Winnenden

Zum ersten Mal zur Blutspende: Was muss ich beachten? DRK Winnenden klärt auf

Blutspende
Die eigentliche Blutspende dauert sechs bis zwölf Minuten. Der DRK-Blutspendedienst stellt erfahrenes Personal dafür ab. © Alexandra Palmizi

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) schlägt Alarm: „Wir brauchen euch dringend!“, heißt es auf der Homepage des Blutspendediensts für Baden-Württemberg und Hessen. Die aktuelle Versorgungslage in den Krankenhäusern mit Blut beschreibt das DRK mit „niedrig“, für die Blutgruppe 0- sogar mit „kritisch“. Die Versorgung sei aktuell nicht gesichert. Die nächste Gelegenheit, in Winnenden Blut zu spenden, bietet sich am kommenden Freitag, 15. Juli, in der Haselsteinschule. Doch wie läuft so eine Blutspende überhaupt ab? Was muss ich beim ersten Mal beachten – und was passiert mit meinem Blut? Raphael Rojas vom Roten Kreuz in Winnenden klärt auf.

Warum soll ich überhaupt Blut spenden?

Die Frage, ob die Krankenhäuser über ausreichend Blutkonserven verfügen, betrifft jeden Einzelnen von uns. Schließlich kann jeder und jede von uns in eine Situation geraten, in der er oder sie auf eine Bluttransfusion angewiesen ist, zum Beispiel nach einem schweren Autounfall.

In den vergangenen Wochen und Monaten hat das Deutsche Rote Kreuz festgestellt, dass immer weniger Menschen zur Blutspende kommen. Als Grund werden die aufgehobenen Corona-Restriktionen genannt, die Urlaubs- und Ferienzeit, in der die Menschen verreisen und generell viel unterwegs sind. Raphael Rojas hat in Winnenden die Erfahrung gemacht, dass die Blutspende-Termine in Corona-Hochphasen „ultraschnell ausgebucht“ waren. Es habe ja kein alternatives Freizeitprogramm gegeben. Blut wird aber in Urlaubszeiten ebenso benötigt wie sonst auch.

Ein weiterer Pluspunkt für Spenderinnen und Spender, neben der Möglichkeit, Solidarität zu zeigen und Karma-Punkte zu sammeln: Ihr Blut wird unter anderem auf diverse Krankheiten wie zum Beispiel HIV, Hepatitis und Syphilis untersucht. Ergibt sich im Labor eine Auffälligkeit, wird der Spender per Brief aufgefordert, sich bei seinem Hausarzt zu melden.

Wo kann ich mich anmelden?

Die Anmeldungen für den kommenden Freitag (15.7., von 14.30 bis 19.30 Uhr in der Haselsteinschule am Bildungszentrum 2, Albertviller Straße 36) sind allerdings ziemlich gut angelaufen – zum Zeitpunkt des Gesprächs mit Rojas eine Woche vor dem Termin sind von rund 150 Plätzen nur noch knapp 30 frei. Die Terminreservierung (auch für andere Blutspendetermine) ist unter www.terminreservierung.blutspende.de möglich.

Wie bereite ich mich auf die Spende vor?

Ganz wichtig: Ausweisdokument einpacken – und einen Mund-und-Nasen-Schutz. Außerdem ist es natürlich ratsam, sich schon im Vorfeld zu informieren, ob man überhaupt Blut spenden darf. Schwangere oder Menschen, die weniger als 50 Kilo wiegen, werden zum Beispiel nicht zur Blutspende zugelassen. Auch wer mit Corona infiziert war, muss mindestens zwei Wochen (in Sonderfällen auch länger) Pause machen, erklärt Raphael Rojas. Sein Tipp: Die wichtigsten Infos lassen sich auf www.blutspende.de abrufen oder durch einen Anruf bei der kostenlosen Blutspende-Hotline: 0800/11 94 911.

Außerdem rät Rojas: „Keine Mahlzeit auslassen, viel trinken! Man sollte nicht nüchtern um 17 Uhr nach einer Tasse Kaffee zum Blutspendetermin kommen. Der Körper ergänzt nach der Spende die Flüssigkeit in die Blutbahn. Dazu braucht er Reserven, wenn er die nicht hat, kann er das schlechter tun.“

Was geschieht direkt vor der Blutspende?

Jede Spenderin und jeder Spender muss einen Fragebogen ausfüllen. Gestellt werden Fragen zu Gewicht, Medikamenten, Operationen, Tätowierungen, aber auch zu seinem Sexualverhalten. Diese Frage zielt auf die Gefahr sexuell übertragbarer Krankheiten ab. 

Außerdem werden bei allen Spenderinnen und Spendern der Blutdruck und die Temperatur gemessen sowie etwas Blut abgenommen. Die Probe wird zum Beispiel auf den Eisengehalt untersucht. Raphael Rojas sagt: „Es geht darum, herauszufinden: Ist der Spender von der körperlichen Verfassung her grundsätzlich bereit?“

Bei einem ärztlichen Beratungsgespräch wird gemeinsam der ausgefüllte Fragebogen betrachtet. Am Ende entscheidet der Arzt, ob die jeweilige Person zur Spende zugelassen wird. Im März in Winnenden kamen 173 Spendenwillige, 163 durften tatsächlich spenden, zehn wurden nach den Voruntersuchungen aus medizinischen Gründen wieder nach Hause geschickt, berichtet Rojas. Ein Klassiker, insbesondere bei Frauen: „Eisenmangel“.

Wer vom Arzt das Okay bekommt, darf sich hingegen heraussuchen, an welchem Arm er angezapft werden soll.

Wie läuft die Blutspende selbst ab?

Wer an der Reihe ist, legt sich auf eine Liege. Eine Fachkraft vom Blutspendedienst legt den Zugang. „Das sind super trainierte Kolleginnen, die den Umgang mit diesem Equipment perfekt beherrschen, meistens besser als alle Ärzte“, sagt Raphael Rojas. Das ist auch gut so, denn die Nadel ist etwas dicker und härter als die kleinen Nadeln, mit denen in aller Regel Blutproben von circa fünf Millilitern entnommen werden. Schließlich soll durch die speziellen Nadeln ein halber Liter Blut in einen fest damit verbundenen Beutel fließen, und das in sechs bis zwölf Minuten.

Wäre die Nadel zu dünn, würde der Prozess zu lange dauern und die Gefahr wäre groß, dass der Schlauch im Zuge der Blutgerinnung verstopfen würde.

Was passiert nach der Blutentnahme?

Ist der Beutel voll, wird die Nadel vorsichtig herausgezogen, eine Kompresse auf die Einstichstelle gedrückt und ein Verband angelegt. „Erstspender dürfen liegen bleiben oder legen sich im Ruhebereich noch mal hin“, sagt Raphael Rojas. Die ersten Minuten nach der Blutspende seien die kritischen, in denen es manchen Menschen schwindlig wird. „Unsere Sanitäter sind da sehr erfahren. Wenn jemand bleich wird, erkennen die das sofort.“ Die meisten Menschen vertragen die Blutspende aber gut.

„Nach einer Viertelstunde dürfen sie alle springen“, sagt Raphael Rojas. Am kommenden Freitag bekommen sie noch ein Vesper mit auf den Weg, das der Förderverein der Haselsteinschule vorbereitet, mit dem das DRK schon seit mehr als zehn Jahren kooperiert.

Davon, direkt auf dem City-Treff ein paar Bier zu trinken, rät der Rotkreuzler ab: „Starken Alkoholkonsum sollte man vermeiden.“

Was geschieht jetzt mit meinem Blut?

Das Blut wird, sortiert nach Blutgruppen, direkt vor Ort gekühlt und am Abend in eines der DRK-Blutspenden-Labore gebracht. Dort wird die kostbare Flüssigkeit aufbereitet und getrennt. Es gibt Vollblut-Konserven, Plasma-Konserven und verschiedene Blutpräparate, die den Kliniken zum Kauf angeboten werden. „Krankenhäuser haben Blutkonservenlager – zum Beispiel, wenn jemand Blut nach einem Unfall braucht“, berichtet Raphael Rojas. Das komme relativ häufig vor.

Bevor eine Spende verabreicht wird, muss überprüft werden, ob es mit dem Blut des Spenders kompatibel ist. Dazu wird es bei der sogenannten Kreuzprobe gemischt und geschaut, wie es reagiert. „Bluttransfusionen sind eine nicht delegierbare ärztliche Tätigkeit, es geht um die maximale Patientensicherheit“, sagt Raphael Rojas. Die vielen Sicherheitsschritte dienen dazu, „zu verhindern, dass der Patient zwar Blut hat, aber dafür noch ein größeres Problem“.

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) schlägt Alarm: „Wir brauchen euch dringend!“, heißt es auf der Homepage des Blutspendediensts für Baden-Württemberg und Hessen. Die aktuelle Versorgungslage in den Krankenhäusern mit Blut beschreibt das DRK mit „niedrig“, für die Blutgruppe 0- sogar mit „kritisch“. Die Versorgung sei aktuell nicht gesichert. Die nächste Gelegenheit, in Winnenden Blut zu spenden, bietet sich am kommenden Freitag, 15. Juli, in der Haselsteinschule. Doch wie läuft so eine

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