Winnenden

ZVW-Sommertour: Der Herr der schönen, stummen Tiere

Tierpräparator
Stolz und schön wirkt dieser Pfau – dafür hat Präparator Manfred Wittek gesorgt. © Palmizi / ZVW

Winnenden. „Ihr habt doch da einen Tierpräparator“, sagt eine Journalistin von auswärts. Ja, und? „So was hab’ ich noch nie gesehen.“ In Winnenden ist es ganz normal, dass man in der Stadt einen hat, der tote Tiere so wieder herrichtet, dass sie fast lebendig aussehen. Die nächste und letzte ZVW-Sommertour in diesem Jahr führt zur Firma Rupff in der Ringstraße.

Video: Tierpräparator Manfred Wittek gibt einen Einblick in seinen Beruf

Manfred Wittek, der Herr der schönen, stummen Tiere, zeigt am kommenden Donnerstag, was er alles an ausgestopften Tieren hat vom Auerhahn bis zum Waschbär, und vielleicht lässt er die Leser auch einen kurzen Blick ins Innerste der Tierpräparation werfen, in seine Vorratskammer, in der auf engstem Raum in etwa 15 Kunststoffkübeln seine Arbeitsaufträge für die nächsten drei Jahre lagern: 3000 Tiere liegen bei ihm in Alkohol in den Fässern. Eins nach dem anderen holt er heraus und gibt ihm wieder eine fast lebendige Form. In ein einziges Fass passen mehr als 150 Tiere, weil er für seine Arbeit nur das Fell braucht – vom Schwanz bis zum Kopf.

Der Pfau, dessen Schönheit an der Ringstraße überlebt hat

Es riecht nach Gerberei in den Räumen des Tierpräparators. Die Sonne knallt auf die Schaufensterscheiben an der Ringstraße, aber die Hitze macht den ausgestopften Tieren nicht mehr viel. Nur die direkten Sonnenstrahlen wirken: Ausgebleicht stehen am Fenster ein Fuchs und ein Dachs. Aber ein Pfau mit seinem schillernd bunten Schwanz hält die Sonne aus, und er hat seine Farben bestens erhalten. „Der stammt von einem Mann hier in der Nähe. Der Pfau war eines Tages tot, und der Mann hatte nicht das Geld, um eine Präparation zu bezahlen“, erzählt Wittek. Er brachte das Tier zum Präparator, der behandelte es, stellt es in seiner Werkstatt aus und hat seine Freude an dem schönen Tier. Und der frühere Pfauenhalter ist froh, dass die Schönheit seines Vogels überlebt hat.

Hirsch mit mächtigem Geweih

Manfred Wittek kann viele Geschichten erzählen von seinen Tieren und den Tieren seiner Kunden. Aber die meisten Leute, die seinen Laden betreten, sehen zuerst den Hirsch hinten an der Wand mit seinem mächtigen Geweih. Dass ein Hirsch so groß ist wie ein Rind, das denkt man fast nicht. Eine Erzieherin war mal mit Kindergartenkindern zu Besuch, und dann hörte Wittek, wie sie den Kindern erklärte: „Und da, da ist ein Hirsch. Das ist der Mann vom Reh.“ Oh je. Das würde nicht gutgehen. Allein schon wegen der Gewichtsunterschiede. Wittek kennt die Größenordnungen und Proportionen sehr gut.

Bei ihm liefern Jäger und Tierbesitzer die ganzen Tiere ab. Der Präparator zieht ihnen dann das Fell fehlerfrei ab und konserviert es in Alkohol. Den ganzen Rest, die Eingeweide und die meisten Knochen, gibt er weiter in die Tierverwertung. Nach vielen Reinigungs- und Sterilisierungsprozessen kann daraus am Ende eine Hautcreme für die Menschen werden, sagt Wittek. Ihn kümmert’s nicht. Er möchte nur, dass die Stoffe ordnungsgemäß wiederverwertet oder beseitigt werden.

So formt Wittek die Präparate

Wenn das Tier hinterher wieder lebensnah aussehen soll, dann formt der 54-Jährige dem Tier einen neuen Körper aus Stroh und Faden. Über den zieht er hinterher das Originalfell, praktisch wie eine Socke. Dann formt er das Tier weiter, gibt ihm annähernd sein altes Gesicht wieder, setzt ihm Glasaugen ein und steckt ihm vielleicht noch eine Eichel zwischen die Pfoten, wenn er ein Eichhörnchen präpariert. Wittek gibt den Tieren lebendig scheinende Formen, stellt sie auf einen Ast, lässt sie irgendwo hochklettern, hat immer wieder Einfälle und Vorstellungen von der natürlichen Haltung des Tiers, aber er ist kein Künstlertyp, eher ein handfester Handwerker, der genau weiß, dass sein Beruf nicht der attraktivste ist.

„Ich könnte zehn Leute einstellen, so viel Arbeit habe ich. Aber es gibt niemanden, der den Beruf machen will.“ Ausgebildet wird nicht mehr in Betrieben, nur noch in einer Berufsfachschule in Bochum, der einzigen in ganz Deutschland. Wittek hat noch bei Manfred Rupff gelernt, dem vorherigen Inhaber der Tierpräparation. Dessen Geschäft hat Wittek übernommen, und er sagt, mittlerweile sei er in der Region der Einzige, der so etwas noch macht. Die Folge ist: Vor Aufträgen kann sich Wittek kaum retten.

Anmeldung

Die Sommertour zum Tierpräparator in der Ringstraße 1 in Winnenden findet am Donnerstag, 8. September, ab 17 Uhr statt. Treffpunkt ist vor der Firma Rupff, Seestraße 5, Winnenden. Die Führung dauert etwa eine Stunde. Der Zugang zum ersten und wichtigsten Raum ist ebenerdig und damit barrierefrei. Allerdings ist der Raum klein, weshalb nur 20 Personen teilnehmen können. Gehen mehr Anmeldungen in der Redaktion ein, entscheidet das Los.

Anmeldeschluss ist Montag, 5. September, 12 Uhr. Die Teilnehmer werden dann in der Dienstagsausgabe der Winnender Zeitung (6. September) veröffentlicht.

Anmelden kann sich jeder, der Interesse hat – egal ob jung oder alt: Kinder sind auch willkommen. Einfach den Coupon aus der Zeitung ausfüllen oder eine Mail an winnenden@zvw.de schicken.