Winnenden

Winnender Psychotherapeutin: Seit Corona trauen Leute sich eher, Probleme anzusprechen

ImpfungPsychotherapeutin
Dr. med. Christiane Kauffmann in ihrer Praxis an der Wallstraße. Links im Bild: Therapiehund Milo. © Gaby Schneider

Die Corona-situation mit Quarantäne, wenig Kontakten, abgesagten Freizeitveranstaltungen und der Sorge vor einer Ansteckung belastet die Menschen. Psychotherapeuten sind gefragter denn je. Das weiß Dr. med. Christiane Kauffmann, die seit Oktober eine Psychotherapiepraxis an der Wallstraße führt. Anlaufschwierigkeiten hatte sie nicht. Im Gegenteil. „Ab September war die Homepage online, am 1. Oktober hatte ich direkt 20 Termine. Ende Oktober war es dann so, dass der Terminkalender voll war“, erinnert sich Kauffmann. Wer jetzt einen Termin vereinbaren möchte, der muss bis zu einem Dreivierteljahr warten. „Der Bedarf ist immens. Bei den Kollegen sieht es ähnlich aus“, weiß sie.

„Wer sich gerade so durchhangeln konnte, kam durch Corona an seine Grenzen“

Laut einer Auswertung der Bundespsychotherapeutenkammer von über 300.000 Versichertendaten für das Jahr 2019 warten rund 40 Prozent der Patienten mindestens drei bis neun Monate auf den Beginn einer Behandlung, wenn zuvor in einer psychotherapeutischen Sprechstunde festgestellt wurde, dass sie behandelt werden müssten. Das war vor der Corona-Pandemie. Inzwischen hat sich die Situation noch einmal drastisch verschärft. „Durch Corona gibt es viel mehr Bedarf an Behandlungen. Wer sich bis zur Pandemie gerade so durchhangeln konnte, kam durch Corona an seine Grenzen. Viele suchen erstmalig nach einem Psychotherapeuten“, hat Christiane Kauffmann festgestellt.

Patienten trauen sich nicht mehr aus dem Haus, aus Sorge sich mit dem Virus zu infizieren. „Sie sind unsicher und vereinsamen“, sagt Kauffmann. Es entstehen Ängste, die laut der Psychotherapie oft zu Depressionen führen. Wie hilft die gebürtige Kölnerin ihren Patienten? „Der Rat kommt sehr auf die jeweilige Person an“, antwortet sie. Ein Mittel ist beispielsweise Sport. „Es gibt Studien dazu, die besagen, dass Sport wie ein Antidepressivum wirkt“, erzählt Kauffmann. Das Problem: Sport in Gruppen war ebenfalls eine Zeit lang nicht erlaubt, Fitnessstudios geschlossen. „Das hat besonders Personen betroffen, die sowieso schon einsam waren. Sie hatten aber immerhin noch ihren Sport“, berichtet die Therapeutin. „Für solche Patienten ist eine Isolation verheerend“, sagt Kauffmann klar. Glücklicherweise haben Sportangebote im Internet zugenommen, sodass zumindest Kontakte über die Videokamera möglich waren.

In der Praxis an der Wallstraße wird auch gegen Corona geimpft

Um einigen Menschen mehr Sicherheit im Alltag zu bieten, hat Christiane Kauffmann entschieden, in ihrer Praxis auch Impfaktionen durchzuführen. „Damit die Leute, die verunsichert sind, sich eher wieder raustrauen und soziale Kontakte erleben“, erklärt Kauffmann. Da sie in ihrer Praxis kein Personal beschäftigt, hat sie für die Impfaktionen Unterstützung ihrer Tochter und von einer befreundeten Internistin erhalten. Von ihren Patienten hat sich bei ihr niemand impfen lassen. „Umgekehrt war es allerdings so, dass teilweise nachgefragt wurde, ob nicht auch ein Platz zur Psychotherapie verfügbar ist“, berichtet die Therapeutin. Wenn man so will, dann ist das ein positiver Effekt der Pandemie. „Dadurch, dass diese psychisch anstrengende Zeit so oft in den Medien ist, wurde für viele die Hürde niedriger. Die Leute trauen sich eher, ihre Probleme anzusprechen“, hat Kauffmann festgestellt.

Vom Alter sei bei ihren Patienten von 20-Jährigen bis ins höhere Alter alles dabei. Eine Therapiesitzung dauert 50 Minuten. „In der Woche kommen etwa 30 Patienten zu mir“, erzählt Christiane Kauffmann. Auch Gruppensitzungen sind möglich. Mit dabei ist dann meistens auch Therapiehund Milo, ein Kleinpudel. Er hat eine spezielle Ausbildung hinter sich. „Hunde merken ganz genau, wenn etwas nicht stimmt. Sie lassen sich vom Äußeren oder von Worten nicht täuschen“, erzählt die Therapeutin. Wenn ein Hund dabei ist, geht er bei Patienten mal auf Distanz, mal weicht er ihnen nicht von der Seite. „Das hat etwas Beruhigendes“, sagt Christiane Kauffmann.

Die Corona-situation mit Quarantäne, wenig Kontakten, abgesagten Freizeitveranstaltungen und der Sorge vor einer Ansteckung belastet die Menschen. Psychotherapeuten sind gefragter denn je. Das weiß Dr. med. Christiane Kauffmann, die seit Oktober eine Psychotherapiepraxis an der Wallstraße führt. Anlaufschwierigkeiten hatte sie nicht. Im Gegenteil. „Ab September war die Homepage online, am 1. Oktober hatte ich direkt 20 Termine. Ende Oktober war es dann so, dass der Terminkalender voll war“,

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