Winnenden

Winnenden liest: VHS-Leiter Andreas Frankenhauser und der perfekte Leseplatz

Winnenden liest: Frankenhauser
Andreas Frankenhauser auf seinem Balkon mit Blick auf die Skyline Winnenden. © ALEXANDRA PALMIZI

Andreas Frankenhauser gibt es offen zu: „Als Kind habe ich Bücher nicht gerade verschlungen. Ich war ein Spätzünder.“ Aber schon als Jugendlicher packte ihn die Geschichte, und zwar die real vergangene, nichts Erfundenes: „Ich las viele Sach- und vor allem Geschichtsbücher und habe später Geschichte studiert“, erzählt der Leiter der Volkshochschule (VHS) Winnenden und Umgebung.

Wir sitzen auf seinem Balkon, Paprika und Tomaten im Rücken, vor uns viel Grün und dahinter die Skyline von Winnenden. Der 46-Jährige ist als Persönlichkeit aus dem Kulturbereich vom „Winnenden-liest“-Team eingeladen worden, am 8. September aus seinem Lieblingsbuch vorzulesen. Und bei der Gelegenheit gucken wir uns vorab auch gerne mal den privaten Lieblingsleseplatz an.

Es ist der Balkon, und dieser ist ideal, denn er hat ein durchsichtiges Dach gegen Regen und eine Markise gegen zu viel Sonne. Der Blick kann weit schweifen, der perfekte Ort für dolce far niente. Wobei, Lesen und auch Italienischlernen, was Andreas Frankenhauser hier auch macht, ist ja schon ein bisschen was anderes als „süßes Nichtstun“: „Italienisch habe ich schon an der Universität angefangen, hier an der Volkshochschule mache ich gerade einen Konversationskurs Niveau B 1, ich will einfach dranbleiben, denn jedes Jahr fahre ich in Urlaub nach Italien.“ Vor Ort kommt er dann zwar vor lauter Sightseeing kaum zum Bücherlesen, dafür aber bei den vielen Zugfahrten, zum Beispiel auch zu den Eltern in die Heimat nach Munderkingen an der Donau. Der Zug ist also sein zweiter Lieblingsleseplatz.

Andreas Frankenhauser ist ein Verehrer von Joseph Conrad

Auch Englisch hat es Andreas Frankenhauser angetan, er hat außer Zeitgeschichte auch Politikwissenschaft und Amerikanistik in Tübingen und St. Louis (USA) studiert. „Als junger Erwachsener habe ich deshalb viele Romane gelesen. Zur Zwischenprüfung musste man eine Leseliste von rund 20 Büchern einreichen.“

Bis heute liest er Bücher am liebsten auf Englisch. Zu denen gehören auch die Romane eines Nicht-Muttersprachlers, Joseph Conrad (1857-1924). Er lernte erst mit 20 Jahren Englisch (und ist in der Ukraine geboren), gilt aber als polnisch-britischer Schriftsteller. „Er schreibt anspruchsvoll und seine Geschichten handeln vom Reisen, von Seefahrern, von Kolonialismus“, zählt Andreas Frankenhauser auf und nennt exemplarisch „The Heart of Darkness“ („Herz (in) der Finsternis“). Es kritisiere Rassismus in Afrika. „Conrad macht Lust auf Reisen und die große weite Welt, aber eben nicht nur auf angenehme Weise. Er schaut auch immer in Abgründe, bietet dem Leser Gesellschaftskritik und Abenteuer.“ Für mehrere Verfilmungen lieferte dieses Buch die Vorlage.

Für „Winnenden liest“ hat Frankenhauser das zweite Buch eines „brillanten Denkers und Geschichtsprofessors aus Israel“ ausgewählt (man darf raten, verraten wird der Name erst am 8. September). „Trotz seines Berufs“, Frankenhauser kann und darf das beurteilen, „kann er gut schreiben, und er stellt spannende, teils provokante Thesen auf, es ist ein Genuss“, sagt der 46-Jährige.

Das zweite von drei Büchern, die von diesem Autor vorliegen, war ein Geschenk an den VHS-Leiter und ist daher praktischerweise ins Deutsche übersetzt. „Es geht um die Gegenwart und nahe Zukunft, um die Probleme heute.“ Oha, ein Sachbuch also. Das passe auch zum Vorleser, zum Leiter einer Weiterbildungseinrichtung, die sich ebenfalls mit aktuellen Fragen, vom Klimawandel bis hin zum gesellschaftlichen Zusammenhalt, beschäftigt.

Andreas Frankenhauser ist Vater einer Tochter, leitete acht Jahre lang in Tuttlingen eine private Sprachschule, in Rottweil sechs Jahre die Volkshochschule und in Wolfenbüttel ein Jahr lang das Kreis-Bildungszentrum mit Volkshochschule.

Sein Start in Winnenden fiel mit Corona zusammen

Im Februar 2020 fing er in Winnenden an. „Die Region habe ich mir flacher vorgestellt“, sagt er über anstrengende Radtouren, die er schon unternommen hat. Und wie sieht’s mit dem Netzwerk aus? „Die Umstände der Corona-Pandemie haben sich noch immer nicht normalisiert. Ich habe schon ein paar Leute kennengelernt, aber im Privaten vernetzt bin ich noch nicht“, sagt der 46-Jährige. Da ist eine Veranstaltung wie „Winnenden liest“ doch gar nicht so schlecht, so erlebt ihn mal ein größeres Publikum.

Andreas Frankenhauser gibt es offen zu: „Als Kind habe ich Bücher nicht gerade verschlungen. Ich war ein Spätzünder.“ Aber schon als Jugendlicher packte ihn die Geschichte, und zwar die real vergangene, nichts Erfundenes: „Ich las viele Sach- und vor allem Geschichtsbücher und habe später Geschichte studiert“, erzählt der Leiter der Volkshochschule (VHS) Winnenden und Umgebung.

Wir sitzen auf seinem Balkon, Paprika und Tomaten im Rücken, vor uns viel Grün und dahinter die Skyline von

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