Winnenden

Youtube-Videos gegen Ängste und Blockaden

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Matthius Hana und sein Youtube-Kanal Mr.Macher: Schon hat seine Angstüberwindungs-Aktion in Stuttgart Nachahmer gefunden. © Palmizi / ZVW
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Matthius Hana und sein Youtube-Kanal Mr.Macher: Schon hat seine Angstüberwindungs-Aktion in Stuttgart Nachahmer gefunden. © Palmizi / ZVW
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Video-Szene: Mr.Macher auf der Königstraße. © Palmizi / ZVW

Winnenden. Matthius Hana ist 26 Jahre alt. Sein Lebensthema sind Ängste und Blockaden. Verschiedene Wege probierte der Einzelhandelskaufmann bereits aus, um sie loszuwerden. Das jüngste Projekt sind Videos für seinen Youtube-Kanal. Als Mr.Macher fordert er sich selbst mit verrückten Aktionen heraus – und will damit auch anderen Menschen helfen.

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Würden Sie sich trauen, auf der Königstraße Lieder von Spongebob, der Figur aus dem Kinderkanal, zu singen? Matthius Hana hat’s gemacht, ein Ton schiefer als der andere, doch je länger er sang, desto beherzter. Kommentare wie „Der ist ja besoffen“ scherten ihn nicht die Bohne. Er sagt: „Ich habe mich anschließend freier in meinem Inneren gefühlt. Ich habe gemerkt, dass ich etwas zurückbekomme, wenn ich mich überwinde. Und die Meinung anderer ist mir nicht mehr wichtig.“

Als Zeitsoldat zur Bundeswehr

Von Kind auf war er von Ängsten blockiert. Zum Psychologen wollte er nie gehen. „Ich will nicht über meine Probleme reden und danach nur noch mehr Gedanken haben, die um mich kreisen, sondern etwas machen, ich will agieren.“ Ratgeber hat er allerdings schon jede Menge gelesen.

Mobbing von Mitschülern, sie hänselten ihn als „Fruchtzwerg“ und „Hasenzahn“, und Kritik von Freunden macht Matthius Hana für seine Komplexe verantwortlich. „Ich konnte mich nicht wehren, war verschlossen und hatte schließlich Angst, mich mit Menschen zu treffen.“ Nach der Hauptschule und der Ausbildung beschloss er, „kein Opfer mehr zu sein: Ich meldete mich freiwillig zur Bundeswehr.“

Die Selbsttherapie zeigte Wirkung

Es war 2011, die Wehrpflicht war abgeschafft, und Matthius Hana wollte sich dort „mental formen lassen“. Sein Motiv war, durch die strenge Behandlung zu wachsen, er wurde Zeitsoldat. „Vier Jahre lang hatte ich Dienst von 8 bis 16 Uhr, zweimal war ich als Dolmetscher im Oman bei einem Spezialeinheitentraining.“ Die Selbsttherapie zeigte Wirkung, nicht nur, weil er in der Wüste Ameisen essen musste, sondern auch, weil er sich in seiner Soldaten-Freizeit selbstständig machte: „Ich war im Finanzvertrieb und habe fremde Leute angequatscht, ob sie das nicht auch machen wollen.“ Später verlegte er diese Akquise von der Straße ans Telefon. „Viele sagten mir, sie würden gern mitmachen, aber dann kamen Ausreden. Ich merkte, die haben Blockaden, und vermutete, dass sie sie auch in anderen Alltagssituationen haben.“

Mit der Übung und dem Gehalt wuchs das Selbstbewusstsein

Inzwischen war es, auch wegen seines guten Verdienstes, der sein Selbstbewusstsein stärkte, „steil bergauf“ gegangen mit ihm. Er konnte „Leistung bringen, weil ich mich nicht mehr mit mir selbst beschäftigte“. Da er selbst gerne Youtube-Filme guckt, „in doppelter Geschwindigkeit, damit’s nicht so lang dauert“, kam er auf die Idee, eigene Videos auf die angesagte Videoclip-Plattform ins Internet zu stellen. Jeder kann dort kostenlos Videos anschauen, die andere eingestellt haben. „Es kostet auch mich nichts, nur Zeit“, sagt Matthius Hana.

Am Jahresanfang hat er ehrgeizig losgelegt und bis zu vier Videos pro Woche von sich veröffentlicht, in denen er seinen Zuschauern Mut machen will. „Künftig werde ich etwas weniger machen.“ Bisher haben zwar erst 854 Personen seinen kostenlosen Kanal abonniert, das ist verglichen mit den berühmten Youtubern, die zwischen zwei und zehn Millionen Menschen mit Videos von sich selbst erreichen, ein Witz.

Es geht nicht ums Berühmtwerden

Doch für den Mitarbeiter des Handyladens neben dem Glückskind geht es erst mal nicht ums Werbegeldverdienen oder Berühmtwerden. „Angst ist ein großes Thema, aber niemand spricht darüber. Und wenn ich eine große Geschichte sehe, muss ich auch den Menschen helfen.“

Anfangs hat er sich selbst zu Hause im Schelmenholz gefilmt. „Richtig ab ging’s aber erst, als ich verrückte Sachen gemacht habe, da haben die Leute die Videos auf Facebook und Instagram und so geteilt.“ Er zog sich ein rotes T-Shirt mit Aufschrift Mr.Macher an und fuhr mit einem Kumpel nach Stuttgart. Jener filmte und Matthius Hana legte sich auf den Boden, mitten in die Fußgängerzone zwischen Schlossbau und Schlossgarten. Manche Passanten guckten komisch, manche ignorierten ihn komplett. Freundlicherweise überrollte ihn niemand mit dem Fahrrad. „Nur eine Dame fragte, ob es mir nicht gutgeht. Ich sagte, ich will nur chillen, und sie ging weiter.“ Im Video blendet er später einen Text ein: „Meine Angst war, dass mich jemand übersieht. Meine Erkenntnis: Die Angst vergeht.“ Sein Fazit: „Mach es dir mit deiner Angst richtig gemütlich.“


Eine höhere Reichweite

Kennt Matthius Hana andere Youtuber aus Winnenden? „Nein, ich bin nur mit anderen vernetzt, deren Videos mir gefallen und die ich dann anrufe. Nachdem ich eine Weile gezögert und mich dann gezwungen habe“, ergänzt er grinsend.

Mit den anderen Youtubern in Berlin und Hamburg, die ein ähnliches Thema haben wie er, möchte er sich zusammentun. „Wenn wir uns gegenseitig empfehlen, bekommen wir mehr Reichweite.“ Ein weiterer Trick sei es, Prominente wie Boris Becker ins Video zu integrieren.

Youtuber aus dem Rems-Murr-Kreis, die eine höhere Reichweite als Mr.Macher haben, dürfen sich gerne bei uns melden: E-Mail an online@zvw.de