Winnenden

Winnenden: Viele Flüchtlinge erwartet, Holzhaus als Kindergarten wiederbelebt

0A8A8439
Die beiden Erzieherinnen Daniela Teichmann und Oksana Zubkova (von links) betreuen Kinder ab drei Jahren im Holzhaus am Striebelsee - bis sie in die neue Kita Adelsbach umziehen können. © Gabriel Habermann

Für zusätzliche Kindergartenplätze, hauptsächlich wegen geflüchter Ukrainer, macht die Stadt Winnenden derzeit Handstandüberschlag: Wer hätte gedacht, dass ins rote Holzhaus an der Hungerbergstraße 8, dem früheren Waldorfkindergarten, doch noch einmal eine Gruppe einziehen wird? Das Provisorium soll aber, so verspricht es Familien-Amtsleiter Thomas Pfeifer hoch und heilig, nicht von Dauer sein. „Sobald die Kita Adelsbach fertig ist, ich hoffe sehr, wie geplant im September dieses Jahres, zieht die Gruppe in den Neubau um.“ Der ist witzigerweise auch ein Holzbau, aber natürlich nach dem modernsten Standard.

Krasser könnte der Kontrast nicht sein: Das rot angestrichene Holzhaus ist quasi das Tiny House unter den Kindergärten. Mit Betonung auf Garten, der ein Vielfaches größer ist als der Raum. Flur mit Garderobe, WCs, Raum mit Küchenbereich. Mehr ist nicht. Die Kinder, die hier Anfang Januar 2023 spielen, kümmert das nicht. Und auch die Erzieherinnen sehen es total positiv: „Es ist familiär und gemütlich in diesem alten Haus. Das macht auch was her“, sagt Leiterin Daniela Teichmann. Die 41-Jährige arbeitet seit 2018 bei der Stadt Winnenden, betreute zuletzt Kleinkinder in der Krippe der „Pusteblume“ und widmet sich nun den Drei- bis Sechsjährigen von 8 bis 14 Uhr.

Kinderzahl steigt monatlich um fünf bis auf 15 Ende März

Drei ukrainische Geschwister aus dem Schelmenholz sowie zwei deutsche Kinder und ein in Deutschland geborenes Mädchen mit indischen Eltern aus Hungerberg/Adelsbach bilden die momentane Gruppe, die sich quasi täglich verändert. Mal sind welche krank, mal kommen neue hinzu, mal ziehen welche wieder weg. „Wir hatten schon mal zehn, werden aber bis Ende März um die 15 Kinder haben“, vermutet Daniela Teichmann. Von der Betriebserlaubnis her dürften es sogar 20 sein, aber trotz Handstandüberschlag, man muss es nicht übertreiben. „Die kleine Gruppe macht vieles für schüchterne, entwicklungsverzögerte oder auch traumatisierte Kinder leichter“, sagt Daniela Teichmann.

Das große Plus in Bezug auf die ukrainischen Eltern ist ihre Kollegin Oksana Zubkova. Sie stammt aus der Ukraine, war dort auch Erzieherin, ging nach dem Sprachkurs aber gezwungenermaßen nochmals auf die Schule (der ukrainische Abschluss wurde nicht anerkannt) und machte ihren deutschen Erzieherinnen-Abschluss. Die 46-Jährige findet es gut, dass sie noch mal von vorn anfangen musste. „Es machte Spaß und hat mir die Eingliederung in die Gesellschaft erleichtert“, sagt sie. Fünf Jahre nach ihrem zweiten Berufsstart leistet sie den geflüchteten Eltern wertvolle Hilfe, hilft bei der Arztsuche, übersetzt beim Aufnahmegespräch.

Wer flüchtet, wer bleibt? Große Herausforderung für die Planer

Seit Ende November 2022 ist der Interims-Kindergarten in Betrieb. Für Verzögerungen sorgten unter anderem Brandschutzbedingungen wie der Einbau einer Fluchttüre. Aber das eigentliche Problem für die Stadt ist, den Bedarf an Plätzen überhaupt einschätzen zu können, wie Amtsleiter Thomas Pfeifer erläutert: „Viele der Geflüchteten, die nach Winnenden kamen, konnten schnell durch private Initiativen oder durch städtische Angebote untergebracht werden.“ Da der rechtliche Status der aus der Ukraine geflüchteten Menschen, vor allem Frauen und Kinder, jedoch ein anderer ist als der von Asylbewerber/-innen, ist für Pfeifers Team die Planung, „wann, wo, wie viele Kinder in Kindertageseinrichtungen und Schulen betreut werden sollen, schwierig“. Am schnellsten, weil ohne Betriebserlaubnis des Kommunalverbands für Jugend und Soziales möglich, war die Schaffung der Spielgruppe in Kooperation mit der Paulinenpflege im Sommer 2022 (wir haben berichtet). „Nach den im Frühjahr des vergangenen Jahres vorliegenden Zahlen des Amts für Soziales, Senioren und Integration waren zwischen 20 und 25 Kinder im Kindergartenalter aus der Ukraine in Winnenden gemeldet – dies entspricht etwa einer ganzen (zusätzlichen) Kindergartengruppe“, führt Pfeifer weiter aus.

Die Prognose hat sich nicht erfüllt, es sind weniger Ukrainer da als gedacht

Da diese aus Kapazitätsgründen nicht in den vorhandenen Kindergärten aufgenommen werden konnten, zudem nicht abzusehen war und ist, wie lange die Kinder in Winnenden bleiben, sollte ihnen gleichwohl ein normaler Kindergarten mit sechs Stunden Betreuungszeit angeboten werden. So beschloss der Gemeinderat schon im Mai, die ehemalige „Kinderstube“ zu reaktivieren. Aber nicht nur für geflüchtete Kinder, sondern als gemischte Gruppe. „Dadurch soll den Kindern, die vom Krieg in der Ukraine geflohen sind, einerseits die Möglichkeit geboten werden, mit anderen Kindern in ihrer Sprache zu sprechen, wie auch die deutsche Sprache zu erlernen.“

Als endlich der Umbau des 1995 erstmals als Kindergarten in Betrieb gegangenen Gebäudes erfolgt war und die Betriebserlaubnis vorlag, waren mehrere Kinder, die für diese Gruppe angemeldet waren, gar nicht mehr in Winnenden wohnhaft, sagt Thomas Pfeifer. „Andere Kinder konnten die notwendige ärztliche Untersuchung nicht nachweisen, da es schwierig war, in einer Kinderarztpraxis einen Termin zu bekommen. Bei einzelnen Kindern fehlte die Masernimpfung, ohne die eine Aufnahme in die Kita nicht möglich ist.“ Doch peu à peu kommen nun die Kinder hinzu, denen „nach jetzigem Stand bis zum Sommer 2023 allen ein Kindergartenplatz angeboten werden kann“.

Für zusätzliche Kindergartenplätze, hauptsächlich wegen geflüchter Ukrainer, macht die Stadt Winnenden derzeit Handstandüberschlag: Wer hätte gedacht, dass ins rote Holzhaus an der Hungerbergstraße 8, dem früheren Waldorfkindergarten, doch noch einmal eine Gruppe einziehen wird? Das Provisorium soll aber, so verspricht es Familien-Amtsleiter Thomas Pfeifer hoch und heilig, nicht von Dauer sein. „Sobald die Kita Adelsbach fertig ist, ich hoffe sehr, wie geplant im September dieses Jahres,

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper