Winnenden

Wohnwagen und Dixiklos, alte Trampoline und Wasserfässer sollen weg von Wiesen in Winnenden, Schwaikheim und Leutenbach

Aussenbereich_Trampolin
Das Aufstellen von großen Spielgeräten wie Trampolinen oder auch Schaukeln ist nicht gestattet. Die Befestigung einer Schaukel an einem Baum ist jedoch möglich, schreibt die Stadt Winnenden. © Stadt Winnenden

Es gehört zu den Absurditäten unseres Lebens: Ich darf mir hier eine Baumwiese oder eine Wiese ohne Bäume für zwei Euro den Quadratmeter kaufen und dort im Baumarkt eine Gartenhütte, eine Pergola, eine Schaukel, ein Trampolin und alles, was ich für ein Hochbeet brauche, von der Kiste bis zum Regenwasserauffangtank. Fertig ist das Freizeitvergnügen? Die Kinder spielen, während ich mein Gemüse für den Selbstverbrauch großziehe? So dachten viele, so handeln viele. Doch das Dumme ist, dass fast alle diese Nutzungen auf einem Wiesengrundstück in freier Landschaft nicht erlaubt sind. Wenn man sich aber nicht aktiv danach erkundigt hat, sondern denkt, was am Haus erlaubt ist, wird es auf meinem Grundstück schon auch sein, ist falsch gewickelt.

Für Hunderte von Wiesenbesitzern auf den Markungen der Gemeinden Schwaikheim, Leutenbach und der Stadt Winnenden bedeutet dieser Irrglaube gerade einiges an Ärger. Das Baurechtsamt des gemeinsamen Verbands der drei Kommunen verlangt, dass die „Wiesenmöblierung“ wieder verschwindet. Wir stellten dem Baurechtsamt Fragen, die Pressesprecherin Emely Rehberger nach Rücksprache beantwortet hat, und wir befragten auch den Umweltreferenten der Stadt, Jürgen Kromer, zum Thema.

Wie viele Beanstandungen wurden vor einigen Wochen verschickt?

Etwa 300. Die Bestandsaufnahmen finden gebietsweise auf allen Markungen und nach und nach statt. Derzeit sind in Leutenbach drei Gewanne betroffen, in Schwaikheim vier und in Winnenden sechs. Gegen neu errichtete unzulässige bauliche Anlagen auf allen Gemarkungen geht der Gemeindeverwaltungsverband jedoch sofort vor, ebenso gegen Wohnwagen, Bauwagen und Ähnliches, die sich auf Grundstücken im Außenbereich befinden.

Was sind die kritischsten Bauten? Eher geplättelte Sitzplätze oder geschotterte Zufahrten?

Alle im Außenbereich unzulässigen baulichen Anlagen sind von der Beanstandung betroffen. Also Gartenhäuser und Hütten, die größer als 20 Kubikmeter sind. Oder wenn mehrere Gebäude auf einer Wiese stehen. Auch befestigte Terrassen mit und ohne Überdachung, Grillkamine, Gewächshäuser, Zäune oder Hecken, vermehrt auch Wohnwagen, Bauwagen müssen wieder entfernt werden. Nur in ausgewiesenen Gartenhausgebieten sind gemäß dem dort geltenden Bebauungsplan hingegen meistens Gartenhäuser, Zäune und Hecken möglich.

Worin besteht denn der Unterschied zwischen einer erlaubten Hütte und einer nicht erlaubten, Herr Kromer?

Eine Geschirrhütte unter 20 Kubikmeter Raumvolumen dient lediglich der Aufbewahrung der Geräte, die für die Bewirtschaftung des Grundstücks erforderlich sind. Eine Geschirrhütte dient nicht dem Aufenthalt auf dem Grundstück. Eine bestimmte Flächengröße des Grundstücks für die Errichtung einer Geschirrhütte gibt das Gesetz aber nicht vor.

Was hält das Baurechtsamt von den Spielgeräten?

Spielgeräte aller Art finden sich ebenfalls immer häufiger auf den Außenbereichsgrundstücken (häufig auf Streuobstwiesengrundstücken). Es sind ebenfalls bauliche Anlagen, die grundsätzlich nicht außenbereichsverträglich sind. Nur Baumschaukeln sind zulässig, ebenso werden Spielgeräte für Kinder bis 14 Jahren geduldet.

Dies ist ein Kompromiss, der bei der ersten Beanstandungswelle unter anderem am Waiblinger Berg geschlossen wurde. Was ist mit der Duldung verbunden?

Sofern das jüngste Kind oder Enkelkind das 14. Lebensjahr noch nicht vollendet hat und der Eigentümer oder Pächter damit einverstanden ist, wird eine sogenannte „gebührenpflichtige Beseitigungsanordnung mit Verzicht auf die sofortige Vollziehung“ erlassen. Das heißt, das Spielgerät kann vorerst bleiben, muss aber umgehend abgebaut werden, sobald das jüngste Kind oder Enkelkind das 14. Lebensjahr vollendet hat. Ansonsten sind die Spielgeräte sofort zu beseitigen.

Wer schon seine ersten Versuche mit Gemüseanbau, Beerensträuchern oder auch attraktiven Obstsorten hinter sich hat, der möchte seine Ernte gern vor Wildtieren und Spaziergängern mit Selbstbedienungsmentalität schützen. Sind Zäune dafür erlaubt?

Das Errichten von Zäunen und auch von Hecken im Außenbereich ist grundsätzlich nicht zulässig. Ausnahmen bestehen lediglich zugunsten land- und forstwirtschaftlicher Betriebe. Auch eine gärtnerische Nutzung (Hobby) rechtfertigt nicht die Errichtung eines Zauns. Bezüglich der Wasserbehälter ist der Gemeindeverwaltungsverband jedoch den Bürgern entgegengekommen: Ein bis zwei Regentonnen à 200 Liter oder ein bis maximal zwei Wassertanks à 1000 Liter werden toleriert. Sie müssen jedoch bepflanzt werden, und zwar mit Efeu oder einem heimischen Gehölz. Nicht mit Thuja, nicht mit Kirschlorbeer und auch nicht mit einem Nadelgehölz. Hier besteht wieder ein Unterschied zum kommunal definierten Gartenhausgebiet, wo sie meist zulässig sind.

Sind bei den jüngsten Beanstandungen auch abenteuerliche Gegenstände gesichtet worden, wie vor einigen Jahren am Waiblinger Berg die Yacht? Sind Wiesen mittlerweile zu günstigen Abstellplätzen verkommen?

Eine Yacht oder ein Boot kommt eher selten vor, häufiger sind Dixi-Toiletten und Wohnwagen.

Die Briefe sind schon längst verschickt, der erste Unmut der Betroffenen hat sich auch in Artikel und Leserbriefen in unserer Zeitung niedergeschlagen. Doch wie geht es weiter? Wann wird geprüft, ob der Anordnung Folge geleistet wurde?

In der Aufforderung, die unzulässigen baulichen Anlagen zu entfernen, wird eine Frist zur Beseitigung gesetzt. Nach Ablauf dieser Frist wird wieder eine Baukontrolle durchgeführt.

Herr Kromer, was sagen Sie als Umweltreferent den Familien, die es nicht verstehen wollen. Warum stört ein Trampolin die Natur?

Spielgeräte, ob nun Trampoline, Schaukelgerüste oder Ähnliches, gehören auf einen Spielplatz oder in einen Hausgarten, aber nicht in die freie Landschaft. Diese beginnt unmittelbar im Anschluss an das letzte Haus eines jeden Ortsteils. Der sogenannte Außenbereich ist, anders als ein Baugebiet, rechtlich nicht zur Bebauung bestimmt. Auch ein Trampolin ist eine bauliche Anlage, die in der freien Landschaft nicht zulässig ist. Es beeinträchtigt die natürliche Eigenart der Landschaft und ihren Erholungswert und damit auch öffentliche Belange. Für die Bodennutzung, zum Beispiel beim Streuobst-Anbau, und zur Erholungsfunktion hat es für die Allgemeinheit keine Bedeutung, es ist seiner Umgebung wesensfremd und wirkt darin als Fremdkörper.

Es gehört zu den Absurditäten unseres Lebens: Ich darf mir hier eine Baumwiese oder eine Wiese ohne Bäume für zwei Euro den Quadratmeter kaufen und dort im Baumarkt eine Gartenhütte, eine Pergola, eine Schaukel, ein Trampolin und alles, was ich für ein Hochbeet brauche, von der Kiste bis zum Regenwasserauffangtank. Fertig ist das Freizeitvergnügen? Die Kinder spielen, während ich mein Gemüse für den Selbstverbrauch großziehe? So dachten viele, so handeln viele. Doch das Dumme ist, dass fast

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