Winnenden

Winnender Imker erklärt: Was tun, wenn man einen Bienen-Schwarm entdeckt?

Schwarmfang
Wolfgang Groß kehrt den Bienenschwarm von einem Lindenast in eine Kiste. © Benjamin Büttner

Um 16 Uhr ging am Montag bei Wolfgang Groß der erste Alarm der Saison ein: Ein Bienenschwarm hängt in einem Baum in Breuningsweiler. Meistens rufen Bürger, die eine Traube mit Bienen in Büschen oder Bäumen, im ungünstigen Fall auch in der Garage oder einem offenen Schuppen entdecken, Polizei oder Feuerwehr. „Das ist auch okay, in Winnenden ist dort meine Nummer hinterlegt“, sagt der erfahrene Imker. Er lässt sich gerne für solche Einsätze rufen und verliert dabei nicht viel Zeit. „Es ist wichtig, dass es schnell geht, sonst zieht der Schwarm weiter, oder die Bienen sind irgendwann zu schwach.“ Wie genau Wolfgang Groß beim Fangen vorgeht, wem der Schwarm gehört und ob man mit Stichen rechnen muss, erläutern wir hier.

Geht von einem Bienenschwarm Gefahr aus?

Nein. Es handelt sich dabei um 10 000 bis 15 000 Bienen und eine Königin. Sie fliegen aus dem Stock in einen Baum hinaus. Von dort aus suchen Spürbienen eine neue Bleibe. Bienen stechen in der Regel nur, wenn man vor ihrem Stock hin- und herrennt oder sie mit den Fingern oder Füßen quetscht. Der Schwarm hat aber andere Sorgen, als seinen Stock zu verteidigen. Wer allergisch gegen Bienengift ist, muss aber besonders auf sich aufpassen. Wolfgang Groß trägt zur Sicherheit einen Schutzschleier, weil Stiche im Gesicht ganz schön wehtun und das Auge zuschwellen kann. Das muss ja nicht sein.

Warum haut die alte Königin ab?

Weil das etwa 50 000 Bienen zählende Volk entschieden hat, junge Königinnen aufzuziehen. Es ist der natürliche Vermehrungsprozess dieser Insekten. Wenn die junge Königin geschlüpft und nach dem Begattungsflug zurückgekehrt ist, übernimmt sie die Regentschaft im Restvolk. Da eine Bienenkönigin mehrere Jahre lebt, ist es möglich, dass ein gefangener Schwarm wieder zu einem Bienenvolk heranwächst und überwintern kann.

Gibt es bestimmte Schwarmzeiten?

Ja. Generell sind es das Frühjahr und der Frühsommer von Mitte April bis Ende Juni. In dieser Zeit wächst jedes Bienenvolk stark an, die nur sechs Wochen lebenden Sommerbienen ziehen die Brut auf und werden am Ende ihres Lebens Nektar- und Pollensammlerinnen. Bei uns hat während der fünf sehr kalten Tagen („Eisheilige“) vergangene Woche die Schwarmlust zugenommen, weil die Bienen kaum ausfliegen konnten und kein Platz war, noch mehr Brut anzulegen und zu füttern. Also grob gesagt: Sobald es eng wird im Kasten, denkt das Volk über eine Teilung nach. Sie legen dann besondere Brutzellen an, füttern die Larven mit besonderem selbstgemachtem Saft (Gelee Royale) und sobald die Larve sich beginnt zu verpuppen, zieht der erste Schwarm aus. Meistens an einem Schönwettertag zwischen 10 und 15 Uhr. Der eigentliche Auszug dauert aber nur rund 15 Minuten.

Wem gehört der Bienenschwarm?

Eigentlich dem Imker, dem er entwischt ist. Doch wenn er sich nicht gleich kümmert, darf auch ein anderer Imker den Schwarm fangen und behalten. Imker dürfen für diesen Zweck sogar fremde Grundstücke betreten. Die lange Tradition der Bienenhaltung spiegelt sich in den genauen Regelungen dazu im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB), in den Paragrafen 961, 962, 963 und 964.

Wie geht der Imker vor?

Wolfgang Groß hat am Montag eine Leiter an die Linde in Breuningsweiler gelehnt, ist mit dem Wassersprüher hochgestiegen und hat die Bienen besprenzt, damit sie nicht zu arg umherfliegen. Dann kletterte er mit einem Handbesen in der rechten Hand und mit seiner Schwarmfangkiste in der linken erneut hoch. Die Kiste ist super zu halten, weil sie einen Stiel hat. Dann versucht Groß, möglichst viele Bienen auf einmal in die Kiste zu wischen. Wären die Bienen locker von einem Ast heruntergehangen, hätte er auch ein paar Mal beherzt auf das Holz hauen können, die Traube mit der Königin in der Mitte wäre in die Kiste gefallen. In Breuningsweiler war das Geschäft etwas mühsamer.

Schwarmfang
In der Kiste hockt nach dem Abkehren der Schwarm mit Königin – die restlichen Bienen, die aufgeflogen waren, wandern zu ihr hinein durch das rötlich-gelb angemalte Loch. © Benjamin Büttner

Dann kommt ein Deckel drauf, der ein vergittertes Loch hat. Die Königin kommt nicht mehr raus, aber alle Bienen, die noch umherfliegen, hinein. Sie riechen ihre Chefin, wollen zu ihr. Nach einer Weile macht Groß das Loch zu, packt ihn ins Auto und setzt auf seinem Grundstück den Schwarm wieder in einen richtigen Bienenkasten mit Futter und Rähmchen zum Wabenbauen.

Wo melde ich mich, wenn ich einen Schwarm entdecke?

Wolfgang Groß wohnt in Leutenbach, hat Bienenvölker in Berglen und Winnenden und ist einer von mehreren Bienensachverständigen im Bienenzüchterverein Winnenden und Umgebung. Unter www.bienenzuechterverein.winnenden.de und den Kontakten findet man Telefonnummern. Unter Schwarmboerse.de kann man auf Schwärme hinweisen oder sich als Fänger registrieren lassen.