Winnenden

Winnenderin sorgt für Sommerbräune auf der Fashion Week

_UE_6089_0
Dieser Bronzeton ist im Spray von Iris Gehr. Der wird nach sechs Stunden abgewaschen. Dann nämlich ist die Reaktion in der obersten Hautschicht abgelaufen und die Haut hat sich gebräunt. © Ramona Adolf

Winnenden. Eine Winnenderin auf der Fashion Week in Berlin! Das ist doch was. Und nicht nur dort tummelt sich Iris Gehr. Diverse Promis gucken auch gern bei ihr vorbei. Trotzdem ist ihr Metier sehr diskret, und das nicht nur bei Reichen und Berühmten, sondern auch bei Frau Müller und Herrn Maier, die ebenfalls regelmäßig kommen. Iris Gehr sorgt für den schönen Teint.

Die Sache mit der Schönheit ist, na ja, so eine Sache. Jeder begehrt sie. Aber keiner mag zugeben, dass derselben ein wenig oder auch ein wenig mehr nachgeholfen wird. Und drum könnte Iris Gehr jetzt einen Namen nach dem anderen fallenlassen – alle bekannt, alle in den bunten Blättchen – aber, sagt sie, sie darf nicht. Sie hätt’ sofort so richtig Ärger an der Backe.

Zarte Sonnenbräune aus dem Fläschchen

Die Backe wäre aber wenigstens gekonnt gebräunt. Denn Iris Gehr widmet sich dem Teint. Dem frischen, erholten, kurz dem, der ausstrahlt: Mir geht’s gut, ich bin gesund, ich bin erfolgreich. Iris Gehr verkauft zarte Sonnenbräune. Die allerdings kommt aus dem Fläschchen. Nicht aus Röhren mit UV-Strahlung und auch nicht vom Himmelsgestirn.

Mit dem Sprühnebel Feueralarm auf der Fashion-Week ausgelöst

Vor einem Jahr hat Iris Gehr mal einen veritablen Feueralarm ausgelöst. Das war bei ihrer Fashion-Week-Premiere in Berlin. Dieses Jahr ist ihr das nicht mehr passiert. Damals aber sollte sie dort hundert Models sommerfrisch machen und hatte noch keine Schutzvorkehrungen getroffen. Wenn Iris Gehr bräunt, spürt die Haut einen Hauch von Kühle. Das war’s. Allerdings liegt doch ganz schön was in der Luft: Iris Gehr bräunt mit Sprühnebel. Der setzte in Berlin dann die Sirenen in Gang. Die Technik ist durchaus vergleichbar mit dem letzten Schliff in der Autowerkstatt: Airbrush, und zwar so, dass kein Zentimeter Haut vergessen wird, aber auch keiner eine Schicht zu viel abbekommt. Schließlich will hier niemand wie ein Dalmatiner rausmarschieren. Deshalb auch immer an die Stelle hinter den Ohren denken!

Nur ein Hauch Farbe

In ihrem Sprühnebel ist aber, sagt sie, nur ein Hauch Farbe drin. Hochglanzlackiert kommt also keiner bei ihr raus. Der zarte Schimmer ist dafür da, dass erstens sie selbst sieht, wo sie schon gearbeitet hat. Und dass der Blick in den Spiegel nach erfolgter Behandlung nicht zur Frage führt, ob diese 38 Euro wirklich gut angelegtes Geld waren.

Wirkstoff ist auch in der Küche beliebt

Tatsächlich aber ist’s der Rest der Lotion, der die Bräunung ausmacht. Das Ganze heißt „Maillard-Reaktion“. Die ist auch in der guten Küche sehr beliebt. Es geht um den Wirkstoff DHA. Ausgeschrieben und auf Deutsch heißt der „Docosahexaensäure“ und gehört zu den Omega-3-Fettsäuren. Dieser Wirkstoff reagiert mit Aminosäuren und lässt das Essen dann erstens schön bräunen und zweitens richtig lecker werden. Brotkrusten, Röstzwiebeln oder Sonntagsbraten profitieren von diesem Vorgang.

Jetzt sollen die Models auf der Fashion Week keinesfalls mit Grillhähnchen verglichen werden. Iris Gehr wehrt sich explizit gegen Piz-Buin-Gesichter. Innenminister Thomas Strobl, beteuert sie, gehört nicht zu ihren Kunden, obwohl er wirklich immer sehr sonnengeküsst ausschaut.

Kontraste bei Weißfleckenkrankheit schwächen

Die Maillard-Reaktion macht sich ihre Lotion dennoch zunutze und zwar auf der Hautoberfläche. Deshalb dauert der Erfolg auch sechs Stunden. Dann erst ist der nicht abwaschbare Bronze-Schimmer installiert. Die Haut kann nur so braun werden, wie’s der eigene Körper hergibt. Schokobräune ist bei blonden Bleichgesichtern also nicht zu erwarten. Aber Iris Gehr kann – und, sagt sie, da wunderten sich sogar die Hautärzte – Menschen helfen, die unter der sogenannten Weißfleckenkrankheit leiden. Dort, wo die Pigmente verschwinden und weiße Inseln hinterlassen, gibt Iris Gehr besonders viel Wirkstoff drauf. Die Maillard-Reaktion läuft ab, die verschiedenen Tönungen gleichen sich zumindest an, Kontraste werden schwächer. Sonnenbrandgefahr droht dabei nicht.

Auch Männer nutzen die Sprühbräune-Behandlung

Wer allerdings nach zwei, drei Wochen noch so frisch aussehen will wie kurz nach der Behandlung, muss erstens wiederkommen und zweitens zwischendrin ganz schön was tun. Wie heißt das alte Sprichwort: Wer schön sein will, muss leiden. Dem „Leiden“ würde Iris Gehr mit Sicherheit vehement widersprechen. Aber Abschrubbeln nach dem Duschen ist nicht. Nachcremen dafür regelmäßig. Übrigens: Es sind nicht nur Frauen, die zu Iris Gehr kommen. Gerne lassen sich Männer, die Golf oder Tennis spielen, im Frühjahr die blassen Beine aufhübschen. Sieht einfach besser aus in kurzen Hosen. Und in diesem Zusammenhang ein dickes Lob an Iris Gehr: Sie sorgt für Gerechtigkeit. Bei ihr nämlich wird das ausgeglichen, was beim Friseur seit jeher und trotz des gesetzlich verankerten Gleichberechtigungsparagrafen den Frauen angetan wird: Bei Iris Gehr müssen die Männer mehr zahlen. Anders als beim Friseur aber hat sie eine gute Begründung: Die vielen Haare verbrauchen einfach zu viel Wirkstoff.

Selfmade-Woman

Iris Gehr hat vor gut zehn Jahren in einem kleinen Kellerstudio begonnen.

Damals war’s auch noch ein anderes Produkt als heute. Doch gesprüht hat sie von Anfang an.

Die Kunden kamen zahlreich und sogar aus 100 Kilometer Entfernung.

Inzwischen hat sie ein Schulungscenter in Baden-Baden und über 50 Studios in Deutschland, Österreich und der Schweiz, wo in ihrem Namen gesprüht wird.

Außerdem einen Exklusiv-Vertrag mit jenem französischen Hersteller, dessen Lotionen dafür sorgen, dass die Sonne überflüssig wird.

Iris Gehr bräunt inzwischen die Models auf der Fashion Week und der Fashion meets Art in Berlin, außerdem auf der Secret Fashion Show in München.