Winnenden

Winnender VHS-Chef Andreas Frankenhauser frustriert: Raumnot bleibt bestehen

FrankenhauserA2
Volkshochschulleiter Andreas Frankenhauser vor der Außenstelle im ehemaligen Notariat an der Wiesenstraße 10. © Ralph Steinemann Pressefoto

Der Traum ist geplatzt. Die Stadt Winnenden wird im Neubau auf dem Kronenplatz keine Büroräume für die Volkshochschule (VHS) mieten. Das hat der Gemeinderat mehrheitlich in nichtöffentlicher Sitzung beschlossen, weil die drei Bauherren den gesamten Komplex an einen Dritten verkaufen werden. So wurde es Mitte Mai verkündet, und so gelangte es in dürren Sätzen in die Zeitung. Andreas Frankenhauser, Leiter der Volkshochschule, erzählt, wie das bei ihm und seinen Kolleginnen ankam: „Es kam für uns völlig überraschend, und es hat das Team frustriert.“

Schon bei seiner Vorvorgängerin, Sybille Mack, mittlerweile Kulturamtsleiterin der Stadt, standen neue, für die verschiedenen Anforderungen angemessen große und vor allem barrierefreie Räume auf der Wunschliste ganz oben. Für Sprach- und Integrationskurse, die der Bund bezahlt, braucht die VHS zum Beispiel Platz für mindestens 15 Leute. Das ist in den Zimmerchen im Alten Rathaus nicht umsetzbar. „Der Vortragssaal im Erdgeschoss ist unser bester Raum hier“, betont Frankenhauser.

Im Alten Rathaus fehlen ein Empfang, Unterrichtszimmer für mindestens 15 Personen und Aufzüge

„Sybille Mack hat vor fast zehn Jahren ein Raumkonzept erstellt, das 800 Quadratmeter am Kronenplatz vorsieht“, so der VHS-Chef, der 2020 seinen Job antrat. Die zentrale Lage hätte er als ideal empfunden, auch weil „die Volkshochschule die Innenstadt belebt. Wir haben Publikumsbetrieb, Tausende von Teilnehmern, die Woche für Woche kommen“. Umso bitterer findet er, dass die Fachbereichsleiterinnen mit Hallen, Vereinsräumen, abends auch Schulräumen und „mit verschiedenen Provisorien jonglieren“, um ihr Angebot umfangreich und bedarfsgerecht zu machen. Er seufzt: „Leider ist die Raumnot eine Konstante in 75 Jahren VHS Winnenden.“

Negativ am Kronenplatz war nur die auf 2,50 Meter festgetackerte Raumhöhe, für Gesundheitskurse zu niedrig. Aber es hätte einen Aufzug gegeben und einen neuen Grundriss, bei dem man eine Art Empfangstresen einrichten kann. „Schauen Sie sich auf dem Flur im Alten Rathaus um, wenn Sie die enge Treppe in den ersten Stock hochkommen. Sie wissen nicht, wohin.“ Rechts, links, oder noch eine Treppe rauf? Oder in dem schmalen Durchlass die halbe Treppe runter? Links und rechts vom Gang sind geschlossene Türen. Schilder sind eine Notlösung.

Außenstelle Wiesenstraße 10: In der abgelegenen alten Baracke riecht es modrig und es ist laut

Zweimal fiel nun bereits das Wort zentral, und wenn Andreas Frankenhauser nun „nach vorne schaut“ und die neue Perspektive Wiesenstraße 10 anschaut, dann kann er seinen Zorn noch immer nicht ablegen, denn dort muss er wieder eine Kröte schlucken: „Der Standort ist abgelegen, wir sind die letzten Heuler, wenn ich mir die guten, zweckmäßigen Räume der Volkshochschule in Waiblingen, Fellbach und Schorndorf ansehe.“

Den einstöckigen Fertigbau aus den 1960er Jahren, in dem jahrzehntelang das Notariat untergebracht war, teilt sich die Außenstelle der Volkshochschule mit dem Deutschen Roten Kreuz, das dort die „Kleiderkammer“ betreibt. „Wenn man das Gebäude betritt, schlägt einem ein muffig-modriger Geruch entgegen“, darüber klagt Frankenhauser, darüber klagten schon die Notare. Und wenn die Kursleiter, auch wegen Corona, lüften wollen, müssen sie ihren Unterricht unterbrechen. „Der Verkehr vor dem Fenster und der Bauhof gegenüber sind einfach zu laut.“ Letztlich, bremst sich Frankenhauser selber ein, „sind wir aber froh um alles, was wir kriegen können“. Nur wann die Baracke abgerissen wird, weiß niemand.

OB Holzwarth stellt Neubau "mit einem Dritten" zusammen in Aussicht, BM Sailer kann nichts Näheres sagen

Von der Wiesenstraße 10 war gar nicht in öffentlicher Sitzung gesprochen worden, Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth brachte sie per Zuruf an die Zeitung ins Spiel just in dem Moment, als wir Mutmaßungen anstellten, wo denn die neue VHS sein könnte. „Mit einem Dritten wollen wir einen Neubau realisieren“, sagte er am Telefon. Wann und wie groß und mit wem, da ist noch überhaupt nichts spruchreif, sagt auf Nachfrage Bürgermeister Norbert Sailer, der die Bauressorts unter sich hat.

„Wir werden uns ab sofort nach Räumen auf dem privaten Mietmarkt umsehen, die wir für Gesundheitskurse umbauen können. Die Hermann-Schwab-Halle werden wir nicht mehr nehmen, denn sie ist an fünf bis acht von 15 Terminen gesperrt wegen anderer Veranstaltungen. Da vertreiben wir die Kundschaft.“ Auch darüber ist Frankenhauser not amused. Genug gute Kursleiter hätte er, um die Gesundheitskurse, das zukunftsträchtigste Angebot, aufzustocken.

Der Traum ist geplatzt. Die Stadt Winnenden wird im Neubau auf dem Kronenplatz keine Büroräume für die Volkshochschule (VHS) mieten. Das hat der Gemeinderat mehrheitlich in nichtöffentlicher Sitzung beschlossen, weil die drei Bauherren den gesamten Komplex an einen Dritten verkaufen werden. So wurde es Mitte Mai verkündet, und so gelangte es in dürren Sätzen in die Zeitung. Andreas Frankenhauser, Leiter der Volkshochschule, erzählt, wie das bei ihm und seinen Kolleginnen ankam: „Es kam für

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper