Winnenden: „Amok“-Gekritzel auf Schul-Mülleimer sorgt für Aufregung bei Eltern
Winnenden. Eine Kritzelei auf einen Mülleimer, die als Androhung eines Amoklaufs gelesen werden kann, hat Eltern von Schulkindern in Winnenden in Aufregung versetzt. Laut Polizei gibt es aber keinerlei Hinweise auf eine reale Gefährdung. Der Unterricht am Freitag (12.6.) fand dann auch regulär statt – trotz zahlreicher Krankmeldungen von Schülerinnen und Schülern.
Immer wieder passieren am Freitagmorgen Streifen der Polizei die Winnender Schulen. Man habe sich trotz der Einschätzung, es bestehe keine echte Gefahr, dazu entschieden, präsent zu sein, sagte ein Polizeisprecher unserer Redaktion. Und erläuterte, was der Ursprung der Aufregung war: Ein Hausmeister hat die Worte „Amok nächsten Freitag“ als „Kritzelei auf einem Mülleimer“ auf dem Gelände des Bildungszentrums 1 entdeckt. Dort befinden sich sowohl die Geschwister-Scholl-Realschule als auch das Georg-Büchner-Gymnasium und die Stöckach-Grundschule. Wer die Worte auf den Mülleimer gekritzelt hat und wann ist völlig unklar. Bemerkt wurden sie am Mittwoch.
Polizei sah „keine Notwendigkeit, die Eltern zu informieren“
Obwohl die Strategie und Empfehlung der Polizei lautete, Ruhe zu bewahren und das Gekritzel nicht aufzubauschen – es gab zum Beispiel auch keine Pressemeldung dazu aus dem Polizeipräsidium Aalen – machte im Laufe der Woche das Gerücht über eine Amok-Androhung die Runde. In Winnenden, wo am 11. März 2009 ein junger Mann an seiner früheren Schule zehn Menschen tötete (und fünf weitere sowie sich selbst in den Stunden danach erschoss) haben die Menschen dafür besonders sensible Sensoren.
Bastian Menrad, stellvertretender Schulleiter der Geschwister-Scholl-Realschule berichtet unserer Redaktion, seine Schule sei es gewesen, die den Vorfall nach dem Fund am Mittwoch der Polizei gemeldet habe. Diese habe signalisiert: Es bestehe „keine Notwendigkeit, die Eltern zu informieren“. Mit Elternvertretern habe er dieses Vorgehen aber abgestimmt.
Viele Eltern melden ihre Kinder für den Freitag krank
Trotzdem – oder gerade deshalb? - trudelten am Freitagmorgen reihenweise Krankmeldungen ein, nicht nur an der Geschwister-Scholl-Realschule. In den Sekretariaten und Schulleitungsbüros klingelten in einer Tour die Telefone. Am anderen Ende: verunsicherte Eltern.
Was – im Nachhinein betrachtet - bestimmt nicht half: Die Schulen hatten sich offenbar nicht untereinander über eine Kommunikationsstrategie abgestimmt. Bereits am Donnerstagabend informierte das Georg-Büchner-Gymnasium seine Eltern über die Lage. Am Freitagmorgen sah sich dann die Schulleiterin der Stöckachschule gezwungen, die Nerven aufgewühlter Mütter und Väter zu beruhigen. In einer Mail an die Eltern schrieb Heike Mang am Freitagmorgen, sie habe am späten Donnerstagabend „die Information über eine vage Androhung eines Amoklaufs an einer unserer Nachbarschulen“ erhalten. Die Polizei sei informiert, es bestehe kein Grund zur Besorgnis: Die Polizei zeige zwar Präsenz, aber habe „uns eindrücklich gebeten, von weiteren Maßnahmen abzusehen.“
Der Hausmeister hat die Kritzelei am Mülleimer entfernt
Erst später am Morgen zog dann auch die Geschwister-Scholl-Realschule mit einer Information an alle Eltern nach – unter denen sich wiederum manche darüber ärgerten, als Letzte davon erfahren zu haben.
Die makabre Kritzelei am Mülleimer, die all den Trubel ausgelöst hat, ist inzwischen weg. Der Hausmeister hat sie entfernt.




