Winnenden

Winnenden-Schelmenholz: Anwohner graust es vor der Zukunft mit achtstöckigen Punkthäusern

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Etliche Bewohner, die schon lange an der Straße Körnle wohnen, haben Einwände gegen die hohen Gebäude erhoben. © siehe Bildtext

Die Satzung für den Bebauungsplan „Körnle Erweiterung“ ist bei einer Gegenstimme von Stadträtin Rahel Dangel (ALi) und zwei Enthaltungen beschlossen worden. Die letzte Phase ging nicht ohne kritische Begleitstimmen durch. Vier Nachbarn, die in Häusern an der Schelmenholz-Straße Körnle wohnen, bemängeln schriftlich die sieben und acht Stockwerke hohen „Punkthäuser“, die entlang der Forststraße zwischen Fernwärme-Werk und Krankenhauskreisel gebaut werden dürfen. Manche beziehen sich auf eine Bürgerversammlung zum Thema, äußern sich wütend, dass die geforderte Verringerung der Stockwerke nicht Niederschlag gefunden habe, wo sie selbst doch zwei, drei oder in einem Fall auch vier Stockwerke für maximal angemessen gehalten hätten. Das Stadtentwicklungsamt hat sich ebenfalls schriftlich geäußert, bleibt bei seiner Auffassung, dass die hohen Häuser entlang der Straße städtebaulich vertretbar seien und eine Eingangssituation fürs Schelmenholz schaffen würden, zusammen mit der gegenüberliegenden Schule beim Jakobsweg. Die Zäsuren zwischen den Punkthäusern seien zudem sehr groß, auch der Abstand zur Bestandsbebauung sei mit 11,5 Metern „weit über den gesetzlichen Vorgaben“. Ein von Bäumen gesäumter Fuß- und Radweg sorge für Grün ebenso wie die Gärten des Reihenhausgebiets, das sich neben den Punkthäusern erstreckt. Wesentlich höhere Häuser mit 18 Stockwerken seien außerdem bereits im Schelmenholz zu finden.

Ingenieurbüro: Frischluftzufuhr ist gewährleistet

Weiter äußern Anwohner Ängste über die Behinderung der Frischluftzufuhr, doch diese teilt der Leiter des Stadtentwicklungsamts nicht und beruft sich dabei auf ein Gutachten des Ingenieurbüros Lohmeyer, das alle bisherigen und künftigen Nutzungen in der Umgebung (noch zu bauende Parkdecks fürs Rems-Murr-Klinikum) berücksichtigt und im berechneten Kaltluftmodell zu dem Schluss kommt: „In den angrenzenden Wohngebieten sind keine Änderungen der Lufttemperatur zu erwarten.“

"Ich finde: Das wird keine schöne Gestaltung des Ortseingangs."

Rahel Dangel fasste sich sehr kurz mit ihrer Kritik: „Die Häuser sind mir zu hoch, ich finde, das wird keine schöne Gestaltung des Eingangs.“ Sie wünscht sich von den Bauträgern, Projektbau Pfleiderer und Baugenossenschaft Winnenden, dass sie mit geringem CO2-Fußabdruck bauen. Das Winnender Unternehmen Class Hausbau zeichnet für die Reihenhäuser und das Doppelhaus verantwortlich.

Auf den 32 Seiten Stellungnahmen von Privatpersonen, aber auch Behörden als Träger öffentlicher Belange, übt das Landwirtschaftsamt die gravierendste Kritik. 20 000 Quadratmeter Ackerflächen mit den guten bis sehr guten Böden seien eigentlich unverzichtbar für den „ökonomischen Landbau und die Ernährungs- und Energiesicherung und deshalb der landwirtschaftlichen Nutzung unbedingt vorzubehalten“. Das Stadtentwicklungsamt sagt in der Antwort zu, dass der Boden vor Ort verarbeitet oder auf anderen Äckern verteilt und damit erhalten werde.

Geringer Flächenverbrauch: Besiedlungsdichte höher als von der Region verlangt

Aus Umweltsicht gleichwohl bedauerlich ist, dass der Ausnahmeparagraf 13b vom Baugesetzbuch greift. Er wurde wegen des Wohnraummangels erlassen und erlaubt Kommunen, im Außenbereich im beschleunigten und vereinfachten Verfahren Bebauungspläne zu entwickeln. Erst vor anderthalb Jahren wurde die „Körnle Erweiterung“ begonnen, und zum schnellen Tempo gehört auch, dass der Ausnahmeparagraf die Stadt und in Folge auch die Bauträger vom ökologischen Ausgleich entbindet. Das Bauen sollte somit günstiger werden.

Auch die hohe Besiedlungsdichte kann sich die Stadt als Pluspunkt aufschreiben, verhindert sie doch gerade mit dem Bauen in die Höhe und mit den enger als Einfamilienhäuser stehenden Reihenhäusern, dass noch mehr Flächen verbraucht werden. „Für ein Unterzentrum wie Winnenden sind 70 Einwohner je Hektar verbindlich“, merkt der Verband Region Stuttgart an, Stadtentwickler Schlecht kommt für die „Körnle Erweiterung“ auf 118 Einwohner je Hektar und findet, „das kompensiert den Verlust an Böden“.

Die Stadt bekommt 48 Sozialwohnungen

Für die Stadt und ihren Mangel an bezahlbaren Wohnungen ist ein besonderer Pluspunkt des neuen Quartiers, dass darin 48 solcher geförderten Wohnungen zur Vergabe an Berechtigte mitentstehen. Erstmals greift das „Handlungskonzept sozialer Wohnungsbau“ im ganz großen Stil.

Insgesamt entsteht die stolze Zahl von 168 Wohnungen (zu Beginn des Projekts war von 129 Wohneinheiten, im Dezember 2020 von 144 die Rede). Sie befinden sich in vier „Punkthäusern“ und in 19 Reihenhäusern und einem Doppelhaus, die Class Hausbau erstellt. Projektbau Pfleiderer nennt seine beiden Mehrfamilienhäuser „Vista“, sie haben insgesamt 69 Wohnungen. Der Wohnungsmix sei noch mal überarbeitet worden, „es wird keine ganz großen Penthäuser geben, sondern lauter marktgängige Größen“, so Klaus-Martin Pfleiderer. Zurzeit können sich Kaufinteressenten nur vormerken lassen, doch das Baugesuch ist bereits im Dezember 2020 vom Architektenbüro Steinhoff/Haehnel bei der Stadt Winnenden eingereicht worden.

Grüne Korridore zwischen den Wohnobjekten

Klaus-Martin Pfleiderer begegnet einem Teil der Kritik so: „Der Vorteil für das bauliche Konzept der modernen Punkthäuser und damit das Bauen in die Höhe ist, dass wirtschaftlicher gebaut werden kann, was wiederum den zukünftigen Erwerben preislich zugutekommen wird. Durch die gute Architektenplanung konnte zudem mehr Wohnraum wie zum Projektstart erwartet entwickelt werden.“ Energietechnisch wird vom Winnender Bauträger angestrebt, die Pfleiderer-Punkthäuser als KfW-55-Häuser und somit CO2-schonend zu realisieren.

„Besonderer Wert wurde planerisch auf die vielen Grünflächen und grünen Korridore zwischen den Wohnobjekten sowie auf die Ausrichtung und die damit mögliche Hofbildung des Wohnquartiers der Punkthäuser gelegt“, heißt es in einer Mitteilung an die Presse. Stadtwerke Winnenden und Fernwärme Winnenden versorgen das Quartier, auch mit Lademöglichkeiten für die E-Mobilität.

Baubeginn für die Häuser soll schon in einem Jahr sein

Bereits im Mai 2021 beginnen die Erschließungsarbeiten, das heißt, die Straßen mitsamt Kanälen, Wasserrohren, Stromkabeln, Telekom und Fernwärme werden gebaut. Fertig sein sollen sie schon im Dezember dieses Jahres. Der Verkauf der Eigentumswohnungen soll im Herbst beginnen, im darauffolgenden Frühjahr dann der Bau der Häuser, bis Mitte 2024 die ersten Bewohner einziehen. Das dritte Mehrfamilienhaus mit 30 Mietwohnungen erstellt die Baugenossenschaft Winnenden, die Stadt Winnenden das vierte mit 48 Mietwohnungen sowie einen Kindergarten.

Zwei Fragen zum Baugebiet erwähnte Markus Schlecht noch in der Gemeinderatssitzung und beantwortete sie: Was ist, wenn durch den Bau der Tiefgaragen Schäden an den Bestandsgebäuden entstehen? „Es gibt eine Beweissicherung wie bei jedem Bau und jeder Gründung“, so Markus Schlecht, „und auch weil die Abstandsflächen so groß sind, muss keiner etwas befürchten, auch keine Rutschung.“ Weitere Siedlungsflächen seien in der Ecke nicht mehr geplant, versichert Schlecht schließlich. „Der Rand soll begrünt werden und eine öffentliche Grünfläche mit großem Spielplatz der Naherholung dienen.“

Die Satzung für den Bebauungsplan „Körnle Erweiterung“ ist bei einer Gegenstimme von Stadträtin Rahel Dangel (ALi) und zwei Enthaltungen beschlossen worden. Die letzte Phase ging nicht ohne kritische Begleitstimmen durch. Vier Nachbarn, die in Häusern an der Schelmenholz-Straße Körnle wohnen, bemängeln schriftlich die sieben und acht Stockwerke hohen „Punkthäuser“, die entlang der Forststraße zwischen Fernwärme-Werk und Krankenhauskreisel gebaut werden dürfen. Manche beziehen sich auf eine

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