Winnenden

Wohin im Notfall? Notdienst und Notaufnahme unter einem Dach

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Ein Schild in der Eingangshalle des Rems-Murr-Klinikums Winnenden weist den Weg zum chirurgisch-orthopädischen Notdienst der niedergelassenen Ärzte. Archivbild. © Leticia Sprunck

Winnenden. Knie verrenkt oder Fuß verstaucht? Akuter Hexenschuss oder Verbandswechsel fällig? Der Weg zum chirurgisch-orthopädischen Notdienst führt seit diesem Wochenende direkt ins Klinikum Winnenden. Damit ist ein erster Schritt für die räumliche Integration der Notfallpraxis der niedergelassenen Ärzte und der Notaufnahme des Krankenhauses getan.

Für die leidgeplagten Patienten in der Notaufnahme des Klinikums Winnenden gibt es Hoffnung: Im Februar 2017 ziehen auch die Hausärzte aus dem Gesundheitszentrum ins Klinikum um. Für Dr. Maren Benkowitsch handelt es sich schlicht um eine „Win-win-win-Situation“. Nicht nur die niedergelassenen Ärzte in der Notfallpraxis und im Klinikum gewinnen durch die räumliche Integration, vor allem aber werden die Patienten von der Zusammenlegung profitieren. Denn sie finden künftig einfacher zu dem Arzt, der sie am besten – und vor allem am schnellsten behandelt. Schätzungsweise 40 bis 50 Prozent der Patienten, die in die Notfallambulanzen der Krankenhäuser kommen, haben dort im Grunde nichts zu suchen. Das besagen zumindest Studien, die Maren Benkowitsch aus ihrer Erfahrung als Chirurgin und Notärztin nur bestätigen kann. Sie ist kommissarische Leiterin der Notfallaufnahme im Klinikum Winnenden.

Dr. Klaus Schatton: „Wir machen die Laufkundschaft“

Viele Patienten mit weniger schweren Erkrankungen oder Blessuren sind in den Notfallpraxen und Notdiensten der niedergelassenen Ärzte besser aufgehoben. Die Folgen waren in den vergangenen eineinhalb Jahren in der Notaufnahme zu besichtigen: Notstand in der Notaufnahme. Viel zu lange Wartezeiten – auch für die schwer erkrankten Patienten. „Wir machen die Laufkundschaft“, sagt Dr. Klaus Schatton, der Weinstädter Arzt, Orthopäde und Unfallchirurg, über die Arbeitsteilung zwischen dem ärztlichen Notdienst der niedergelassenen Ärzte und der Notaufnahme des Krankenhauses.

Klassische Behandlungen im chirurgisch-orthopädischen Notdienst sind verstauchte Knöchel und verdrehte Knie, akute Rückenschmerzen und die Versorgung kleinerer Wunden. Auch ein Verbandswechsel, der über das Wochenende fällig ist, gehört zum Aufgabengebiet des Chirurgen oder Orthopäden, der an den Wochenenden und an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr Dienst hat. Sollte sich der Fall doch als schwerwiegender als zunächst gedacht erweisen, ist der Weg in die Notaufnahme nicht weit. Sie liegt über dem Gang. Schon in der Eingangshalle des Klinikums weist ein Schild den Weg: Geradeaus geht es in die Notaufnahme, nach links zum chirurgisch-orthopädischen Notdienst.

„Wir sind froh, dass sich unsere Wünsche erfüllen“, sagt Dr. Klaus Schatton über den Umzug ins Klinikum. Aktuell werde der chirurgisch-orthopädische Notdienst von 20 bis 35 Patienten am Tag besucht. Durch die verlängerten Öffnungszeiten, nämlich jetzt von 10 bis 18 Uhr, erwartet er einen deutlichen Schub.

Umgekehrt hofft Maren Benkowitsch, dass sich der Wartesaal in der Notaufnahme leert und sich die viel zu langen Wartezeiten verkürzen. Rund 45 000 Patienten sind im vergangenen Jahr in der Notaufaufnahme behandelt worden. Tendenz steigend. Im ersten Quartal waren es schon neun Prozent mehr als im Vorjahr. Dass so viele Patienten gleich ins Krankenhaus gehen, habe nicht nur damit zu tun, dass viele Patienten nicht zwischen der Notfallpraxis und der Notaufnahme unterscheiden können. Es sei ein gesellschaftliches Phänomen, dass im Internetzeitalter alles schnell und sofort passieren muss. Auch die Behandlung beim Arzt.

Das Problem mit überquellenden Notaufnahmen teilt das Klinikum mit vielen Krankenhäusern in Deutschland. Es ist nicht zuletzt ein finanzielles Problem für die Kliniken. Die Pauschale von 32 Euro je Patient deckt die Kosten nicht, sagte Marc Nickel, der Geschäftsführer der Rems-Murr-Kliniken, als er die Neuorganisation samt Umbau der überlasteten Notaufnahme ankündigte. Im Februar 2017 soll es so weit sein: Dann ziehen auch die Hausärzte mit ihrem Notdienst ins Klinikum um und ermöglichen einen Notdienst und die Notaufnahme unter einem Dach im Raum Winnenden.

Wohin im Notfall?

Außer dem Notdienst in Winnenden gibt es drei weitere Notfallpraxen im Rems-Murr-Kreis, die am Abend und an den Wochenenden für die Patienten der niedergelassenen Ärzte zuständig sind.

Notfallpraxis im Gesundheitszentrum Backnang, Stuttgarter Straße 107, Öffnungszeiten: An Werktagen: 18 Uhr bis 22 Uhr. Samstag, Sonntag und an Feiertagen: 8 Uhr bis 23 Uhr, ) 0 71 91/3 43 55 33 (auch für Hausbesuchsanforderung für nicht gehfähige Patienten).

Notfallpraxis im Gesundheitszentrum Schorndorf, Schlichtener Straße 105, Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag: 18 Uhr bis 7 Uhr. Wochenende: Freitag 14 Uhr bis Montag 7 Uhr. Feiertage: 18 Uhr bis 7 Uhr, ) 0 71 81/9 93 03 30.

Notfallpraxis Waiblingen, Alter Postplatz 2, Öffnungszeiten: Samstag, Sonntag und an Feiertagen von 8 Uhr bis 20 Uhr., ) 0 71 51/90 60 90

Notfallpraxis im Gesundheitszentrum Winnenden, Am Jakobsweg 2, Öffnungszeiten: Montag, Dienstag und Donnerstag: 18 bis 7 Uhr am Folgetag, Mittwoch: 14 bis 7 Uhr, Wochenende: ab Freitag, 14 Uhr, durchgehend bis Montag, 7 Uhr. Feiertag: durchgehend bis 7 Uhr am Folgetag, ) 0 71 95/9 79 79 00. Der chirurgisch-orthopädische Notdienst ist seit diesem Wochenende ins Klinikum umgezogen.

Kinderärztlicher Notfalldienst am Rems-Murr-Klinikum Winnenden, Am Jakobsweg 1. Für Notfälle ist die Kinder- und Jugendmedizin am Klinikum Winnenden rund um die Uhr geöffnet. Bereitschaftszeiten der niedergelassenen Kinder- und Jugendärzte in den Ambulanzräumen der Kinder- und Jugendmedizin: Montag bis Donnerstag: 18 bis 8 Uhr am Folgetag. Wochenende: Freitag 18 Uhr bis Montag 8 Uhr, Feiertage: vom Vortag ab 18 Uhr bis 8 Uhr am darauffolgenden Werktag, ) 0 71 95/5 91-3 70 00

Zahnärztlicher Notdienst: ) 07 11/7 87 77 44

Allgemeiner Notfalldienst: ) 11 61 17.

Augenärztlicher Notdienst: ) 0 18 06/07 14 10

Informationszentrale gegen Vergiftungen: ) 02 28/1 92 40

Hals-Nasen-Ohren-Ärzte: ) 0 18 05/00 36 56.

Die Öffnungszeiten des chirurgisch-orthopädischen Notdienstes im Klinikum Winnenden sind samstags, sonntags und feiertags 10 bis 18 Uhr.