Winnenden

Winnenden: Warum haben Markthaus, Friseur Kroiss und Giesser-Haus Baugerüste?

HausInnenstadt
Das Giesser-Haus an der unteren Marktstraße: Erste Dachsanierung seit 1910. © Gaby Schneider

Ganz schön auffällig: Drei stadtbildprägende Gebäude in der Innenstadt sind von einem Gerüst und Planen oder Netzen verhüllt, werden offensichtlich saniert. Wir haben neugierig nachgefragt, was denn jeweils der Anlass ist.

Giesser-Haus, Baujahr 1910: Ökologische Überraschung unter den Ziegeln

An der unteren Marktstraße ist das Stammhaus der Familie Giesser seit 9. August eingerüstet. „Es ist 1910 gebaut worden, jetzt haben wir uns zur ersten Dachsanierung durchgerungen“, erläutert Dr. Jürgen Hägele, einer der fünf Eigentümer. Selbst für die Dachdecker war spannend zu entdecken, dass sich unter den Biberschwanzziegeln eine ökologische Strohdämmung befand. „Die haben wir belassen und einfach eine weitere Dämmschicht aufgesparrt, bevor die Ziegel wieder draufkamen“, berichtet der Augenarzt von dem Unterfangen, das ringsum auch neue Blechabdichtungen nötig gemacht hat. Die Eigentümergemeinschaft hofft, dass die Bauarbeiten vor Weihnachten beendet sind.

Am eigentlichen Aussehen hat die Sanierung nichts verändert. Die frisch aufgetragene gelbe Fassadenfarbe zwischen den in Sandstein gerahmten Fenstern strahlt nun aber wieder satter und fröhlicher. „Eine Außendämmung würde den Charakter des Hauses zerstören“, sagt Hägele, „das herrschaftliche Haus mit seinen Reliefs war damals ein absolutes Vorzeigeobjekt, und es ist auch heute noch schön.“ In den Wohnzimmern von zwei repräsentativ hohen Stockwerken sind Stuckdecken, und im Übrigen war es laut Hägele so lange das höchste Wohnhaus der Innenstadt, bis Familie Rienth das „Kaufhaus“ an der Wallstraße gebaut hat.

Trotz des Alters und der hohen Räume (2,75 Meter), sagt Jürgen Hägele, seien die Energiekosten relativ günstig. Die Fachwerkbalkenkonstruktion sei recht dick, ergänzt von modernen Isolierglasfenstern. „In meiner Praxis habe ich die Räume vor einiger Zeit von innen gedämmt, das merkt man aber auch.“ Geheizt wird mit Öl, weil der Brenner erst zehn Jahre alt ist.

Verwaschenes Violett am Viehmarktplatz ist passé

Dort, wo sich die Gaststätte „Berglesbahnhof“ am Viehmarktplatz befand, steht heute ein wuchtiger Vertreter der 1980er Jahre. Der rechteckige Riegel an der Schorndorfer Straße 4 gehörte zuletzt der Metzger-Familie Bader, inzwischen hat ihn Klaus-Martin Pfleiderer gekauft. Zusammen mit dem Hof dahinter, der nun mit einem 16-Familien-Haus bebaut ist, das ins Eigentum anderer übergegangen ist. Eine klassische Nachverdichtung, wie beim Mehrgenerationenhaus auf dem Gelände des ehemaligen Farrenstalls.

An der Schorndorfer Straße 4 Verbesserungen an Dach und Fenstern

Und warum wird der alte Komplex gerade jetzt saniert? „Ich will den langjährigen Mietern etwas Gutes tun“, zählt Klaus-Martin Pfleiderer Friseur Kroiss, Gerstenlauer-Büromöbel, Zahnarzt Dr. Querling, PC-Service und Bodyfitness auf. Oben befinden sich außerdem zwei Wohnungen. Und auch die Bewohner im Neubau dahinter sollen für lange Zeit nicht mehr mit Staub und Krach belästigt werden. Das Gebäude sei von seiner Projektbaufirma pünktlich fertiggestellt worden, es fehlten nur noch Restarbeiten am Außenbereich. „Daher wollte ich den Eigentümern und Mietern auch bald optisch einen schöneren Anblick bieten.“

An der Klotzform ändert die laufende Baustelle zwar nichts, doch die verwaschene violette Fassadenfarbe ist passé. „Ja, herrlich, dieser damals moderne lila Ton“, sagt Besitzer Klaus-Martin Pfleiderer ironisch, „ich lasse das Gebäude jetzt in hellen Tönen streichen. Und der vorher mit Holz verkleidete Part bekommt eine aus heutiger Sicht schicke und moderne Alufassade in Anthrazit.“ Das dunkle Grau finde sich dann auch in den Eingangselementen wieder.

Er hofft, dass noch vor Weihnachten das Gerüst vom vorderen Gebäude Schorndorfer Straße 4 weg kann, die Arbeiten somit fertig sind. „Ich habe innen auch den Öltank entfernen lassen, der vordere und der hintere Bau sind nun an die Fernwärme angeschlossen. Außerdem sind vom Altbau die Fenster verbessert worden und auch das Dach bekam einen höheren Energiestandard.“ Auch das ist also ein wichtiger, wenn nicht sogar der wichtigste Grund für die Altbausanierung.

Das jüngste Gebäude mit Gerüst in der Innenstadt ist das Markthaus

Das Markthaus zwischen Marktstraße und Brunnenstraße ist 2006 fertiggestellt worden. Manch einer wundert sich, dass hier nach 16 Jahren schon wieder gearbeitet werden muss. „Das ist im Rahmen“, sagt hingegen der Hausverwalter Frank Ritschek. „Es hat technische wie optische Gründe. Die Westfassade zur Marktstraße hin hat insbesondere von den Fensterlaibungen her Risse bekommen und ist auch nicht mehr sehr ansehnlich.“ Daher habe die Eigentümergemeinschaft, rund 60 Partien, erstmals 2019 beschlossen, einen Teil der Fassade sanieren zu lassen. „Das waren zwei Giebel oberhalb vom Rewe-Supermarkt am Adlerplatz, sie sind ebenfalls stark dem Wetter ausgesetzt“, sagt Ritschek. Dazu kommt, dass die Gebäude keinen schützenden Dachvorsprung haben. Da aber in Risse Feuchtigkeit eindringen kann, würde bei Frost bald der Putz wegplatzen. Das vermeidet eine rechtzeitige Sanierung.

Im Oktober und November 2022 wurde der Fassadenteil über Juwelier Kunze und Domenica-Moden gerichtet. Er ist nun wieder glatt verputzt und rissfrei. Diese Woche beginnen weitere Arbeiten über der Bäckerei Maurer und bei Tchibo. Zwei neue Gerüste und Planen werden also die Marktstraße im Bereich des Markthauses für die nächsten Wochen prägen. „Wir haben extra den Weihnachtsmarkt abgewartet und hoffen jetzt, dass es nicht so sehr kalt wird, damit Putz und Farbe trocknen. Dann könnte die Sanierung vor Weihnachten fertig sein“, sagt Frank Ritschek.

„Es gibt keinen Sanierungsplan“, sagt Verwalter Ritschek noch, „die Eigentümergemeinschaft, zu der auch die Gewa und die Stadt Winnenden gehören, entscheidet über weitere Maßnahmen, wenn irgendwo weitere Risse entdeckt werden.“

Etwa 50 000 Euro kosten die Erhaltungsarbeiten dieses Jahr. „Gefördert wird das nicht, es ist ja keine energetische Sanierung“, so Ritschek. Die brauche das Markthaus auch nicht: „Es wurde im KfW55-Standard gebaut, mit gut gedämmten Fenstern und Vollwärmeschutz“, sieht der Verwalter die große Wohn- und Geschäfts-Immobilie mit Fernwärmeversorgung „energetisch sehr gut aufgestellt.“

Nächste Sanierung angekündigt: Die Fassade der Stadtkirche

Vergangene Woche haben etliche Parkplatzmieter der Evangelischen Kirchengemeinde übrigens einen Brief bekommen. Die enorm lädierte Fassade der Stadtkirche soll ab Januar erneuert werden, für das Gerüst und die Baumaterialien wird Platz benötigt. Einige Mieter behalten dem Vernehmen nach Stellplätze, anderen, wie unserer Zeitung, wird der Mietvertrag bis voraussichtlich Oktober 2023 gekündigt.

Ganz schön auffällig: Drei stadtbildprägende Gebäude in der Innenstadt sind von einem Gerüst und Planen oder Netzen verhüllt, werden offensichtlich saniert. Wir haben neugierig nachgefragt, was denn jeweils der Anlass ist.

Giesser-Haus, Baujahr 1910: Ökologische Überraschung unter den Ziegeln

An der unteren Marktstraße ist das Stammhaus der Familie Giesser seit 9. August eingerüstet. „Es ist 1910 gebaut worden, jetzt haben wir uns zur ersten Dachsanierung durchgerungen“,

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