Winnenden

Wunnebad: Unisex-Sammelumkleiden spalten die Gemüter

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Bäderleiter Sascha Seitz am Eingang zu einer Sammelkabine: Vor allem für Familien, Vereine und Schulklassen gedacht. © Habermann / ZVW

Winnenden. Vor einem Jahr noch waren die Geschlechter strikt getrennt im Wunnebad: eine Gruppenumkleide für Frauen, eine für Männer. Jetzt ist umgebaut, und die beiden Gruppenumkleiden sind unisex, wie man so schön neudeutsch sagt, also für Männer und Frauen gleichermaßen. Manche Frau findet das unangenehm.

„Ich wollte mich gerade ausziehen, da kommt ein Mann in die Gruppenumkleide“, erzählt eine 56-Jährige aus Waiblingen, die sich früher immer in der Sammelumkleide für Frauen umzog, und das gerne, weil frau da noch ein bisschen miteinander plaudern konnte, und weil man unter Frauen war und es dort nicht so eng ist wie in den Einzelkabinen. Ahnungslos war sie nach dem Umbau der Umkleidekabinen wieder in die Gruppenumkleide gegangen, kommt plötzlich ein Mann herein, der nichts anhatte außer einem um die Hüften geschlungenen Handtuch. „Tschuldigen Sie, das ist hier für Frauen“, sagte sie zu dem mit Handtuch Beschürzten. „Da muss ich Sie belehren“, sagte der Mann, „das ist jetzt unisex.“ Er bleib und zog sich an. Der Frau war es unangenehm.

Manchmal alle Einzelkabinen belegt

Hinterher ging sie zum Schwimmmeister, der bestätigte: „Der Mann hat recht, das ist jetzt unisex.“ Die Waiblingerin kommt oft zum Schwimmen her und ist begeistert von den neuen Umkleidekabinen. „Wir wollen nicht nörgeln. Wir sind sehr zufrieden mit unserem Wunnebad“, sagt sie auch im Namen anderer Frauen, die sie regelmäßig in der Gruppenumkleide und im Schwimmbecken trifft: „Aber ich mag mich nicht gerne vor einem Mann umziehen.“ In ihrem Bekanntenkreis seien auch brustamputierte Frauen, die gerne in der Gruppenumkleide waren. Es sei schon schwierig. Und manchmal seien die Einzelkabinen alle belegt, so dass sie gerne in den Gruppenraum ginge.

Wo soll ein Vater mit Tochter und Sohn hin?

Aber den Fall gebe es ganz selten, sagt Bäderleiter Sascha Seitz auf Nachfrage: „Wir haben so viele Einzelkabinen, dass jede und jeder eine kriegt.“ Die Gruppenräume seien einerseits für Schulklassen und Vereinsgruppen gedacht, die sich dann selbst nach Geschlechtern aufteilen können. Und andererseits seien sie eben für Familien da, für einen Papa, der mit seiner Tochter und seinem Sohn zum Umkleiden geht. Wo soll der hin? Männerumkleide? Frauenumkleide? Da passt es vielleicht ganz gut, wenn nicht mehr nach Männlein und Weiblein getrennt wird.

Einzelkabinen für Mutter mit Kindern zu klein

Eine junge Frau eilt gerade aus der Gruppenumkleide heraus, neben ihr witschen ihre beiden Buben durch die Tür. Sie ist froh um den Großraum: „Einzelkabinen sind mit Kindern zu klein.“ Aber wie ist es, wenn jetzt ein Mann reinkommt, während sie sich umzieht? „Dass Männer auch reindürfen, ist ungewohnt. Ich fühle mich nicht wohl, wenn ein Mann reinkommt“, sagt Sandra Krauss aus Korb. Früher war es halt so, dass Väter ihre Töchter eben mit in die Männerumkleide genommen haben, solange die ganz klein waren. Das war kein Problem, erinnert sich zum Beispiel Stadtwerke-Aufsichtsrat Uwe Voral.

"Es wäre schön, wenn die Leute anklopften"

Am Montagvormittag treffen wir Frauen, die sich an der gemischten Umkleide nicht groß stören: „Unter Erwachsenen habe ich keine Probleme“, sagt die Winnenderin Gisela Diener, die fast jeden Tag ins Wunnebad geht. Sie geht auch in die gemischte Sauna, und dort ist das Nacktsein auch kein Problem. Einen Wunsch hätte sie allerdings für die Gruppenumkleide: „Es wäre schön, wenn die Leute anklopften, bevor sie hereinkommen. Dann kann man sich wegdrehen und etwas überwerfen. Dann geht das schon.“

Umkleiden kommen nicht bei allen schlecht an

Auch Christiane Weber aus Fellbach stört sich nicht an den Männern, die sich vielleicht in derselben Gruppenumkleide umziehen wie sie. Sie kommt damit klar. Ohnehin ist sie vom Winnender Bad sehr angetan: „Für mich ist das Wunnebad das schönste in der ganzen Gegend. Als das 50-Meter-Becken umgebaut wurde, habe ich andere Bäder besucht, und jetzt bin ich froh, dass hier wieder alles offen ist.“ Und wie findet sie die neuen Umkleiden? „Die sind erster Klasse. Sehr schön finde ich, wie das Grün mit dem Grau kombiniert ist.“


Die Umkleiden

Seit 25. September stehen die neuen Umkleiden den Wunnebadgästen zur Verfügung.

Wenn Schulklassen die Gruppenumkleiden nutzen, teilen die Lehrer sie in der Regel nach Mädchen und Buben auf. Die Lehrer bekommen Schlüssel für die Räume.

Für die Badegäste sind 300 abschließbare Spinde aufgestellt.

Zurzeit läuft das Wunnebad im Normalbetrieb ohne größere Baustellen. Im nächsten Jahr beginnt eine neue Baustelle: Stadtwerkeleiter Stefan Schwarz möchte die komplette Lüftungsanlage erneuern lassen.