Winnenden

Winnenden: Jugend angelt „mit Herz“

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Ein Kunstköder. © Gaby Schneider

Winnenden. Sie sind seit ihrer Kindheit leidenschaftliche Angler. Für ihr Hobby wollen Robin Kögel (18) und Tim Stadtmüller (20) andere Jugendliche ködern: Sie nennen es „Angeln mit Herz“, beschreiben es auf einer ansprechenden Internetseite – und werden als Team-Tester immer mehr zu gefragten Experten in der Szene.

„Es ist gar nicht so wichtig, dass man den größten Fisch fängt oder so viele wie möglich“, sagt Tim Stadtmüller. „Wir wollen die Idee pushen, dass es Spaß macht und erholsam ist, den Tag in Ruhe am Wasser zu verbringen. Eigentlich hat man ja Glück, wenn man überhaupt etwas fängt.“

Die Jugend sucht nach Hobbys ohne Tierquälerei

„Angeln mit Herz“ ist ein netter Slogan, aber eigentlich nichts Neues: Um einen Fischereischein zu machen und zu behalten, musste man schon immer die Fischgrößen, -gewichte und die Schonzeiten der verschiedenen Arten beachten. Dass man aber auch stundenlang mit der Rute am Ufer steht und am Ende des Tages absichtlich keinen Fang mit nach Hause bringt, dies sei weltweit ein Trend, der sich gerade etabliere. Der Tierschutzgedanke steckt dahinter, auch der Wunsch, das Hobby möge nachhaltig sein.

Für diesen neuen Ansatz haben Tim und Robin durch ihr Engagement im Angelverein „Früh Auf“ Winnenden und im Testteam der Angelzentrale Herrieden einige Tricks und Tipps parat. So benutzen die Jungs keine Naturköder wie Würmer. Die schlucken die Fische zu weit hinunter und können dann nicht mehr vom Widerhaken befreit werden. Mit Kunstködern ist es einfacher. Sie glitzern wie kleine Fischlein.

Beispiel Buchenbachforelle: Ist sie nur zehn Zentimeter lang, befreit sie Robin vorsichtig mit der Hand oder einer Spezialzange vom Haken. Dann setzt er sie vorsichtig wieder ins Wasser. Auch zu große Exemplare, etwa bei Karpfen oder Wels in Seen und großen Flüssen, würden die Jungs am Leben lassen: „Sie sind wichtig für die Fortpflanzung, und damit für die Erhaltung des Fischbestands.“ Robin berichtet von speziellen Utensilien, die ihre Sponsoren entwickeln. Etwa eine Matte, auf der man die Gefangenen in etwas Wasser betten kann, während man sie vorsichtig vom Haken nimmt. Oder ein spezielles Wundspray, falls der Fisch blutet. „Es kommt vor, dass der Fisch kämpft, wenn wir ihn aus dem Wasser ziehen“, sagt Tim. „Ist er aber zu stark verletzt, dürfen wir ihn nicht ins Wasser werfen.“ Dann werde verantwortungsvoll vorgegangen, wie es ein Angler gelernt hat: Erst betäubt man den Fisch mit zwei leichten Schlägen auf den Kopf. Dann sticht man mit dem Messer direkt ins Herz, zwischen die zwei Brustflossen.

Robin angelt seit seinem sechsten Lebensjahr. Erst mit dem Opa, dann in der Jugendgruppe beim Winnender Angelverein „Früh Auf“, dessen Leiter Tim ist. „Man lernt alles rund ums Angeln, bis hin zum Filetieren und Zubereiten.“ Über Nachwuchs würden sich die neun Jugendangler freuen. Robin hat schon erlebt, dass seine Altersgenossen schnell vom Vorurteil „Angeln ist langweilig“ Abstand genommen haben, wenn sie mal dabei waren. Besonders attraktiv seien die Wochenenden an den Seen. Arbeitseinsätze an den Ufern gehörten aber auch zum Vereinsleben.