Winnenden

Winnenden-Schelmenholz: 50 neue Wohnungen und eine Kita für 23 Millionen Euro

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So soll das Wohnhaus mit Kita im Schelmenholz aussehen. © Stadt Winnenden

Es sind Summen, bei denen einem schwindlig werden könnte. Zu den teuersten Bauprojekten der Stadt, der Sanierung des Lessing-Gymnasiums mit 19,3 Millionen Euro und der von den Stadtwerken geschulterten Wunnebad-Erweiterung mit bis zu 28 Millionen Euro, gesellt sich nun die Stadtbau mit einem 23-Millionen-Euro-Unterfangen. Zwischen Krankenhaus-Kreisel und Schelmenholz werden 50 Mietwohnungen in einem sechsstöckigen Haus und daneben eine viergruppige Kindertagesstätte entstehen.

Arbeitstitel Körnle III, weil sie in der Körnle-Erweiterung liegt.

Erstaunlich nur, wie gelassen und geräuschlos der Gemeinderat diese hohe Investition beschlossen hat. Stadtrat Christoph Mohr sagte zwar, er habe ob der Summe „schon ein mulmiges Gefühl“, andererseits sei der vorangegangene Prozess „von hoher Professionalität und Fachlichkeit“ begleitet worden. Seine ALi-Fraktion steht aber zu dem Projekt.

Wer baut?

Der Auftrag, all das zum Festpreis schlüsselfertig zu bauen, geht an die Remshaldener Firma Riker Wohnbau und Immobilien. Allerdings ist eine Preisgleitklausel für bestimmte Baustoffe vereinbart, sollten sie öffentlich nachprüfbar teurer werden, kann der Bauträger entsprechend mehr verlangen. Das ist in Zeiten von Lieferengpässen wichtig. Interessant aus Umweltgründen ist, dass für den Neubau Recycling-Beton verwendet werden soll.

Gibt es Zuschüsse?

Sobald die Schlüssel übergeben sind, geht die Kita ins Teileigentum der Stadt über, die sie auch betreiben wird, und die Vermietung der Wohnungen übernimmt die Stadtbau als zweite Teileigentümerin. „Für 44 der 50 Wohnungen werden wir Wohnbauförderung beantragen“, sagte der Stadtbauchef und Amtsleiter für Immobilien und Grundstücksverkehr in Personalunion, Ralf Köder. Viele der Appartements in verschiedenen Größen werden denn auch an Inhaber von Wohnberechtigungsscheinen vermietet zu einem Preis, der 30 Prozent unter dem des Mietspiegels liegt. Somit hat die Stadt dann auf einen Schlag 44 „bezahlbare“ Wohnungen mehr.

Außer mit dem Zuschuss der L-Bank rechnet die Stadtbau mit der Zusage für eine KfW-40-Förderung, da das Gebäude die damit verbundenen Standards einhalten soll. Die Förderung besteht aus einem günstigen Zinssatz und einem Tilgungszuschuss. Schließlich hat die Stadt für die Schaffung neuer Kindergartenplätze Aussicht auf einen Zuschuss in Höhe von 2,54 Millionen Euro – und von den Bauträgern, die ebenfalls in der Körnle-Erweiterung Wohnraum schaffen, fließen zur Schaffung von bezahlbarem Wohnraum drei Millionen Euro an die Stadt.

Warum Nicole Steiger mit Nein stimmt

Diese Ablösesumme, drei Millionen, nannte jedenfalls Stadträtin Nicole Steiger (FDP), als sie ihr Nein zu dem ganzen Unterfangen begründete: „Ich hätte mir für das ganze Gebiet ein Gesamtkonzept gewünscht mit Belegungsrechten für städtische Mieter.“ Die Ausgleichszahlung, die der Bauträger leistet, damit er in seinen Gebäuden Eigentumswohnungen erstellen kann, treibe die Preisspirale weiter hoch, so Steiger. Sie war bei der Abstimmung allerdings auch die Einzige, die bei Nein ihre Hand hob. Alle anderen Gemeinderäte stimmten zu.

Wie wurde der Bauträger gefunden?

Bürgermeister Norbert Sailer betonte, dass für die Stadtbau nichts teurer geworden sei, nur weil sie einen anderen Bauträger beauftragt, „durch unser spezielles Verfahren haben wir einen Preis wie jeder andere in der Privatwirtschaft auch bekommen“.

Einfach so einen Millionenauftrag vergeben, das darf eine Kommune nicht. Das Verfahren, das Norbert Sailer ansprach, war in der noch jungen Geschichte der Stadtbau Winnenden gleichwohl erstmals angewandt worden. Die Anwalts- und Wirtschaftsprüfungsfirma Menold Bezler und eine Bauberatungsfirma, KVL Bauconsult, erarbeiteten einen Wettbewerb, um unter vergleichbaren Angeboten den wirtschaftlichsten Bieter herauszufinden. Aus den sieben Interessenten wählte KVL anhand bestimmter Kriterien fünf aus, die einen ersten Entwurf abgeben durften. Nach der ersten Bewertungsrunde blieben drei, die ihre Entwürfe konkretisierten. Mitarbeiter der Stadt und Ehrenamtliche des Gemeinderats waren schließlich intensiver mit den drei Vorschlägen beschäftigt. Am Ende der zweiten Bewertungsrunde hatte die Firma Riker die meisten Punkte.

Was sind besondere Merkmale?

Die Kita bildet ein separates Gebäude mit Erdgeschoss und, wegen der Hanglage, Souterrain plus Außenspielbereich. Ein eingeschossiges separates Bauwerk nimmt die Fahrräder auf. Damit spart sich die Stadtbau ein zweites Untergeschoss, benennt aber auch eine Schwäche des Entwurfs, weil auch Kinderwagen und Gehhilfen weder eingangs- noch treppenhausnah untergebracht werden können.

Auf dem 4700 Quadratmeter großen Grundstück ist indes noch Platz für einen Spielplatz für die Bewohnerkinder und Stellplätze für die Müllcontainer.

Die Wohnungsgrundrisse sind laut Oliver Greis von KVL ideal geschnitten, Loggien mit Glasschiebeelementen bringen nicht nur etwas für den Schallschutz gegen die Südumgehung, sondern bedeuten auch Raumgewinn. „Nur an der Terrassentürschwelle muss noch gefeilt werden“, sagte er, fünf Zentimeter gelten noch nicht als barrierefrei.

Als Schwäche beschreibt der Bauberater, dass neun Wohnungen rein nach Norden ausgerichtet sind.

Weil das Gebäude an die Fernwärme angeschlossen wird, kann es nicht als Plus-Energie-Haus gebaut werden, ein Standard, den Stadtrat Christoph Mohr eigentlich durch das Handlungskonzept Klimaschutz als verbindlich ansieht. „Auch das Mieterstrommodell, das wir mit einer Fotovoltaikanlage der Stadtwerke umsetzen wollen, passt nicht dazu.“ Die von Riker vorgesehene Anlage hat nur eine Leistung von 15 kWp, gefordert waren aber 100 kWp, hier musste nachgebessert werden.

Wie geht es weiter?

Riker wird nun bis Ende 2022/Anfang 2023 die Planung weiterentwickeln, bis der Bauantrag eingereicht werden kann. Die Stadt rechnet dann mit einem halben Jahr, bis die Baugenehmigung vorliegt. Spätestens Ende 2024 sollen die Wohnungen bezugsfertig sein.

Es sind Summen, bei denen einem schwindlig werden könnte. Zu den teuersten Bauprojekten der Stadt, der Sanierung des Lessing-Gymnasiums mit 19,3 Millionen Euro und der von den Stadtwerken geschulterten Wunnebad-Erweiterung mit bis zu 28 Millionen Euro, gesellt sich nun die Stadtbau mit einem 23-Millionen-Euro-Unterfangen. Zwischen Krankenhaus-Kreisel und Schelmenholz werden 50 Mietwohnungen in einem sechsstöckigen Haus und daneben eine viergruppige Kindertagesstätte

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