Winnenden

Wildschweinschäden auf dem Stückle

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Eine Sau beim Boden-Umgraben, fotografiert in einem Wildgehege. © Sarah Utz

Winnenden. Wolfgang Groß muss wieder mal schimpfen – über die „Sauerei“, die Wildschweine auf seinem gepachteten Stückle am Waiblinger Berg oberhalb der Straße Steinhäusle hinterlassen haben. „Das zweite Mal dieses Jahr“ klagt er über etliche Erdlöcher, einen Meter breit, einen Schuh tief. Geht man einmal durchs Gebiet, sieht’s auf manchen Wiesen noch schlimmer aus.

Video: Das Video des Landesjagdverbandes Baden-Württemberg klärt alle wichtigen Fragen rund um das Thema Wildschweine und Streuobstwiesen.

Jagdpächter Walter Rupff ist für den Bezirk zuständig. Meldet ein Stücklesbesitzer einen Wildschaden, kommt er aber nicht zu ihm und macht die Wiese wieder eben. „Da hätte ich viel zu tun.“ Er verweist auf ein Erklärvideo des Landesjagdverbands. Es gilt ein neues Gesetz, das Jagdgenossenschaften nur bei gewerblichen Obstplantagen zum Schadenersatz verpflichtet, wenn diese eingezäunt sind und dennoch von Wildschweinen umgepflügt werden. Hobby-Wiesenbesitzer haben nur einen Anspruch, wenn sie regelmäßig mähen und das Gras beziehungsweise Heu abfahren sowie das Fallobst nicht liegen lassen. „Alle anderen betreiben geradezu eine Schnecken- und Würmerzucht, die die Wildschweine anlockt“, sagt Walter Rupff.

Auf Futtersuche

Zurzeit bekommt der Jagdpächter „jeden dritten oder vierten Tag einen Anruf“ von einem geschädigten Wiesenbesitzer. „Der Mais ist geerntet, es gibt kein Obst, und die Sauen brauchen ohnehin tierisches Eiweiß“, sagt er. Deshalb brechen sie mit ihren starken Schnauzen die Wiesen auf und verwandeln das grüne Gras in einen Acker.

Schlupflöcher im Zaun

„Da kann man nicht mehr mähen oder mit dem Auto reinfahren“, sagt Wolfgang Groß über eine Wiese weiter oben am Waiblinger Berg. Sie liegt offen da. Sein Grundstück dagegen ist auf drei Seiten eingezäunt, und dennoch haben die Tiere Schlupflöcher gefunden. Hinten befindet sich kein Zaun, theoretisch könnte ein Wildschwein in die beiden angrenzenden Hausgärten gehen.

Auch bei Vollmond kaum zu sehen

„Ich kriege oft angeboten, dass ich vom Balkon aus Wildschweine schießen kann, aber das geht nicht“, sagt Jäger Walter Rupff. „Das wäre viel zu gefährlich bei den Häusern und würde die Anwohner nachts auch erschrecken.“ Er hat seit 1. April nur sechs oder sieben Wildschweine im Wald zwischen Schelmenholz und Hanweiler erlegt. Der Grund ist, dass sich die Tiere auch bei Vollmond instinktiv im Dunkeln aufhalten und dank verwilderter Stückle und Brombeeren und Dickicht auch im Wald genug Verstecke haben. „Selbst bei Vollmond ohne Wolken können wir oft nur schwarze Bollen ausmachen, nur Schnee würde helfen.“ Walter Rupff ärgert sich immens über das seit 2015 geltende neue Landesjagdgesetz. „Im März und April dürfen wir gar nicht schießen. Und es erlaubt uns immer noch nicht, Nachtsichtgeräte anzuwenden. Dabei könnten wir damit genau sehen, ob wir eine Leitbache oder Frischlinge vor uns haben, die wir nicht schießen.“ Auch der Schuss selbst würde besser sitzen.

Mittel gegen Wildschweine

Geplagten Stücklesbesitzern, denen vom Baurechtsamt auch noch die Zäune abgesprochen werden, kann Walter Rupff derzeit nur raten, ein biologisch abbaubares Produkt zu verstreuen. Ein Sack koste 20 Euro, sei aber ergiebig. Doch das Mittel wirkt nur zwei bis drei Wochen gegen Wildsaubesuch. „Der Druck der Bevölkerung auf uns Jagdpächter wächst. Ich verstehe den Unmut der Leute: Was sie das ganze Jahr über pflegen, sieht binnen einer Nacht aus wie ein Kartoffelacker“, sagt Rupff.