Winnenden

Winnender vor Amtsgericht Waiblingen: Nachbarn mit Pfefferspray attackiert?

Amtsgericht zu
Symbolfoto. © Benjamin Büttner

Mit zwei voneinander unabhängigen Anklagen hat sich ein 57-jähriger Winnender konfrontiert gesehen, der im Waiblinger Amtsgericht Richterin Basoglu-Waselzada gegenüberstand: eine Attacke mit Pfefferspray auf seine Nachbarn und die Beleidigung einer Mitarbeiterin des Winnender Rathauses. Gegen Ende der Verhandlung kam es fast zum Tumult.

Die Nachbarn geraten schon seit vielen Jahren immer wieder aneinander

Auslöser für den ersten Zwischenfall im August 2020, der zu dem Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung führte, waren drei eigentlich völlig unschuldige Hunde. Den Hintergrund bildete allerdings ein Nachbarschaftsstreit, der – so einer der in der mündlichen Verhandlung auftretenden Zeugen – seit gut einem Dutzend Jahren schwelt und immer wieder zu Ausbrüchen führt, mit denen sich dann auch Polizei und Justiz zu beschäftigen haben. Die Akten darüber füllen mittlerweile einen recht beachtlichen Ordner.

Am Abend des 21. August jedenfalls, berichtete der Angeklagte, habe er sich mit seiner Hündin auf den Weg machen wollen, um seine Tiere zu versorgen. Er habe den Hund am Halsband zum Auto geführt, als die Enkeltochter des Nachbarn von gegenüber mit ihrem Verlobten und ihren beiden Hunden vorbeispaziert gekommen sei. Daraufhin sei seine Hündin aus dem Halsband geschlüpft und auf die Spaziergängergruppe zugerannt. Er habe das Tier zurückgerufen, sei ihm nachgegangen, habe es festgehalten und in sein Auto eingeladen.

Auf den „Leinenpflicht!“-Ruf folgen wechselseitige Beschimpfungen

In der Zwischenzeit sei aber der Nachbar, mit dem er sich schon so lange im Clinch befindet, zusammen mit seiner Frau auf die Straße gekommen. „Leinenpflicht!“, habe der Nachbar gerufen. Ein Wort habe das andere ergeben, wechselseitig seien Beschimpfungen hin und her gegangen, und deshalb sei er schließlich ins Auto eingestiegen und wollte wegfahren.

Dass damit allerdings der Zwischenfall nicht beendet gewesen sei, berichteten der Nachbar, seine Frau und deren Enkelsohn, der das Geschehen vom Haus der Großeltern aus beobachtet haben will. Aus seinem Auto heraus habe der Angeklagte aus einem circa fünf Zentimeter hohen und circa einen Zentimeter dicken schwarzen zylinderförmigen Behälter zweimal etwas auf das ungefähr drei Meter entfernt auf der Straße stehende Ehepaar gesprüht.

Handelte es sich um eine Pfefferspray-Attacke?

Pfefferspray? Sie hätten noch bis zum nächsten Morgen ein Brennen in den Augen, in Mund und Nase gespürt, berichteten jedenfalls die 76 und 74 Jahre alten Eheleute. Sofort nach der Attacke seien sie nach Winnenden zur Polizei gefahren und hätten Anzeige erstattet.

Der Verlobte der Enkeltochter, der bei Demonstrationen als Rettungssanitäter mit Pfefferspray schon Erfahrung gesammelt hat, meinte dagegen, an dem Ehepaar nicht den typischen Geruch bemerkt zu haben, den dieser Kampfstoff auf der Haut und in der Kleidung hinterlässt.

Nach einem ausgedehnten, zwischen der Richterin, dem Staatsanwalt und dem Verteidiger lautstark ausgetragenen Rechtsgespräch hinter verschlossenen Türen verkündete Richterin Basoglu-Waselzada, das Verfahren wegen des Vorwurfs der Körperverletzung werde eingestellt.

Verurteilt wurde der Angeklagte jedoch zu einer Geldstrafe von 300 Euro wegen des zweiten Vorwurfs, Beleidigung, der ebenfalls in dieser Sitzung verhandelt wurde.

Auch mit dem Winnender Rathaus liegt der Angeklagte offenbar im Clinch

Er habe im September des vergangenen Jahres eine 54-jährige Mitarbeiterin der Stadtverwaltung Winnenden beleidigt, mit der er seit 2018 eine Fehde austrägt und mit der er immer wieder aneinandergerät, weil sich die Stadt bisher weigert, eine von ihm ausgestellte Rechnung in Höhe von 1800 Euro für Baumfällarbeiten zu bezahlen.

Nach Aussage der Frau habe er sie von seinem Schlepper herunter als „Drecksau“ beschimpft, als sich ihre Wege auf einem Feldweg kreuzten.

Ein Zeuge, der die städtische Mitarbeiterin bei ihrem Außentermin begleitet hatte, gab an, sogar noch schlimmere Beschimpfungen gehört zu haben. Er sprach von einem „Ausflug in die Fäkalsprache“. Unabhängig von der Vorgeschichte des Streites mit der städtischen Mitarbeiterin, so die Richterin, müsse der Angeklagte, der drei Vorstrafen wegen Beleidigung hat, verurteilt werden. „Es ist nie richtig, jemanden zu beleidigen und sich unangemessen zu verhalten“, so die Richterin.

Tumultartige Szenen nach dem Ende der Verhandlung

Zu tumultartigen Szenen kam es im Gerichtssaal noch gegen Ende der Verhandlung, als der Angeklagte den Staatsanwalt persönlich anging, ihn beschimpfte und ihm vorwarf: „Sie lassen sich von den falschen Leuten vereinnahmen!“ Von einem Gerichtsdiener wurde er mit sanfter Gewalt daran gehindert, noch während der Verhandlung den Gerichtssaal zu verlassen. „Ich bin stolz darauf, dass mein Hof eine nazifreie Zone ist!“, stellte der Angeklagte in seinem Schlusswort in den Raum – was auch immer das zu bedeuten hatte.

Mit zwei voneinander unabhängigen Anklagen hat sich ein 57-jähriger Winnender konfrontiert gesehen, der im Waiblinger Amtsgericht Richterin Basoglu-Waselzada gegenüberstand: eine Attacke mit Pfefferspray auf seine Nachbarn und die Beleidigung einer Mitarbeiterin des Winnender Rathauses. Gegen Ende der Verhandlung kam es fast zum Tumult.

Die Nachbarn geraten schon seit vielen Jahren immer wieder aneinander

Auslöser für den ersten Zwischenfall im August 2020, der zu dem Vorwurf

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