Winnenden

Winnenden: Leerstand nach Besitzerwechsel. Wer mietet die Sortimat-Hallen?

Sortimat
Das Gebäude steht leer. © ALEXANDRA PALMIZI

Das gab’s schon ein paarmal in der Wirtschaftsgeschichte der Stadt: Große Player orientieren sich um, verlassen den Standort, fort sind die Arbeitsplätze und die Gewerbesteuereinnahmen. Was bleibt, sind die Immobilien. Die spannende Frage: Wie werden Firmengebäude weiter genutzt?

In Birkmannsweiler wartet gerade so ein Dornröschen auf seinen Prinzen, der es wieder wachküsst. Anlagenbauer Sortimat, seit 2010 gehörte die Firma zum ATS-Konzern, ist fort (zu den Gründen erhielt unsere Redaktion trotz mehrmaliger Anfragen keine Antwort). ATS verkaufte das Gelände an die Thallos AG und räumte Produktionshallen, Lagerflächen und Büroetagen. Ein paar Kunstwerke ließ man zurück, die Einbauschränke sind geblieben und die Kräne an Stahlträgern, mit denen sich Schweres leicht versetzen lässt.

Objektberater Faas: „Maschinen rein und sofort loslegen“

„Von der Substanz und der Elektrik her ist alles sehr gut gemacht“, sagt Klaus Faas, der technische Objektberater, beim Gang durch die sauber daliegende Halle mit großen Fenstern zur Herzog-Philipp-Straße hin. Unter ihr befindet sich im Keller noch eine Halle. Er und Thallos-Projektleiter Julian Oberfrank suchen für die 9000 Quadratmeter am Rand von Birkmannsweiler, mit direkter Anbindung an die Südumgehung und den Linienbus, einen neuen Mieter. „Man braucht bloß seine Maschinen reinstellen und kann loslegen“, meint Faas.

Vorbild AEG-Gelände: Mehrere Nutzer könnten die „Quarters“ beziehen

Doch so einfach ist es vielleicht doch nicht. Auch auf die ehemalige AEG, die ebenfalls an einen ausländischen Konzern verkauft worden war, fand sich kein Eins-zu-eins-Folgenutzer. Der neue Besitzer des Geländes an der Max-Eyth-Straße hat damals die Immobilie in verschiedene Einheiten aufgeteilt, selbst genutzt und den Rest vermietet.

„Eine Aufteilung ähnlich wie sie Michael Schief gemacht hat, das wäre ebenfalls eine Möglichkeit“, sagt Klaus Faas und hält einen Prospekt in die Höhe. „Quarters“ steht drauf. Das verwinkelte Sortimat-Konglomerat könnte demnach auch in kleineren Einheiten genutzt werden. Wenn der eine auserwählte „Prinz“ nicht kommt, dann würde der Besitzer auch mehrere „Verehrer“ als Mieter nehmen. Immerhin gibt es drei Zufahrten und zwei Eingänge fürs Verwaltungspersonal. Überdies seien alle Räume anpassbar für die Zwecke der neuen Mieter, Flächen können geteilt, erweitert, verbunden, umgebaut werden, so Faas.

Doch die Zeiten sind nicht einfach. Da spielt nicht nur Corona eine Rolle. „Wir sind in einem Transformationsprozess, für mehr als fünf Jahre bekommt man derzeit kaum einen Mieter“, meint der freie Makler Joachim Cronenberg, der ebenfalls mit Thallos zusammenarbeitet. Interessenten hatten sie, zugeschlagen hat noch keiner.

„Die begehrten Flächen für Handwerker sind nur 200 bis 400 Quadratmeter groß“, weiß Faas. Diese seien entsprechend teuer. Große Flächen ab 5000 Quadratmeter, sagt er, seien vergleichsweise günstig zu haben. Nur schlägt dann eben wieder die größere Fläche bei der Miete zu Buche.

Großes Pflegeheim? Stadt hält an der Ausweisung für Gewerbe fest

Eigentlich müssten an der Birkenstraße 6 die Interessenten Schlange stehen. Städte und Gemeinden haben lange Wartelisten für Gewerbebauplätze. Die Stadt Winnenden will zum Beispiel in Hertmannsweiler die nächste Erweiterung der Schmiede ausweisen für die Firma Judo. Joachim Cronenberg hatte indes für das Sortimat-Gelände eine vielversprechende Idee: „Ein Pflegeheim mit 80 bis 90 Betten, das man wirtschaftlich betreiben kann und das die derzeit rasant steigende Nachfrage bedient.“ Der Makler spricht von einem Invest in Höhe von 70 Millionen Euro, Betreiber und Baupläne hätte Thallos an der Hand gehabt. Allerdings habe das Stadtentwicklungsamt die Zusage für eine solche Nutzung „über Nacht zurückgezogen“, wie Cronenberg sagt. Darüber ist er alles andere als erfreut.

Das Stadtentwicklungsamt macht dem Investor keine Hoffnung auf ein Sondergebiet mit teilweisem Wohnen oder gar Umwandlung in ein reines Wohngebiet. Stadtentwicklungsamtschef Markus Schlecht bestätigt die Anfrage der Thallos AG und sagt, dass Teilabriss oder kompletter Neubau möglich seien – aber nur für Gewerbe.

„Wir wollen keine Konkurrenz zum Wohnbau und keine Verdrängung von Gewerbe. Wir haben ein Defizit an Gewerbeflächen und müssen mit ihnen haushalten.“ Der Standort Birkmannsweiler sei wichtig, und oberhalb, Gewann Hageläcker sei sogar noch eine Erweiterungsmöglichkeit. Etwas ungeschickt sei, das gibt er zu, dass das Gebiet historisch gewachsen sei und sich „Fremdnutzer“ eingeschlichen hätten, Spielhallen etwa oder Betriebswohnungen, die vor langer Zeit genehmigt worden waren. Joachim Cronenberg hofft indes weiter auf ein Einlenken der Stadt, auch mit Hinweis darauf, dass der „obere Teil als Mischgebiet ausgewiesen“ sei, mit Fitnessstudio, Wohnen, Spiehallen. Dorthin, an die Industriestraße 6, habe er im Jahr 2018 der Stadt schließlich auch erfolgreich Mieträume fürs Stadtarchiv vermittelt.

Das gab’s schon ein paarmal in der Wirtschaftsgeschichte der Stadt: Große Player orientieren sich um, verlassen den Standort, fort sind die Arbeitsplätze und die Gewerbesteuereinnahmen. Was bleibt, sind die Immobilien. Die spannende Frage: Wie werden Firmengebäude weiter genutzt?

In Birkmannsweiler wartet gerade so ein Dornröschen auf seinen Prinzen, der es wieder wachküsst. Anlagenbauer Sortimat, seit 2010 gehörte die Firma zum ATS-Konzern, ist fort (zu den Gründen erhielt unsere

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