Winnenden

Winfried Kretschmann soll der Boehringer-Schule helfen

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Initiative für den Neubau der Boehringer-Schule beim Unterschriftensammeln: Jasmine und Kurt Lander, Thomas und Simone Loosemann. © Ralph Steinemann

Winnenden. Eltern der Robert-Boehringer-Gemeinschaftsschule sehen es kommen, dass der Gemeinderat das Bürgerbegehren für den Bau der Schule abweist. In einem Brief bitten sie nun Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Kultusministerin Susanne Eisenmann um Hilfe. Hier das Schreiben im Wortlaut:

„Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Winfried Kretschmann, sehr geehrte Frau Kultusministerin Susanne Eisenmann,

wir wenden uns mit diesem Schreiben an Sie, da wir Ihre Unterstützung für unser Anliegen benötigen, das sich bislang leider nicht auf kommunaler Ebene lösen lies. In Winnenden soll die allseits anerkannte und erfolgreich arbeitende zweizügige Robert-Boehringer-Gemeinschaftsschule, die darüber hinaus zwei Integrationsklassen unterrichtet, aus vermeintlichen Kostengründen geschlossen werden.

Nach jahrelangen Versprechungen und abgeschlossenem Architekturwettbewerb zum Bau eines neuen Schulgebäudes (Kosten von einer halben Million Euro sind bereits angefallen) stellte die Stadtverwaltung kurz vor den Sommerferien fest, dass sie die finanziellen Mittel nicht zur Verfügung stellen kann oder will. Ohne ernsthafte Überprüfung möglicher Kosteneinsparungen oder sinnvoller Alternativen wurde ein Eckpunktepapier verabschiedet, das eine Schließung der Schule und Auslagerung der Kinder in eine Gemeinschaftsschule in die 5 km entfernte, deutlich kleinere Gemeinde Schwaikheim am Rande des Einzugsgebietes vorsieht, die sich in einer ländlichen Gegend befindet und abnehmende Schülerzahlen hat (es sind gerade mal noch 15 Schüler in diesem Schuljahr angemeldet). Für die Schwaikheimer Schule wäre ebenfalls ein Neubau notwendig.

Innerhalb weniger Wochen wurde ein Plan erstellt (für unsere Gemeinschaftsschule in Winnenden hat dies mehrere Jahre gedauert), der sich auf 6,2 Mio. Euro beläuft. Aufgrund der Randlage müssten die Schüler bis zu 1,5 Stunden einfache Fahrzeit auf sich nehmen. Die Gemeinschaftsschule in Winnenden hingegen bildet zusammen mit einem Gymnasium und einer Realschule ein Bildungszentrum, das eine sehr gute Infrastruktur (z. B. gemeinsame Nutzung von Sozialmitarbeitern) und eine hervorragende Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel besitzt.

Für uns ist es nicht akzeptabel, dass gerade unsere erfolgreiche und beliebte Schule in Winnenden geschlossen werden soll, auch unter dem Aspekt, dass Winnenden als Große Kreisstadt keine weitere Gemeinschaftsschule besitzt, hingegen zwei Gymnasien und zwei Realschulen hat, die nicht in Frage gestellt werden. Unverständlicherweise ist unsere Stadtverwaltung nicht bereit den planenden Architekten den Auftrag zu geben, das bisherige Bauprojekt auf ein finanzierbares Niveau umzuplanen, obwohl die Architekten und Planer in einem von uns geforderten Termin auf Basis konkreter Einsparungsmöglichkeiten die klare Bereitschaft zur weiteren Reduzierung der Kosten signalisiert haben.

Schüler, Eltern, Lehrer und viele Bürger sind enttäuscht und verzweifelt, da sie sich als Opfer politischer Grabenkämpfe sehen. Wir möchten nicht hinnehmen, dass unsere Gemeinschaftsschule aufgrund vorgeschobener Haushaltgründe schließen muss. Auch das uns gegebene Versprechen der Grün/Schwarzen Landesregierung hinsichtlich Verlässlichkeit und Planbarkeit sehen wir verletzt. Wir wünschen uns von der Landesregierung, dass dies nicht nur ein Lippenbekenntnis ist, sondern Sie sich klar zum Erhalt unserer Gemeinschaftsschule bekennen und, wie versprochen, keine Strukturveränderungen im Schulsystem vornehmen.

Baden-Württemberg gestalten - verlässlich, nachhaltig und innovativ - hatten wir uns anders vorgestellt.

Wir Eltern haben von Ende November bis 23. Dezember über 3 000 Unterschriften für den Neubau der Schule gesammelt. Dies entspricht ca. 13% der wahlberechtigten Bevölkerung. Wir hofften dadurch auf die Einsicht der Stadt, dass die Gemeinschaftsschule mit ihrem integrativen und zukunftsorientierten Konzept von Winnenden nicht wegzudenken ist und der versprochene Neubau umgesetzt werden muss. Dies wurde auch im Schreiben der Winnender Rektoren an den Gemeinderat deutlich, das zum Erhalt der Schule aufruft, da die Schule eine besondere integrative Funktion innerhalb der Winnender Schullandschaft erfüllt.

Leider ist genau das Gegenteil passiert. Die Stadtverwaltung Winnenden hat einen Gutachter beauftragt, der nun das Bürgerbegehren als rechtswidrig eingestuft hat, da die Finanzierbarkeit nicht hinreichend belegt ist. Von uns Eltern wird somit indirekt verlangt, dass wir ein neues Planungskonzept aufstellen, wobei allen klar sein müsste, dass dies durch uns nicht finanzierbar ist.

Wir möchten wieder Vertrauen in die aktuelle Landespolitik haben, doch die Entscheidungen unserer Stadt führen zu großer Frustration und Misstrauen in der Bürgerschaft.

Wir bitten dringend um Ihre Unterstützung und positive Einflussnahme für unsere Gemeinschaftsschule.

Simone und Dr. Thomas Loosemann, Jasmine und Kurt Lander (Elternbeiratsvorsitzender) und die gesamte Elternschaft der Robert-Boehringer-Gemeinschaftsschule.“