Winnenden

Winnender kämpfen für Fahadou Gani

Fahadou
Reimar Krauß und Hans-Jörg Munz engagieren sich beim Freundeskreis Flüchtlinge für Fahadou Gani (von links). © Palmizi / ZVW

Winnenden. „Es ist ein Skandal“, sagt der evangelische Pfarrer Reimar Krauß: Der Asylbewerber Fahadou Gani hatte einen Arbeitsplatz, zahlte Miete für ein kleines Zimmer an der Brunnenstraße, das er sich mit anderen teilt. Er kam für seinen Lebensunterhalt und seinen Zahnersatz auf. Doch er darf nun nicht mehr arbeiten, weil sein Asylverfahren abgelehnt wurde.

Seit drei Monaten liegt Fahadou Gani (36) wieder dem Steuerzahler auf der Tasche - gezwungenermaßen. „Eigentlich will er das nicht und müsste es auch nicht“, sagt Pfarrer Krauß. Gani lebt seit fünf Jahren in Winnenden, war geduldet und hatte ein Jahr lang Arbeit, was für viele Asylbewerber überhaupt nicht einfach ist.

Sein Chef lobte seine Sorgfalt und Genauigkeit

Bei Schwaben-Druck, dem Betrieb von Jürgen Kamm, der 50 Prozent Schwerbehinderte und auch Flüchtlinge beschäftigt. Dort lernte Fahadou Gani mit der Siebdruckmaschine umzugehen. Kam ein T-Shirt-Druckauftrag, holte er die Rohware aus dem Regal, bearbeitete die Drucksiebe fachgerecht, zog die T-Shirts auf und ab, bediente die Duckautomaten.

Sein Chef Florian Wurst lobte in einem Zwischenzeugnis seine Sorgfalt, seine Genauigkeit, die sichere Beherrschung seiner Aufgaben. „In Herrn Gani haben wir einen gewissenhaften, selbstständigen und zuverlässigen Mitarbeiter“, schreibt Wurst über den „freundlichen und fleißigen“ Mann.

Dolmetscher übersetzt Unsinn

Seit die Ablehnung des Asylverfahrens gilt, ist Fahadou Gani arbeitslos. Schwaben-Druck darf ihn nicht mehr beschäftigen. Reimar Krauß und der frühere Lehrer am Georg-Büchner-Gymnasium, Hans-Jörg Munz, aktiv beim Freundeskreis Flüchtlinge, sind wütend und fest entschlossen, den Kampf für Ganis Bleiberecht aufzunehmen.

Sie sind wütend und sprechen von Skandal, weil die Einschätzung der Person Ganis und ihrer Fluchtgründe durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) sich überhaupt nicht mit ihrem Wissen über Fahadou Gani deckt: „Wir kennen seit Jahren einen ganz anderen Menschen als in den Akten beschrieben“, sagt Hannes Munz.

Die beiden Winnender ahnen auch, wie das kam, und bedauern, dass der 36-Jährige immer allein bei den Anhörungen war. „Fahadou erzählte zwar, dass der Dolmetscher einen anderen togoischen Dialekt sprach als er – Kotokli. Die Unterschiede zwischen den Dialekten sind groß, und in Französisch, der Amtssprache, fühlte er sich für die Vernehmung auch nicht sicher genug.“

Narben: Verletzungen an Körper und Seele

Hannes Munz erklärt die fatale Folge des falschen Dialekts: „Der Dolmetscher hat Fahadou falsch übersetzt. Oft werden Vernehmungen deshalb abgebrochen, hier offenbar leider nicht.“ In seinem dicken Ordner blättert Hannes Munz hin und her, entdeckt lauter Unstimmigkeiten über Leben und Flucht seines Bekannten.

„Es heißt in den Akten, er sei nur ein kleines Licht im Widerstand gegen die togoische Regierung, ihm drohe keine Gefahr.“ Fahadou Gani redet auf einmal mit: „Ich habe mit der Politik Probleme. Die Polizei hat mich geschlagen, ich habe Narben, die Zähne sind mir ausgeschlagen worden.“ Dann verstummt er wieder.

Neuer Asylantrag und eine Klage gegen das Land

„Er hat brutale Gewalt in seinem Land erlebt“, übernimmt Pfarrer Krauß, „er hat eine posttraumatische Belastungsstörung.“ Bei seinen Vernehmungen sei Fahadou Gani daher auch nicht aufgestanden und habe gegen den falschen Dolmetscher protestiert.

Seit der Ablehnung ist Fahadou Gani erst recht depressiv. Der kleine Mann sitzt mit nach vorne hängenden Schultern und mit traurigem Blick am Tisch in unserem Redaktionsbesprechungszimmer. „Er hat wirklich Probleme, entspannt zu sein oder zu lächeln“, weiß Hannes Munz. „Auf die Arbeit freute er sich immer, auch weil er dann sein enges Zimmer verlassen konnte.“

Leben im Ungewissen

Reimar Krauß geht das Schicksal des Mannes nahe: „Vor zehn Jahren hat er sein Land verlassen, seitdem lebt er im Ungewissen – wer kann da sein Leben zimmern, sich konzentrieren? Die allermeisten Flüchtlinge, die ich kenne, geben sich trotzdem so viel Mühe!“

Der frühere Lehrer und der Pfarrer sind absolut sicher, dass das Asylverfahren zu Unrecht abgelehnt worden sei, und dass sie Gani helfen müssen. „Fahadou erhebt nun Klage gegen das Land Baden-Württemberg.“ Außerdem legt er ein medizinisch-psychiatrisches Gutachten vor, auf dessen Grundlage er einen neuen Antrag auf Asyl stellt.

Den Platz in der Psychiatrischen Institutsambulanz zur Behandlung seines Traumas hat er schon. Ohne diese Schritte, bei denen ihm auch die frühere Suchtklinik-Chefin Birgid Weller enorm geholfen hat und hilft, hätte Fahadou Gani die sofortige Abschiebung gedroht.

Zweimal Kuchenverkauf auf dem Markt

  • Der Freundeskreis Flüchtlinge Winnenden und Leutenbach sammelt Spenden, um Fahadou Gani weiter unterstützen zu können.
  • Die IBAN lautet DE35 602 500 100 007 003 024. Empfänger: Evangelische Kirchengemeinde Winnenden. Bitte als Verwendungszweck Freundeskreis Flüchtlinge, Fahadou Gani angeben. Bis 200 Euro gilt der Kontoauszug als Spendenbescheinigung, wer mehr geben will und eine braucht, schreibe seine Adresse in den Verwendungszweck oder der Kirchengemeinde.
  • Der Erlös von zwei Kuchenständen des Freundeskreises auf dem Winnender Wochenmarkt soll außerdem in die abschließende Zahnbehandlung von Fahadou Gani fließen, derzeit fehlen noch 2700 Euro. Der erste Kuchenverkauf ist übermorgen, Samstag, 10. Juni, sowie in drei Wochen, am Samstag, 1. Juli.