Winnenden

Wegen Artemisia: Razzia in Winnenden bei Hans-Martin Hirt und Teemana

Artemisia Annua
Artemisia – diese Pflanze, auf deren Heilkräfte als Tee viele Winnender schwören, steht im Mittelpunkt der Affäre, die jetzt sogar zu Hausdurchsuchungen geführt hat. © Benjamin Büttner

Die Affäre um den Kräutertee Artemisia aus Winnenden hat am Dienstag eine neue Dimension erreicht. Am Vormittag ließ die Staatsanwaltschaft Stuttgart die Privaträume des Apothekers Hans-Martin Hirt sowie der Winnender Teemana-Geschäftsführerin, Hirts Geschäftsräume in der Paulinenstraße und der Firma Teemana in Sindelfingen durchsuchen. Ware und Dokumente wurden beschlagnahmt. Apotheker Hirt hat die Redaktion am Montag selbst darüber informiert. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt wegen Verdachts auf Verstöße gegen das Lebensmittel- und Futtermittelgesetz.

Landratsamt Rems-Murr verhängt 30.000 Euro Zwangsgeld

Die Firma hat ihr Artemisia-Pulver trotz eines Verbots, das Mitte Februar vom Verwaltungsgericht Stuttgart bestätigt wurde, bis zuletzt weiter online angeboten. Hirt und Co. haben sich dabei auch von Zigtausenden Euro Zwangsgeldern nicht beeindrucken lassen. Zuletzt hatte das Landratsamt Rems-Murr Ende April ein Zwangsgeld von 30.000 Euro verhängt, verbunden mit der Aufforderung, den Verkauf des Pulvers unverzüglich einzustellen.

Das hatte das Landratsamt bereits Ende Februar, damals noch begleitet von einem Zwangsgeld über 10.000 Euro, vergeblich gefordert.

Zwar legten die Winnender Einspruch ein und die Firma Teemana verlegte Anfang März ihren Sitz nach Sindelfingen, auch wurde die Produktbezeichnung geändert – vertrieben wird nun nicht mehr „Artemisia annua anamed“, sondern nur noch „Artemisia annua“ –, den Verkauf stellte die Teemana-Geschäftsführerin aber nicht ein.

Gegen den Apotheker Hans-Martin Hirt wird in seiner Funktion als Geschäftsführer der Firma „anamed-edition“ ermittelt. Diese soll Artemisia-Produkte im Auftrag der Firma Teemana in der Paulinenstraße vertrieben haben.

Kontrolle im März: „Erhebliche Mengen“ des Pulvers in Winnenden

Das Landratsamt soll bei einer Vor-Ort-Kontrolle in der Paulinenstraße im März festgestellt haben, dass sich dort weiterhin erhebliche Mengen an Artemisia-Produkten in Großgebinden und Versandverpackungen befanden. Eine Mitarbeiterin sei damit beschäftigt gewesen, die Rohware zu vermahlen. In mehreren Fässern seien Versandpackungen gelagert worden. Das Landratsamt hat deshalb erneut ein Zwangsgeld angeordnet, um das Verkaufsverbot durchzusetzen und weitere Zwangsmaßnahmen angedroht.

Jetzt hat auch die Staatsanwaltschaft ernst gemacht. Hirts Aussage nach ist die Polizei zeitgleich zu den Durchsuchungen in Wohnungen und Geschäftsräumen auch bei seiner Steuerberaterin vorstellig geworden.

Zu Details äußert sich die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Stuttgart, Melanie Rischke, mit Verweis auf die andauernden Ermittlungen nicht. Sie bestätigt aber: „Im Zusammenhang mit einem bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart anhängigen Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Inverkehrbringens von nicht zugelassenen neuartigen Lebensmitteln fanden heute im Landkreis Böblingen und im Rems-Murr-Kreis richterlich angeordnete Durchsuchungsmaßnahmen statt. Hierbei wurden Beweismittel sichergestellt, die nun ausgewertet werden.“

Die Artemisia-Anhänger verweisen auf die enormen Heilkräfte der Pflanze

Zur Erinnerung: Das Landratsamt hatte das „Inverkehrbringen“ des Tees untersagt, weil er kein Zulassungsverfahren nach der europäischen Novel-Food-Verordnung durchlaufen hat. Teemana und Hans-Martin Hirt waren daraufhin juristisch gegen das Verbot vorgegangen.

Mehrfach scheiterten sie mit ihren Einsprüchen, Klagen und Winkelzügen wie dem Umbenennen des zunächst als Tee, später als Rohstoff deklarierten Heilkrauts. Mitte Februar bescheinigte das Verwaltungsgericht Stuttgart dem Landratsamt Rems-Murr ein korrektes Vorgehen: Das Verkaufsverbot ist rechtens.

Hirt und Co sind darüber empört. Sie verweisen auf die enormen Heilkräfte von Artemisia. Eine Zulassung im Sinne des Novel-Food-Gesetzes der EU, wie sie das Verwaltungsgericht Stuttgart fordert, könne sich eine kleine Firma wie Teemana gar nicht leisten.

Die Affäre um den Kräutertee Artemisia aus Winnenden hat am Dienstag eine neue Dimension erreicht. Am Vormittag ließ die Staatsanwaltschaft Stuttgart die Privaträume des Apothekers Hans-Martin Hirt sowie der Winnender Teemana-Geschäftsführerin, Hirts Geschäftsräume in der Paulinenstraße und der Firma Teemana in Sindelfingen durchsuchen. Ware und Dokumente wurden beschlagnahmt. Apotheker Hirt hat die Redaktion am Montag selbst darüber informiert. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt

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