein. Bürger fragen bei der Stadt nach: „Welche Vorsorge wird bei uns getroffen?“ Im Gemeinderat kam Hans Ilg auf die Katastrophe zu sprechen. Ganz Deutschland wurde von der Dimension dieser Katastrophe überrascht und erschüttert. Konkrete Vorschläge, wie darauf zu reagieren sei, können jetzt noch nicht aufkommen. Aber Fragen stellen Bürger und Gemeinderäte schon. Zum Beispiel: Wie alarmiert die Stadt? Welcher Hochwasserschutz besteht jetzt? Reicht er? Kann er sinnvoll verbessert werden?

Wer gibt wie Alarm, wenn der Strom und die Smartphones ausfallen?

Der Alarm ist so eine Sache. Sirenen bestehen nicht mehr. Sie wurden nach dem Ende des Kalten Krieges in den 90er Jahren in Baden-Württemberg fast vollständig abgebaut. Bei einer Alarmprobe vor einigen Jahren versagte der Alarm über Apps breitflächig. Trotzdem bleiben für den Alarm vor allem zwei Wege: die Smartphones und die Radios. Die nannte auch OB Holzwarth in der jüngsten Gemeinderatssitzung, als das Thema kurz angeschnitten wurde. „Wir sollten die Alarmwege genau anschauen“, meinte Stadtrat Christoph Mohr (ALi). Wenn, wie im Katastrophengebiet, der Strom ausfällt und die Handys keinen Empfang mehr haben, dann hilft ein kleines batteriebetriebenes Radio viel – man sollte allerdings einen Vorrat an Batterien haben. Wenn alle üblichen Alarmgeber ausfallen, bleibt nur noch, dass die Feuerwehr in die hoch gefährdeten Gebiete fährt und alarmiert. Ist sie dafür ausgerüstet? „Wir haben Kugellautsprecher, die wir auf unsere Busse montieren“, sagt Feuerwehrkommandant Yosh Dollase. Damit erreicht die Wehr ganze Straßenzüge und Häuserreihen.

Wie die Feuerwehr Unwetterprognosen einholt

Woher bekommt die Winnender Feuerwehr die Vorwarnung vor dem Extremregen und der Flut? „Wir nutzten die Apps, die alle Privatleute auch nutzen können: Nina und Katwarn. Durch sie war uns zum Beispiel am 28. Juni nachmittags schon klar, dass irgendwo in unserer Gegend was runterkommen wird“, sagt Dollase. Aber wie viel und wo genau – das ergibt sich im Lauf des Tages. Dollase blickt oft zum Himmel und schätzt dann ab, was kommt. Seine Kollegen von der Feuerwehr, die viel länger als er in Winnenden leben, steuern ihre Erfahrungen bei, erzählen dann zum Beispiel, dass Winnenden in letzter Zeit oft verschont wurde, während es anderswo im Kreis gefährlich war. Wo sich erfahrungsgemäß zuerst die Hochwasser ansammeln, wissen die Feuerwehrleute. Aber es gibt immer Überraschungen. Und was die Katastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen gezeigt hat: Es prasseln, bedingt durch die menschengemachte Erderhitzung, Starkregen nieder in einer unglaublichen Dimension, wie sie in den Katastrophengebieten seit 100 oder 200 Jahren nicht bekannt waren.

Gewässerkarten mit Hochwasserlinien liegen der Stadt vor

Hilft es, wenn sich die Verantwortlichen an die Hochwasser früherer Jahre erinnern? Immer schon hat die Stadt sich mit dem Hochwasserschutz befasst. Für Zipfelbach und Buchenbach hat sie Gewässerkarten, in denen die Grenzlinien eines Hochwassers einzeichnet sind, das nur alle 100 Jahre vorkommen soll (HQ100). Innerhalb dieser Überschwemmungsflächen darf nicht gebaut werden. Als am Zipfelbach das Klinikum oder die Arkadiensiedlung gebaut wurden, wurde zuvor über mögliche Hochwasser diskutiert, wurden Retentionsflächen ausgewiesen und wurde das Bauen erlaubt in den Flächen, die nach bisheriger Erfahrung als einigermaßen sicher gelten. Das Gleiche gilt für Projekte am Buchenbach.

Ilg erinnert an in Vergessenheit geratene Hochwasserschutz-Vorschläge

Stadtrat Hans Ilg denkt bei Hochwassergefahr erst einmal ans Kreisklinikum in der Zipfelbachaue und an das Gerberviertel am Ufer des Buchenbachs. Vor ungefähr 15 Jahren, so erinnert er sich, haben Fachleute kleine Dämme vorgeschlagen, die dem Buchenbach etwas von seiner Hochwassergefahr hätten nehmen können. Das Vorhaben ist, wie in unserem Zeitungsarchiv steht, damals gescheitert, weil sich die Gemeinden Leutenbach und Winnenden einerseits nicht mit der Gemeinde Berglen andererseits einig geworden sind. Ilg meint: „In dieser Sache sollten wir sicherlich etwas unternehmen.“

Hochwasser kommen manchmal von unerwarteter Seite

OB Holzwarth denkt darüber nach, hat aber noch nicht genügend Information. „Ich muss mich erst einlesen in diese Unterlagen.“ „Es war damals schon die Aussage, dass man was machen könnte“, meinte Ilg. Holzwarth will das weiterverfolgen, will aber auch keine falschen Hoffnungen wecken, weil die damaligen Gutachten von den damals zu erwartenden Hochwassern ausgingen: „Es kann Ihnen niemand garantieren, dass kein viel größeres Hochwasser kommt, man kann vielleicht eine gewisse Vorsorge treffen, aber man kann nicht alle extremen Fälle ausschließen.“ Braunsbach, das vor einigen Jahren von einer Schlammlawine heimgesucht wurde, ist ein Beispiel. „Die Gemeinde hat sich gegen Hochwasser vom Kocher her geschützt – und nachher kam die Flut von oben.“

Im Rathaus und im Gemeinderat setzt das Nachdenken über extreme Starkregen und mögliche Hochwasserkatastrophen ein. Bürger fragen bei der Stadt nach: „Welche Vorsorge wird bei uns getroffen?“ Im Gemeinderat kam Hans Ilg auf die Katastrophe zu sprechen. Ganz Deutschland wurde von der Dimension dieser Katastrophe überrascht und erschüttert. Konkrete Vorschläge, wie darauf zu reagieren sei, können jetzt noch nicht aufkommen. Aber Fragen stellen Bürger und Gemeinderäte schon. Zum Beispiel: Wie

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