Winnenden

Winnendens Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth zu Kita-Plänen: „Klimaschutz ist hier keinem egal“

Holzwarth
Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth. © Gabriel Habermann

Der Gemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen, für die neuen Kitas Koppelesbach und Adelsbach Kosten zu sparen und deshalb keine „Plus-Energie-Gebäude“ zu planen, sondern Gebäude nach KfW-55-Standard. Die Winnender Zeitung hat dazu zwei Artikel veröffentlicht (am 1. Oktober „Die teuerste Kita von Winnenden“ und am 2. Oktober den Kommentar „Der aufgeweichte Klimaschutz“). In einer E-Mail an unsere Redaktion erklärt Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth die Entscheidung und nimmt Stellung zur Berichterstattung der Winnender Zeitung.

„Für die beiden neuen Kitas Koppelesbach und Adelsbach hat der Gemeinderat die Vorplanungen mit der Zielsetzung, 15 Prozent Einsparungen für die Planungen zu erreichen, mehrheitlich genehmigt“, schreibt Holzwarth. Dazu sollen statt der zwei geplanten „Plus-Energie-Gebäude“ sogenannte „KfW-Effizienzgebäude 55“ entstehen. Der KfW-Effizienzgebäude-55-Standard sei bei öffentlichen Baumaßnahmen der höchste staatlich geförderte Standard. Er beschreibe einen Primärenergiebedarf von 55 Prozent gegenüber Referenzgebäuden von 2009. Ein Plus-Energie-Gebäude habe jedoch ein ganz anderes Ziel, so Holzwarth. Durch eine eigene Energieerzeugung entstehe nach Abzug des Verbrauchs eine positive Bilanz. „Sprich, es wird mehr Energie erzeugt als bezogen. Wie hoch der Verbrauch gegenüber einem Referenzgebäude ist, ist dabei aber quasi egal. Weiter existiert auch keine allgemein akzeptierte Definition oder Norm für das Plus-Energie-Haus“, heißt es in Holzwarths Stellungnahme weiter.

Entscheidung „noch keine fixe Zusage für den Klimaschutz-Beitrag“

Von daher sei die Einsparvorgabe, die vom Gemeinderat mehrheitlich durch den Verzicht auf den Plus-Energie-Standard formuliert wurde, noch keine fixe Aussage für den erreichten Beitrag zum Klimaschutz. „Nur die Frage, ob bei den beiden Kita-Gebäuden durch einen hohen baulichen Aufwand und eine örtliche Energieerzeugung ein bilanzierter Energie-Überschuss entstehen soll, wurde mit Nein beantwortet. Die beiden Kitas werden also schon mit der höchsten geförderten Effizienz für kommunale Gebäude entstehen können - eben im KfW-Effizienzgebäude-55-Standard“, schreibt der Oberbürgermeister.

Kommen doch Fotovoltaik-Anlagen?

Damit sei auch noch nicht das letzte Wort über eine mögliche Fotovoltaik-Anlage bei beiden Objekten gesprochen. Je nach Ergebnis der Einsparbemühungen sei zu sehen, ob diese noch im Budget wären und sich rechnen. Diese Frage werde dem Gemeinderat nach der Überarbeitung der Pläne zur abschließenden Entscheidung vorgelegt. „Klar ist, dass es hier nicht um eine Glaubensfrage ,Pro oder contra'-Klimaschutz geht, sondern um eine sachgerechte Abwägung im Rahmen der Belange des Klimaschutzes, der Finanzen und der kommunalpolitischen Belange. Sowohl die Befürworter der Plus-Energie-Planung als auch die Befürworter der KfW-Effizienzgebäude-55-Planung im Gemeinderat haben hierbei beste Absichten. Der Klimaschutz ist hier keinem egal“, endet die Stellungnahme des Oberbürgermeisters.