Winnenden

Winnender nimmt in zwei Jahren über 100 Kilo ab

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Der Dicke wird immer dünner_0
Michael Wast hatte einen BMI (Body-Mass-Index, deutsch: Körpermasseindex) von 67. Ab einem Wert von 50 spricht man von Lebensgefahr. © ZVW/Gaby Schneider
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Michael Wast (li.) im Jahr 2014 mit Sebastian Werner (m.) und Peter Spataro (re.). © Benjamin Büttner

Winnenden. Im Sommer 2017 wog er noch unglaubliche 247,5 Kilogramm und damit knapp so viel wie ein kleines Klavier oder ein vollgetanktes Motorrad. Inzwischen hat er dank einer Magenverkleinerung über 100 Kilo abgenommen. Und Michael Wast reicht das noch nicht.

Ärzte haben ihn gewarnt, Freunde auf ihn eingeredet, die Familie an ihn appelliert. Doch Michael Wast wurde immer dicker und dicker. Heimlich ging er nachts zu einem bekannten Schnellrestaurant mit goldenem „M“, aß fünf bis sechs „Big Macs“. Alleine. Manchmal entschied er sich auch für die Pizzeria und bestellte dort eine 60 auf 40 Zentimeter große Party-Pizza und verspeiste sie. Alleine.

Beim Dönermann seines Vertrauens orderte er oft drei oder vier Kebabs auf einmal. Wovon normalerweise drei oder vier Personen satt werden, hat für Michael Wast gerade so gereicht. „Ich war fresssüchtig“, sagt der 44-Jährige über sich selbst. Richtig satt war er nach eigenen Angaben nie. Und das obwohl Wast bis zu seinem 30. Lebensjahr sportlich und schlank war. Er spielte Handball in der Oberliga, fuhr regelmäßig Mountainbike.

Dann bremste ihn eine psychische Erkrankung aus. Ein Burnout. Mit Wast ging es bergab, sein Gewicht aber stieg und stieg. Im ersten halben Jahr der Krankheit nahm er 50 Kilogramm zu. Seine Arbeit in einem Foodtruck, die er mittlerweile aufgegeben hat, trug ihr Übriges dazu bei.

Peinliche Momente im Flugzeug, Schwimmbad und Straßencafé

Viele peinliche Momente erlebte der Winnender aufgrund seines Übergewichts. Auf dem Rückflug eines Mallorca-Urlaubs hatte einmal die ganze Maschine Verspätung, weil Wast zwei Sitzplätze brauchte und deshalb alle anderen Fluggäste umverteilt werden mussten. Im Schwimmbad, das er seinen zwei Kindern zuliebe besuchte, zog er regelmäßig Blicke anderer Gäste auf sich. Einmal brach der Stuhl eines Straßencafés unter seinem Gewicht zusammen. „Niemand weiß so richtig wie es sich anfühlt, wenn man im Auto sitzt und der Gurt zum Anschnallen nicht um den eigenen Bauch reicht“, schildert Wast.

Der Klamotteneinkauf ging nur im Internet, denn es gibt keine städtischen Läden, die die Größe 8XL führen. „Diese Elefantengrößen sind dann schweineteuer und sehen bescheiden aus“, berichtet er. Geändert hat Wast an seinem Leben trotz aller Warnzeichen und Peinlichkeiten erst etwas, als ihm ein Arzt in einer Lungenfachklinik Ende 2017 die brenzlige Situation erklärte. „Ich war so dick, dass mein eigenes Gewicht mich im Schlaf quasi erdrückte. Pro Minute hatte ich teilweise bis zu 40 Atemaussetzer. Der Arzt sagte mir, dass ich im Laufe des Jahres 2018 sterben werde, wenn ich so weitermache.“

Das war kurz vor Heiligabend. Über Tage machte er sich Gedanken und entschied sich schließlich, sein Leben zu verändern. Am 6. Juni 2018 wurde er in einer Cannstatter Klinik, in der es spezielle Betten und OP-Tische für Schwergewichte wie Wast gibt, operiert – sein Magenvolumen auf die Menge, die in einen Joghurtbecher passt, reduziert.

Pizza und anderes Fast Food sind mittlerweile tabu

„Man schafft es erst mal nur, kleine Portionen zu essen, und gewöhnt sich dann daran. Wenn man mehr isst, dann kann sich der Magen allerdings auch schnell wieder ausdehnen“, erklärt Wast, der inzwischen dreimal täglich 50 bis 70 Gramm isst. „Der Arzt operiert nur den Körper, der Kopf muss die Veränderung auch wollen“, sagt er.

Vor allem eiweißhaltige Mahlzeiten nimmt er jetzt zu sich. „Ich esse mittlerweile viel Hochwertiges, wie zum Beispiel Garnelen.“ Zusätzlich ist er auf Nahrungsergänzungsmittel, Vitamine und Eisen angewiesen. Außerdem geht er seit der OP mehrmals pro Woche ins Fitnessstudio und einmal in der Woche zum Schwimmen. Auf Pizza und anderes Fast Food verzichtet er komplett.

„Hin und wieder esse ich einen Löffel Eis von meinen Kindern. Mehr aber nicht“, sagt Wast. Nach der OP nahm er vier bis fünf Kilogramm pro Woche ab, oder anders ausgedrückt: In elf Monaten wurde Wast zehn Hosengrößen schmaler. Sein Ziel: ein Gewicht von 100 Kilogramm. Aktuell wiegt er 124,5, bei einer Körpergröße von 1,91 Meter. „In einer weiteren OP kommt irgendwann dann noch die überschüssige Haut weg“, sagt Wast, was bei ihm noch einmal zehn bis 15 Kilo ausmache.


Doku des SWR

Der SWR hat eine Dokumentation mit dem Titel „Michael will nicht fett sein“ über Wast gedreht, die im Internet unter www.swrmediathek.de zu finden ist.

Wast geht mit seinem Lebenswandel an die Öffentlichkeit, weil er anderen helfen möchte. „Ich habe auch nie so richtig gewusst, an wen ich mich wenden und wie ich meine Probleme in den Griff bekommen kann“, sagt er. Per Facebook oder Whatsapp kontaktieren ihn immer wieder Leute und fragen um Rat.